Glashalle statt Treppen: Gastronomie-Pläne für den Hansaplatz stoßen auf Skepsis

hzMasterplan für City-Plätze

Viele große und kleine Plätze prägen das Dortmunder Stadtzentrum. Die Stadt will hier für Leben sorgen. Und hat vor allem mit dem Hansaplatz etwas vor, was schon im Vorfeld für Streit sorgt.

Dortmund

, 11.07.2019, 10:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bogen ist weit gespannt. Von unscheinbaren Plätzen, die den Dortmunder Partnerstädten gewidmet sind, wie dem Platz von Trabzon am U-Turm und dem Platz von Novi Sad am Ostentor, bis zu den großen Veranstaltungsplätzen Friedensplatz und Hansaplatz reicht die Liste beim Masterplan Plätze. 38 Plätze und „platzähnliche Räume“ sind es insgesamt.

Die Stadt will mit dem Planwerk Ideen für die Gestaltung sammeln und dokumentieren - und hatte dazu am Mittwoch (10.7.) zu einem Bürgerdialog ins Rathaus eingeladen.

Eines vorweg: Bei den meisten Plätzen soll alles beim Alten bleiben. Verbessert werden soll in der Regel die Pflege. Und auch der erstmals zum Kirchentag angelegte Blumenschmuck soll auf den zentralen Plätzen dauerhaft erhalten bleiben. Zumindest für einen großen Platz bahnen sich nach dem städtischen Konzept aber größere Veränderungen an. Auf dem Hansaplatz soll in Höhe der Treppenanlage eine gläserne Halle mit Gastronomie entstehen.

20 Jahre alte Idee

Ein wenig erinnert die geplante Glashalle auf dem Hansaplatz an das Ungeheuer von Loch Ness, das alle paar Jahre aus der Versenkung auftaucht. Denn die Idee ist schon 20 Jahre alt. Im Zusammenhang mit dem Bau des Hansa-Carrés mit dem Karstadt-Sporthaus auf dem Grundstück der alten Stadt- und Landesbibliothek räumte die Stadt 1999 der Dortmunder Investorenfirma Diag auch die Option ein, den Hansaplatz mit einer gläsernen Markthalle zu bebauen.

Der erste Entwurf ging in den Wellen des damaligen Kommunalwahlkampfes unter. 2003 und 2008 tauchte das Vorhaben vorübergehend wieder auf. Inzwischen war das geplante Gebäude deutlich kleiner geworden. Und statt einer Markthalle war nun von einer gastronomischen Nutzung die Rede.

Pavillon für Gastronomie

Jetzt, elf Jahre nach dem letzten Vorstoß, werden die Pläne unter dem Titel Hansa-Pavillon wieder aktuell. Und statt einer geschwungenen Form, die entfernt an die Form eines Fisches erinnert, ist nun ein klassisches Rechteck vorgesehen. 58 Meter lang und 17 Meter breit, sechs bis sieben Meter hoch. Als Nutzung sind eine Systemgastronomie und ein Eis-Café im Gespräch.

Doch die Begeisterung hielt sich bei dem mit 120 Teilnehmern gut besuchten Bürgerforum im Rathaus in Grenzen. „Das Vorhaben polarisiert“, stellte Planungsdezernent Ludger Wilde fest. Dazu beigetragen haben dürften die zuvor vergebenen Noten für das aktuelle Leben auf den Plätzen. Sowohl der Wochenmarkt, als auch große Veranstaltungen und Feste in der City wurden von den Teilnehmern überwiegend positiv beurteilt.

Glashalle statt Treppen: Gastronomie-Pläne für den Hansaplatz stoßen auf Skepsis

Voll besetzt mit 14.000 Menschen war der Hansaplatz gleich mehrfach beim Evangelischen Kirchentag im Juni. Dabei stellte er seine Qualitäten als Veranstaltungsplatz unter Beweis. © Markus Mielek

Für den Markt wie auch für andere Veranstaltungen auf dem Hansaplatz hätte die Bebauung vor dem Baumhain allerdings Konsequenzen. „Dafür brauchen wir schöne große freie Plätze“, sagte etwa Schausteller Patrick Arens. Andere Teilnehmer, wie der Cityring-Vorsitzende Dirk Rutenhofer, wünschen sich aber auch eine dauerhafte Belebung des Hansaplatzes abseits von Markt und Veranstaltungen. Insgesamt gab es aber wohl „mehr Contra als Pro“, bilanzierte Simone Karcz von der Dortmund-Agentur das Stimmungsbild in ihrer Arbeitsgruppe zum Nutzung der Cityplätze,

Sorgen um Platz von Amiens

„Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen, hat gerade erst begonnen“, erklärte Ludger Wilde. Die Verwaltung will nun die Anregungen aus dem Bürgerforum auswerten und dann auch in der Politik zur Diskussion stellen.

Und der Hansaplatz ist auch nicht die drängendste Baustelle für die Planer. Verbesserungsbedarf sahen die Teilnehmer des Forums vor allem für den Platz von Amiens, der im Süden eher ein schäbiger Hinterhof ist. „So, wie er sich heute darstellt, kann es auf Dauer nicht bleiben“, stimmte auch der Planungsdezernent in die Kritik ein.

Glashalle statt Treppen: Gastronomie-Pläne für den Hansaplatz stoßen auf Skepsis

Einen besonders trostlosen Eindruck macht der südliche Teil des Platzes von Amiens hinter dem Westfalenforum. © Oliver Volmerich

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