Glyphosat-Verbot in Dortmund gilt nicht mal für die Hälfte aller Äcker

hzUnkrautvernichter

Glyphosat wird wieder diskutiert, nachdem der Bayer-Konzern zu 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz verurteilt wurde. Dortmund hat den Einsatz verboten. Aber das betrifft nicht alle Flächen.

Dortmund

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Kein Glyphosat mehr auf Dortmunds Feldern: Das gilt bereits seit Dezember 2017. Auf Antrag der Grünen hatte der Umweltausschuss damals beschlossen, das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel von städtischen Feldern zu verbannen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte das Pflanzengift Glyphosat 2015 als potenziell krebserregend eingestuft. Dortmund wollte als Gründungsmitglied des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt“ eine Vorbildfunktion bei der Verwendung zweifelhafter Pestizide einnehmen.

Tatsächlich aber betrifft die Dortmunder Entscheidung nicht mal die Hälfte der heimischen Ackerflächen; denn sie gilt nur für die Felder, die die Stadt an Landwirte verpachtet. Doch diese Bauern müssen sich daran halten. Laut Stadtsprecher Christian Schön haben damals alle Landwirte, die Flächen von der Stadt gepachtet haben, eine Änderungskündigung vom Liegenschaftsamt bekommen, die den Einsatz des Pflanzengiftes ausschließt. Schön: „Das haben auch alle angenommen.“

Einsatz auch auf Privatäckern deutlich gesunken

Für die anderen Landwirte in Dortmund gilt die Entscheidung der EU-Kommission, dass sie das Pflanzenschutzmittel Glyphosat noch mindestens fünf Jahre verwenden dürfen. Doch auch auf den landwirtschaftlichen Privatflächen in Dortmund sei der Einsatz von Glyphosat stark gesunken, berichtet Siegfried Eickelberg, zuständig für Pflanzenschutz bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: „Fünf Prozent, mehr ist das nicht mehr“, schätzt er.

Immer wieder erreichten ihn Anrufe von verunsicherten Landwirten. Nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil Glyphosat in der Kritik stehe, trauten sich Landwirte teilweise nicht mehr, Glyphosat einzusetzen, weil sie sonst Anfeindungen ausgesetzt seien, so Eickelberg.

Unkrautbrenner auf den Friedhöfen

Auch für die Flächen, die sich im Portfolio des Umweltamtes befinden, wie etwa Streuobstwiesen, sei Glyphosat tabu, sagt Stadtsprecher Schön. Gleiches gilt für den Westfalenpark, Rombergpark und die städtischen Friedhöfe. Seit rund 20 Jahren, so der stellvertretende Betriebsleiter Uli Heynen, herrsche auf den Friedhöfen „absolutes Insektizid- und Herbizid-Verbot“. Friedhofsmitarbeiter der Stadt seien nun noch mit Wildkrautbrennern unterwegs. Heynen: „Das geht nur im Schritttempo, aber wird gemacht.“

Das Tiefbauamt verzichtet ebenso auf Glyphosat, berichtet Stadtsprecher Schön. Daran müssen sich auch die Firmen halten, die vom Tiefbauamt mit der Unkrautbeseitigung beauftragt würden. Das umfasst alle städtischen Spiel- und Sportflächen.

EDG nimmt Heißdampf und Fugenkratzer

Auch die EDG, die in Dortmund das Straßengrün bekämpft, kommt dabei ohne Glyphosat aus. Nicht zuletzt, weil es seit 2014 per Ministererlass in NRW verboten ist, für kommunale Straßen und Flächen, die nicht gärtnerisch, land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden, Glyphosat einzusetzen.

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Die EDG-Mitarbeiter greifen neben dem Fugenkratzer auf Heißdampf zurück, um dem Wildkraut den Garaus zu machen. Das Heißdampfverfahren wird auf rund 95 Kilometern eingesetzt. Hier wird das Wildkraut an gepflasterten Flächen, Verkehrsschildern, Ampelmasten und Bordsteinen sowie in Nahbereichen von Pollern auf Gehwegen, in Parkbuchten und auf Querungshilfen bekämpft.

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