Großbrand in Lagerhalle: Junge Brasilianerin (33) verliert ihre Wohnung

hzDortmunderin in Not

Der Großbrand in Dorstfeld hat nicht nur eine Lagerhalle, sondern auch die Wohnung einer jungen Brasilianerin zerstört. Die 33-Jährige hat fast alles verloren und ist nicht versichert.

Dorstfeld

, 10.09.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

2017 kam Halyne Schafer von Brasilien nach Dortmund. Alles, was die junge Brasilianerin damals besaß, passte in einen Koffer. Drei Jahre später hat die 33-Jährige weniger als bei ihrer Ankunft. „Die Flammen haben mein Leben zerstört“, erzählt sie weinend.

Wir treffen die junge Frau aus Dorstfeld im Apartment ihrer Freundin in der Bittermark. Hier hat Halyne Schafer Unterschlupf gefunden, nachdem sie am vergangenen Wochenende (5./6.9.) obdachlos wurde. Denn der Großbrand einer Lagerhalle an der Straße Auf dem Brünmer/Iggelhorst, hinter dem die Ermittler Brandstiftung vermuten, hat auch ihre Wohnung zerstört. Ihr ehemaliges Zuhause befindet sich auf dem Firmengelände, direkt neben der Brandruine.

„Ich dachte, ich sterbe“

Der 33-Jährigen fällt es schwer, über die Brandnacht zu sprechen. Immer wieder wird sie von Weinkrämpfen geschüttelt. „Ich dachte, ich sterbe“, sagt sie und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Neben ihr sitzt ihr guter Freund Omar Silva, der beim Übersetzen hilft.

Halyne Schafers Wohnung (Fenster oben) liegt neben der abgebrannten Lagerhalle. Sie gilt als einsturzgefährdet.

Halyne Schafers Wohnung (Fenster oben) liegt neben der abgebrannten Lagerhalle. Sie gilt als einsturzgefährdet. © Halyne Schafer

Eigentlich spricht die 33-Jährige gut Deutsch. Doch der Schock, unter dem sie ganz offensichtlich noch steht, lässt sie in ihre Muttersprache Portugiesisch flüchten. Halyne Schafer erzählt von den Flammen, von den Explosionen, wie sie fluchtartig ihre Wohnung verlassen hat. „Nur im Nachthemd und Bademantel.“

Wohnung ist völlig verrußt

Dann sei sie noch einmal zurückgelaufen, um wenigstens ihr Handy und ihren Ausweis aus der Wohnung zu holen. „In diesem Moment wusste ich: Da steht mein Leben in Deutschland in Flammen.“

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Finanziell sei sie am Ende, sagt sie. Sie habe keine Versicherung abgeschlossen, die für den Schaden aufkommen könnte. Die kontaminierte Einrichtung müsste speziell gereinigt werden, das Geld dafür hat die junge Frau nicht.

Das Jobcenter, über das Halyne Schafer Sozialhilfe bezieht, habe ihr ein Darlehen angeboten. Das sei für sie aber keine Option, sie wolle sich nicht noch mehr verschulden. „Ich muss ja weiterhin die Raten für die Einrichtung zahlen.“

„Ich war so stolz auf meine Wohnung“

Den finanziellen Schaden schätzt die Brasilianerin mit deutschen Wurzeln auf 6000 Euro oder mehr. „Ich war so stolz auf meine Wohnung“, sagt sie und die Tränen fließen erneut. Seit der Brandnacht habe sie nicht mehr richtig geschlafen.

Am Mittwoch (9.9.) durfte Halyne Schafer kurz in ihre völlig verrußte Wohnung zurückkehren, um ihre Dokumente zu holen. Auch Kleidung und Schuhe aus den Schränken hat sie mitgenommen. „Alles muss gewaschen und anschließend heiß gebügelt werden.“

Brandopfer erreicht Welle der Hilfsbereitschaft

Aktuell erfahre sie unglaublich viel Hilfe, erzählt die junge Brasilianerin, die eine Sprachenschule in Dortmund besucht und später Psychologie an der Universität studieren möchte. Vor allem zahlreiche Kleiderspenden hätten sie bereits erreicht. „Das alles haben meine Freunde für mich organisiert.“

Halyne Schafer war sehr stolz auf ihre Wohnung, die sie mehr als drei Jahre lang nach und nach eingerichtet hat. Die Raten sind noch nicht bezahlt.

Halyne Schafer war sehr stolz auf ihre Wohnung, die sie mehr als drei Jahre lang nach und nach eingerichtet hat. Die Raten sind noch nicht bezahlt. © Halyne Schafer

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Halyne Schafer, die Opfer von Brandstiftern geworden ist, weiß, dass sie Glück im Unglück hatte. „Gott hat mein Leben gerettet. Ich danke ihm dafür“, sagt die streng gläubige Christin. Sie sei sich sicher, dass Jesus ihr auf ihrem weiteren Lebensweg zur Seite stehen werde.

Innerhalb weniger Minuten breitete sich das Feuer in der Dostfelder Lagerhalle aus. Die angrenzende Wohnung von Halyne Schafer gilt seitdem als einsturzgefährdet.

Innerhalb weniger Minuten breitete sich das Feuer in der Dostfelder Lagerhalle aus. Die angrenzende Wohnung von Halyne Schafer gilt seitdem als einsturzgefährdet. © Halyne Schafer

Momentan sei sie aber noch nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, so Halyne Schafer. Wie es für sie weitergeht, sie wisse es einfach nicht. In den nächsten Tagen wolle sie sich bei engen Freunden in Karlsruhe erholen und die Gedanken sortieren.

So können Sie Halyne Schafer helfen

  • Wer Halyne Schafer mit Spenden unterstützen möchte, kann sich per E-Mail bei ihrer Freundin in Karlsruhe melden.
  • Die Adresse lautet: Fernanda.andromeda@gmail.com
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