Goldene Fußballzeiten in Mengede: Erinnerungen an das Spiel gegen den BVB

hzErinnerungen an Mengede

Karl-Heinz Gellert teilt seine Erinnerungen an Mengede aus vergangenen Zeiten. Er erinnert sich an den Krieg, aber auch an Fußball-Triumphe. Einer ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben.

Mengede

, 10.09.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karl-Heinz Gellert ist, wenn man so will, ein Kind des Stadtbezirks. In Nette wurde er groß. Den Großteils seines Lebens wohnte er in der Mengeder Heide.

Seinen Alterssitz hat er schließlich in Oestrich genommen. Als der 88-Jährige las, dass diese Redaktion Erinnerungen an Mengede in vergangenen Zeiten sucht, fielen ihm viele Geschichten ein. Wenn er erzählt, sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Natürlich sind da die Erinnerungen an die Kindertage im Krieg. Gellert erzählt von Flugabwehr-Kanonen (Flak) auf den Feldern an der Stadtgrenze zu Ickern, nahe Gut Königsmühle oder am heutigen Kommunalfriedhof.

Er berichtet von Leuchtkugeln am Himmel, mit denen die Alliierten schon 1940 bei Erkundungsflügen das Gelände der Zeche Hansemann ausspähten.

Blindgänger schlug durch die Haustür

„Nachbarn standen draußen und guckten sich das Abschießen der Leuchtkugeln durch die Flak an.“ Karl-Heinz Gellert wollte sich das auch ansehen, seine Mutter öffnete die Haustür an der Ecke Mengeder- / Händelstraße aber nur einen Spalt breit.

„Dann gab es plötzlich einen Feuerball vor unseren Augen.“ Ein Blindgänger der Flak. Splitter drangen durch die hölzerne Tür, verletzten seine Mutter am Bein. „Die Nachbarn haben dann den Sanitätsrat Hallermann geholt.“

Der Krieg wurde immer schlimmer. Als bei zwei Großangriffen auf Dortmund auch die Netter Komponistensiedlung getroffen wurde, meldete sich Karl-Heinz Gellert freiwillig zur Kinderlandverschickung.

„In der Nacht vor dem 24. Mai 1943 habe ich mich entschieden.“ Es war die Nacht vor seinem Geburtstag. Viermal verließ er sein Elternhaus, jeweils für ein halbes Jahr. „Schulunterricht fand zu der Zeit ohnehin kaum noch statt“, sagt er.

Familie musste Hausschwein notschlachten

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Gellert erinnert sich an die Bunkergänge zwischen den Kellern der Doppelhäuser und an den Schutz, den die Bewohner unter den Treppenhäusern suchten. „Als im November 1944 die Brahmstraße bombardiert wurde, saßen wir da unten.“ Draußen im Stall lebte das Hausschwein der Familie – kurz vor der Schlachtreife. „Bergleute hatten alle Schweine. Sie waren Teil-Selbstversorger“, erzählt Gellert. Das eigene Vieh wurde auf die Lebensmittelkarten angerechnet.

Am Tag nach dem Angriff fraß das Schwein nicht mehr: Der Tierarzt diagnostizierte einen Lungenriss. Familie Gellert beantragte eine Notschlachtung. „Das Schwein wog schon zweieinhalb bis drei Zentner. Uns wurde aber nur ein Zentner auf die Fettkarte angerechnet.“ Karl-Heinz Gellert lacht. „Das war nicht ganz rechtens, aber damals eine Kungelei.“

Meisterschaft ist eine bleibende Erinnerung

Nach dem Krieg ging der Netter in die Lehre: Nach einem Intermezzo bei der Bahn lernte der nunmehr 16-Jährige bei Kedziora in Oestrich Polsterer und Dekorateur. Kungeln war in den Nachkriegsjahren auch hier üblich. Gezahlt wurde mit Kohle. Der Chef hatte mit Lieferanten verhandelt. „Wir wussten, er hatte gutes Material. Das war wichtig, damit wir was lernen.“

Goldene Fußballzeiten in Mengede: Erinnerungen an das Spiel gegen den BVB

Die kleine Zeitung „Der Sport am Sonntag“ zeigt die erfolgreiche Jugendmannschaft des TBV auf der Titelseite. © Repro: Uwe von Schirp

In den Erinnerungen hat sich aber ein Erlebnis bei Karl-Heinz Gellert besonders eingebrannt. „1947 wurden wir mit der B1-Jugend des TBV Mengede Südwestfalenmeister.“ Die Augen des 88-Jährigen leuchten. In der Hand hält er ein kleines Heft: „Der Sport am Sonntag“ vom 7. September 1947. Er ist der vierte Spieler von links auf der Titelseite. Mit 3:0 hatte die Jugendmannschaft des TBV 08 gegen den SSV Hagen auswärts gewonnen. Südwestfalenmeister. „Das war der höchste Titel, den man damals erringen konnte.“

Goldene Fußballzeiten in Mengede: Erinnerungen an das Spiel gegen den BVB

Als Südwestfalenmeister in der B-Jugend noch halbrechter Läufer, wechselte Karl-Heinz Gellert ab der A-Jugend ins Tor. © privat (Repro: Uwe von Schirp)

Goldene Mengeder Fußballzeiten – auch damals schon im Volksgarten-Stadion. „Da war der Platz voll mit Zuschauern.“ Mengede stieg 1946 in die damals erstklassige Landesliga auf. Im Spiel gegen Borussia Dortmund führte der TBV bis kurz vor Schluss mit 1:0. „Dann haben sie nicht aufgepasst“, sagt Gellert. „Und August Lenz schoss den Ausgleich.“

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