Ruhestand für zwei CDU-Männer: 200 Anträge und eine späte Genugtuung

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Generationswechsel bei der CDU der Bezirksvertretung Mengede. Nach zusammen 37 Jahren verlassen Joachim Farnung und Gerhard Kuck die aktive Politik. Ganz in den Ruhestand gehen sie noch nicht.

Mengede

, 01.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn sich am 9. September die Bezirksvertretung (BV) Mengede zu ihrer letzten Sitzung der Wahlperiode trifft, nehmen zwei CDU-Granden im Stadtbezirk Abschied. Nach zusammen 37 Jahren gehen Gerhard Kuck und Joachim Farnung in den politischen Ruhestand. Für die Wahl zur neuen BV treten sie nicht mehr an. Ganz Schluss soll aber dennoch nicht sein.

Gerhard Kuck kam 1999 in das Mengeder Stadtbezirksparlament. Seit 2009 ist er stellvertretender Bezirksbürgermeister. Joachim Farnung gehört seit 2004 der BV an. Die vergangenen fast 12 Jahre war er Sprecher der fünfköpfigen Fraktion der Christdemokraten.

Beim Gespräch mit dieser Redaktion in einem Mengeder Café wirken sie bereits „vor-ruheständlerisch“ entspannt. Sie sind zufrieden. „Vor sechs Jahren hatten wir uns vorgenommen, 200 Anträge in die Bezirksvertretung einzubringen“, sagt Farnung. „Ich habe nachgerechnet. Die haben wir geschafft“

Später Erfolg für eine alte Forderung

Beide haben in den vegangenen gut zwei Jahrzehnten Veränderung im politischen Miteinander bei den Sitzungen im Mengeder Amtshaus festgestellt. „Es gab Zeiten, da gingen unsere Anträge grundsätzlich nicht durch“, sagt Farnung. Gerhard Kuck zieht einen alten Flyer aus seinen Unterlagen und lächelt. „Das ist so ein Beispiel“, sagt er, „die Nordumgehung Bodelschwingh“.

Wie alt das leicht vergilbte Faltblatt ist, kann er nicht mehr sagen. Seinerzeit forderten die Ortsunionen Bodelschwingh und Nette eine Umgehungsstraße – eine Verlängerung der Autobahn 42 bis zur Kreuzung Haberlandstraße/Bodelschwingher Straße. Und sie stießen damit auf breite Ablehnung in der Bezirksvertretung.

Im Juni 2020 beschloss die BV mit breiter Mehrheit genau diese alte Idee für ihr künftiges Verkehrskonzept. „Die Tür ist geöffnet“, sagt Farnung. „Gerade im Zusammenhang mit Knepper braucht es Lösungen für die Verkehrsproblematik.“ Es scheint ein wenig Genugtuung, vielmehr jedoch Zufriedenheit zu sein, die in den Aussagen mitschwingt.

Parteien ringen um pragmatische Lösungen

Vor allem in der zuende gehenden Legislaturperiode habe es ein eher pragmatisches gemeinsamen Ringen um „Lösungen für den Stadtbezirk“ gegeben.

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Als Kuck und Farnung an diesem Nachmittag Bilanz ziehen, reden sie nicht allein über Erfolge ihrer Fraktion, sondern blicken auf Prozesse im Stadtbezirk zurück: die Modernisierung des Mengeder Ortszentrums etwa oder die Entwicklung des Netter Schulzentrums zum Kultur- und Bildungspark.

Mit bekannten und neuen Gesichtern geht die CDU in die Kommunalwahl am 13. September. Holger Martens (r.) kandidiert für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Andreas Flur (3.v.r.) soll neuer Fraktionssprecher werden.

Mit bekannten und neuen Gesichtern geht die CDU in die Kommunalwahl am 13. September. Holger Martens (r.) kandidiert für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Andreas Flur (3.v.r.) soll neuer Fraktionssprecher werden. © Uwe von Schirp

Andere Themen warten derweil noch auf eine Lösung. Gerhard Kuck nennt die Ansiedlungen auf Knepper. „Logistik frisst Platz“, sagt er. „Wir wollen auch höher qualifizierte Arbeitsplätze.“ Und damit auch Menschen, die in den Stadtbezirk ziehen. Mehrfach spricht er eine Stärkung der Kaufkraft an.

Offene politische Baustellen bleiben

Besonders im Fokus haben die beiden Christdemokraten ihre Kernthemen, die sie unter die Überschrift „SOS“ – Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit – fassen. „Ich weiß nicht wieviele Ortstermine wir am S-Bahnhof Nette/Oestrich hatten“, sagt Kuck. „Dreck, Scherben, Graffiti. Dieses Umfeld bleibt weiterhin eine Aufgabe.“

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Ein Thema von vielen, die auch ihre Nachfolger in der BV beschäftigen werden: die Sanierung maroder Straßen und der Grundschulen in Nette und Oestrich, das verkehrswidrige Parken von LKW in Wohngebieten, die Behebung von Leerständen und die Sicherstellung der ortsnahen Versorgung – für Gerhard Kuck und Joachim Farnung sind es offene politische Baustellen.

Sie übergeben sie an ihre Nachfolger. „Aber wir sind ja nicht aus der Welt“, sagt Kuck. „Wir werden unsere Nachfolger unterstützen.“ Meint auch Farnung: „Wir werden die angefallenen Themen noch im Auge haben.“

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