Predigt übers Autoradio: Kirchen feiern Gottesdienst auf Phoenix-West

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Die Dortmunder haben einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert - im Autokino auf Phoenix-West. Gläubige saßen in ihren Autos statt in Kirchenbänken. Die Teilnehmer verband ein besonderer Wunsch.

Dortmund

, 01.05.2020, 17:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als „Kathedrale der Arbeit“ bezeichnete ein Autor einst das Hochofenwerk Phoenix-West; heute bildet das imposante Industriedenkmal das Szenario für sogenannte „Skywalks“ - Himmelsspaziergänge. Einen passenderen Ort für einen ökumenischen Gottesdienst hätten die katholische und die evangelische Kirche Dortmund am Tag der Arbeit somit kaum wählen können. Wobei die Besucher - der Coronakrise geschuldet - nicht auf Bänken, sondern in ihren Autos sitzen.

Wunsch nach gemeinsamem Gebet

Wo zuletzt Filmfans im Schatten der Hochöfen die längst vergangenen Zeiten des Autokinos wieder aufleben ließen, weisen an diesem Freitagmittag (1. Mai) Ordner die mit Gläubigen besetzten Wagen auf dem Schotterplatz ein. 150 Autos, mal besetzt mit nur einer Person, mal mit einer ganzen Familie, haben sich eingefunden. Nach der wochenlangen Schließung der Kirchen ist der Wunsch nach einem gemeinsamen Gebet groß.

Christa Gleue und ihre Tochter Beate Dubbel tragen selbst im Auto einen Mundschutz. „Mir hat der Gottesdienst sehr gefehlt“, erläutert Christa Gleue ihr Kommen.

Christa Gleue und ihre Tochter Beate Dubbel tragen selbst im Auto einen Mundschutz. „Mir hat der Gottesdienst sehr gefehlt“, erläutert Christa Gleue ihr Kommen. © Stephan Schuetze

Christa Gleue und ihre Tochter Beate Dubbel sind vorsichtig: Selbst im Auto tragen die Hombrucherinnen einen Mundschutz. Doch auf den Gottesdienst wollten sie dennoch nicht verzichten, erläutert Gleue: „Mir hat er sehr gefehlt. Das ganze Leben ist so hektisch - hier kehrt die Besinnlichkeit zurück. Und dem tut auch der ungewöhnliche Standort keinen Abbruch.“

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Dortmunder Gläubige feiern Gottesdienst im Autokino

Die Dortmunder "Kathedrale der Arbeit", der alte Hochofen auf Phoenix-West ist nun ein Autokino und war Schauplatz für eines ungewöhnlichen Gottesdienstes.
01.05.2020
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Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze
Einen Gottesdienst im Autokino feierten die evangelische und katholische Kirche auf Phoenix-West.© Stephan Schuetze

Die beiden Geistlichen, Superintendentin Heike Proske und der stellvertretende Stadtdechant Michael Vogt, ebenso wie die Besucher profitierten von der Technik, die eigens fürs Autokino installiert wurde. Neben Lautsprechern sind ihre Worte auch über das Autoradio zu hören. Oder besser gesagt: sollten zu hören sein.

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Denn während offenbar kein anderer Gast Schwierigkeiten mit der Technik hat, fehlt meinem Radio der Draht nach oben: Die Worte der Geistlichen, die vorne auf einer Bühne stehen, finden nur kryptisch ihren Weg ins Fahrzeuginnere. Das Ehepaar im Auto nebenan bemerkt mein Problem, öffnet kurzerhand das Fenster einen Spalt und dreht das eigene Radio lauter. So kann auch ich mithören. Ein Beispiel für gelebte Nächstenliebe.

Peter und Marlies Middel spürten auch im Auto ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit den anderen Gläubigen.

Peter und Marlies Middel spürten auch im Auto ein Zusammengehörigkeitsgefühl mit den anderen Gläubigen. © Stephan Schuetze

Peter Middel, jener freundliche Herr im Nachbarwagen, hält den außergewöhnlichen Gottesdienst ohnehin für eine „sehr gute Alternative“: „Man hat so die Gemeinschaft wieder. Obwohl wir alle im Auto sitzen, entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Dazu hat nicht zuletzt er mit der pragmatischen Hilfe sein Scherflein beigetragen.

Harte Arbeit der Malocher

Auch Heike Proske und Michael Vogt sorgen dafür, dass es ein außergewöhnlicher Gottesdienst wird. Sie lassen die Geschichte von Phoenix-West Revue passieren und erinnern an die harte Arbeit, die Generationen von Malochern hier leisteten. Und so kommt Pfarrer Vogt auf die heutigen, die Corona-Zeiten zu sprechen: Er erinnert an all jene, die nun arbeitslos sind oder um ihren Job bangen müssen.

Superintendentin Proske stellt schließlich die Frage in den Raum, was bleiben wird von der Krise. Und sie selbst gibt die Antwort: „Wir halten zusammen und wir wachsen zusammen.“ Es ist die Hoffnung auf eine Zukunft, in der die gemeinsam erlebte Not zu mehr Rücksicht unter den Menschen führt.

Drei Generationen in einem Auto: Ilse, Katrin, Frederike und Carlotte Köster waren gemeinsam zum Gottesdienst angereist.

Drei Generationen in einem Auto: Ilse, Katrin, Frederike und Carlotte Köster waren gemeinsam zum Gottesdienst angereist. © Stephan Schuetze

Überhaupt bildet Verbundenheit ein zentrales Element der Veranstaltung. Das zeigt sich unter anderem im Auto der Familie Köster: Katrin Köster ist mitsamt ihrer Mutter Ilse sowie den Töchtern Frederike (13) und Carlotte (11) angereist. Selbst in Corona-Zeiten kein Problem, da das Quartett auch sonst unter einem Dach lebt.

Gemeinschaft vermisst

Sie habe in den vergangenen Wochen ja schon mehrere Online-Gottesdienste am Monitor verfolgt, sagt Mutter und Oma Ilse Köster: „Aber die Gemeinschaft, die es hier gibt, die habe ich vermisst.“

Auf dem Heimweg fahren schließlich alle Autos an der Bühne vorbei, auf der Proske und Vogt stehen und winken. Viele Besucher winken zurück und hupen. Ein wahrhaftig ungewöhnlicher Gottesdienst.

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