Darum würdigen Graffiti am Westpark die Edelweiß-Piraten

hzKunst im Unionviertel

Das AWO-Haus am Westpark wurde schon häufig beschmiert. Nun haben sich die Besitzer um eine Neugestaltung gekümmert und ein Kunstwerk in Auftrag gegeben - wieder ein Graffiti.

von Alexandra Wachelau

Unionviertel

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Das AWO-Haus am Westpark, Lange Straße 44, wurde in der Vergangenheit häufig mit Graffiti beschmiert vorgefunden. Nun hat sich die AWO mit dem Ortsverband zusammengeschlossen. Aus der Vorgabe, die Hauswände zu verschönern, wurde ein Projekt gemacht. Der in der Szene bekannte Graffiti-Künstler Ingo Ahlborn wurde eingeladen, das Projekt zu betreuen.

Alleine war er dabei aber nicht. Daniela Heetzsch und René Geisler gestalteten die Hauswände weitgehend eigenständig. Sie sind Mitglieder der sogenannten „WerkstattArbeit“ der AWO, in der behinderte Menschen sich künstlerisch ausdrücken können.

Die Künstlergruppe „WerkstattArbeit“ war mit vollem Einsatz dabei

„Sie waren echt mit viel Herzblut dabei“, sagt Egor Jacob, der neue Bereichsgruppenleiter der AWO. „An einem Tag hat es in Strömen geregnet, aber Daniela wollte trotzdem weiterarbeiten“, sagt Jacob. „Rene war dagegen eher selbstkritisch, aber als wir ihn dann gefragt haben, ob er denn überhaupt schon mal sowas gemacht hätte – was nicht der Fall war – war er doch stolz.“

Um solche Erfolge geht es in der Gruppe der AWO auch. Die Menschen sollen sich durch die Kunst eigene Ziele setzen und so Selbstbewusstsein gewinnen, gleichzeitig aber auch Alltagsroutinen erhalten.

Darum würdigen Graffiti am Westpark die Edelweiß-Piraten

Sam Slavenburg und Egor Jacob (vorne) von der AWO haben bei dem Workshop die Künstler der „WerkstattArbeit" begleitet. © Alexandra Wachelau

Über 30 Menschen haben sich auf dem Haus verewigt

Ingo Ahlborn hat beim ersten Besuch erkannt, dass sich über 30 verschiedene Menschen auf der Häuserwand verewigt haben. Einige davon waren in der Szene so bekannt, dass sich der Künstler erst das Einverständnis holen wollte – der „Ehrenkodex“, also das ungeschriebene Gesetz in der Szene, dass ein gutes Graffiti nicht übersprüht wird, sollte nicht verletzt werden.

„Die Graffiti gehören auch mit ins Unionsviertel“, sagt der Künstler. „Der Stil hat sich nur verändert. Die Qualität hat sich verändert.“

Graffiti widmet sich der Jugendgruppe „Edelweißpiraten“

In einem zweiwöchigen Workshop wurde das Kunstprojekt geplant und vorbereitet. Das Thema hat wiederum die AWO vorgegeben: Vergangenes Jahr wurde im Eugen-Krautscheid-Haus eine Veranstaltung über die „Edelweißpiraten“ organisiert. Das war eine Gruppe aus Dortmunder Jugendlichen, die sich zur NS-Zeit gegen das Regime gestellt hat.

„Die Gruppe hat sich auch immer im Westpark getroffen. Deswegen fanden wir es angebracht, ihnen so ein Denkmal zu setzen“, sagt Cordula von Koenen von der AWO. „Außerdem kann man es durchaus als politische Aussage gegen rechts sehen“, sagt Anne Eberle von der SPD-Fraktion. Koenen verrät, dass vielleicht auch dieses Jahr von der AWO wieder eine Veranstaltung zu den Edelweißpiraten geplant ist. Sie solle sich dabei aber anders gestalten als die vom vergangenen Jahr – mit einer „szenischen Lesung“. Mehr verrät sie nicht.

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