Etwa 2000 Beschäftigte des Handels demonstrierten in Dortmund für höhere Löhne. © Lukas Wittland
Arbeitskampf

Großdemo trotz Bomben-Evakuierung – SPD-Promi macht Wahlkampf

Verdi rief zum Streik auf: 2000 Beschäftigten aus dem Handel zogen über den Wall - die Bundes-SPD nutzte die Chance und schickte den Chef zum Wahlkampf. Am Morgen war unklar, ob die Demo stattfinden kann.

Etwa 2000 Beschäftigte aus dem Einzel-, Groß- und Außenhandel haben am Donnerstagmittag (9.9.) in Dortmund für höhere Löhne demonstriert. Ob sie auch wirklich laufen können, war bis zum Vormittag noch unklar, nachdem am Tag zuvor ein Blindgänger auf der Höhe des Schwanenwalls gefunden worden war, der am Donnerstag entschärft werden musste.

Die Evakuierung begann wie die Verdi-Demonstration um 12 Uhr. Demoroute und Evakuierungszone überschnitten sich teils. Statt wie geplant nach der Auftaktkundgebung auf dem Friedensplatz über Süd- und Ostwall die Brüderstraße und den Willy-Brandt-Platz, zog die Demonstration in entgegengesetzter Richtung über den Wall.

SPD-Chef unterstützt Verdi-Forderung

Die Bundes-SPD nutzte die Kundgebung, um im Wahlkampf Gesicht zu zeigen: An der Spitze des Zuges lief anfangs auch der SPD-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans mit. Er hatte auch auf der Bühne gesprochen.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans beantwortete nach seiner Rede auf der Bühne Fragen von Journalisten.
Nachdem SPD-Chef Norbert Walter-Borjans auf der Bühne gesprochen hatte, beantwortete Fragen von Journalisten. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Vor Journalisten sagte er danach, ein Einstiegslohn von 10,44 Euro für Beschäftigte im Einzelhandel sei zu gering – und wiederholte das SPD-Wahlkampfversprechen, einen Mindestlohn von 12 Euro einzuführen, wenn man die Regierung bilden könne.

„Die Angebote der Arbeitgeber sind unter aller Sau“

Verdi fordert für die Beschäftigten im Einzelhandel einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde. Und in beiden Branchen 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Mit dem Streik wollte Verdi vor der nächsten Verhandlungsrunde am Freitag Druck auf die Arbeitgeber aufbauen.

Laut zogen die Demonstrierenden durch die Innenstadt. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans begleitete dem Demonstrationszug zu Beginn.
Laut zogen die Demonstrierenden durch die Innenstadt. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans begleitete dem Demonstrationszug zu Beginn. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

„Die Angebote, die wir bislang von den Arbeitgebern haben, sind unter aller Sau“, meint Verdi-Gewerkschaftssekretär Ortwin Auner. „Wir fordern von den Arbeitgebern, dass sie gemeinsam mit uns zum Arbeitsminister gehen und die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklären.“

Dieser Forderung verliehen 2000 Beschäftigte aus rund 160 Betrieben aus ganz NRW, die mit 80 Bussen nach Dortmund angereist waren, lautstark Nachdruck. „Ohne uns kein Geschäft“ skandierend zogen sie über den Wall und die Kampstraße, den Westenhellweg kreuzend zum Friedensplatz. Bis auf leichte Verkehrsbeeinträchtigungen war die Demonstration auch aus Sicht der Polizei ruhig.

Bei der Abfahrt der Busse kam es in der wegen der Sperrung des Südwalls angespannten Verkehrslage vereinzelt zu Staus.

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