Graffiti, Müll, Vandalismus: S-Bahnhof Nette/Oestrich gilt als miesester Bahnhof in Dortmund

hzVRR-Stationsbericht

Eine traurige Serie: Im dritten Jahr infolge bekommt der S-Bahnhof Nette/Oestrich ganz schlechte Noten. Es ist der mieseste Bahnhof in Dortmund. Für die Fahrgäste gibt es dafür Gründe.

Nette, Oestrich

, 17.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Birgit Kühn ist auf dem Weg zur Arbeit. Es ist Mittagszeit. Sie steht auf dem Bahnsteig des S-Bahnhofs Nette/Oestrich. „Wenn ich gegen 22 Uhr von der Spätschicht komme, bin ich hier ganz schnell weg“, sagt sie. Ein Angstraum. „Hier laufen dann nur Bekloppte herum.“

Bekloppte: Das sind Gruppen von Jugendlichen, die den Abend auf dem Bahnsteig verbringen – mit Zigaretten und Alkohol. „Über Nacht ist das hier ein Drogenumschlagplatz“, schildert Kühn ihre Beobachtungen.

Birgit Kühn nutzt die S-Bahn für ihren Weg zur Arbeit. Mittags ist die Station sicher, abends ein Angstraum.

Birgit Kühn nutzt die S-Bahn für ihren Weg zur Arbeit. Mittags ist die Station sicher, abends ein Angstraum. © Uwe von Schirp

Der S-Bahnhof liegt auf einem Bahndamm. Einsehbar ist er nicht: Die Feuerwache auf der einen Seite und die Reihenhäuser auf der anderen Seite liegen ein Stück weit weg. Vielleicht ist auch das ein Grund für den Zustand. Im aktuellen Stationsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) hat die Station Nette/Oestrich ein sattes Rot: „ein nicht akzeptables Erscheinungsbild“.

Schlimmster Bahnhof in Dortmund

Und das im dritten Jahr in Folge. Mehr noch: Mit Blick auf die einzelnen Bewertungskriterien zeigt sich: Es ist der schlimmste Bahnhof in ganz Dortmund.

Graffiti am Zugang und auf dem Bahnsteig – wohl Folge der isolierten Lage. Unzureichend auch die Ausstattung des Bahnsteigs: zwei schmale Unterstände mit ein paar Sitzplätzen, kein Fahrplan, die Schaukästen nur ein Rahmen ohne Glas, ein versteckter Fahrkartenautomat – das war‘s.

Vandalismus: Das Display des noch neuen Fahrkartenautomaten ist zersplittert. Ein Loch (links) sieht aus wie von einem Einschuss.

Vandalismus: Das Display des noch neuen Fahrkartenautomaten ist zersplittert. Ein Loch (links) sieht aus wie von einem Einschuss. © Uwe von Schirp

„Der neue Automat ist schon wieder demoliert“, sagt Birgit Kühn verärgert. „Sieht aus, als wenn da einer reingeschossen hat.“ In der Tat hat das Display ein Loch, das einem Einschuss gleicht. Die Scheibe hat Risse. Der Automat ist erst seit dem 15. Dezember in Betrieb.

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Sein Vorgänger wurde im August 2019 ‚berühmt’ als „dreckigster Fahrkartenautomat“ Dortmunds. Der neue Automat steht hinter einer Mauer. „Ich musste ihn erst suchen“, sagt Frank Muchel. „Der Haltepunkt ist unübersichtlich.“ Frank Muchel nimmt an diesem Mittag seit Langem mal wieder die S-Bahn.

Zugang ist „noch akzeptabel“

Am Treppenaufgang an der Haberlandstraße hängen zumindest ein Fahrplan und Tarifinformationen. Der Schaukasten hat eine Scheibe. Dafür gab es ein Gelb: „noch akzeptabel“.

Dass die Sauberkeit sowohl beim Zugang als auch auf dem Bahnsteig mit „Grün“, also akzeptabel, bewertet wurden, muss wohl relativ gesehen werden. Wind bläst über den Bahnsteig: Papier, Verpackungsmüll und Scherben liegen im Schotterbett und im Gras der Böschung. „Es gibt nur zwei Mülleimer“, sagt Hava Brammann. „Viel zu wenig.“

Müll auf der Rampe: Die Scherben sind eine Verletzungsgefahr und können an den Rädern der Rollstühle zu einem Platten führen. Mülleimer gibt es unten an der Rampe weit und breit keine.

Müll auf der Rampe: Die Scherben sind eine Verletzungsgefahr und können an den Rädern der Rollstühle zu einem Platten führen. Mülleimer gibt es unten an der Rampe weit und breit keine. © Uwe von Schirp

Vivien und Felica nehmen es, wie es ist. „Das ist doch fast überall so“, sagen sie unisono mit Blick auf die Sauberkeit. „In Mengede und Westerfilde ist das schlimmer.“ Sie wohnen nahe dem Haltepunkt. Für die 15-Jährigen bietet er die beste Möglichkeit, in die Stadt zu kommen.

Ein unzureichender barrierefreier Zugang

Im Stationsbericht ist die Station als barrierefrei ausgewiesen. Allerdings: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren müssen einen Umweg von 500 Metern von der Treppe nahe den Bushaltestellen in Kauf nehmen, um über eine Rampe auf den Bahnsteig zu kommen. Ein nicht bewertetes Defizit.

Die Rampe an der westlichen Seite der Station. Der barrierefreie Zugang zeigt, wie ungepflegt die Station ist.

Die Rampe an der westlichen Seite der Station. Der barrierefreie Zugang zeigt, wie ungepflegt die Station ist. © Uwe von Schirp

Ohnehin nutzen die Rampe nur wenige Fahrgäste. Der barrierefreie Zugang hat ein Schattendasein – auch weil er nur in die Eigenheimsiedlung an der Straße Haberkamps Vöhde führt. Die Ausstattung geht hier gegen Null. Nicht nur an diesem Mittag liegen Scherben und Müll auf dem Pflaster.

Graffiti wohin das Auge reicht: Überall an Zugang und Bahnsteig sind Schmierereien.

Graffiti wohin das Auge reicht: Überall an Zugang und Bahnsteig sind Schmierereien. © Uwe von Schirp

„Im Zugangsbereich in allen Quartalen gab es maximale Abzüge“, schreibt ein VRR-Sprecher auf Anfrage dieser Redaktion. „Auf dem Bahnsteig sah es zu Jahresbeginn noch ordentlich aus, dann aber verschlechterte sich der Zustand erheblich.“

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