Ist Distanzunterricht genauso gut wie Präsenzunterricht? Zumindest auf dem jetzigen Stand der Digitalisierung beantworten Schüler, Lehrer und Eltern in Dortmund diese Frage eindeutig. © picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa
Digitales Lernen

„Große Lücke in öffentlichen Aussagen und der Wirklichkeit an der Schule“

Kann digital gestützter Unterricht auf Distanz den Kontakt im Klassenraum ersetzen? Die Antworten von Schülern, Eltern und Lehrern in unserer Schulumfrage sind eindeutig.

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler in Dortmund ist wieder im Präsenzunterricht in den Schulen. Doch für die Mehrheit der Kinder aus den Jahrgangsstufen 5 bis 12 bleibt Distanz das Gebot der Stunde. Sie lernen weiter über Videokonferenzen, Online-Plattformen oder Apps.

Je länger das so bleibt, desto entscheidender wird eine Frage, die auch Teil unserer großen Umfrage zum Stand der Digitalisierung der Schulen in der Region war. 548 Dortmunderinnen und Dortmunder haben mitgemacht – Schüler, Eltern und Lehrer aller Schulformen.

Die hier wichtige Frage lautet: „Wie weit kann der digitale Unterricht an Schulen Ihrer Meinung nach ein vollwertiger Ersatz für normalen Unterricht sein?“lautet: „Wie weit kann der digitale Unterricht an Schulen Ihrer Meinung nach ein vollwertiger Ersatz für normalen Unterricht sein?“

Mittelmäßige Bewertung für den Distanzunterricht im Vergleich zur Präsenz

In der Umfrage hatten wir die teilnehmenden Schüler, Eltern und Lehrer gebeten, über einen Schieberegler auf einer Skala von 1 bis 10 anzugeben, für wie leistungsfähig sie den Distanzunterricht halten. 47 Schüler antworteten hierauf, 231 Eltern und 134 Lehrer.

In allen drei Gruppen stoppt der Regler bereits nach kurzem Weg. Im Schnitt liegt der ausgewählte Wert unterhalb von fünf. Digitaler Unterricht wird von den Teilnehmenden also nur als bestenfalls mittelmäßiger Ersatz für Präsenz in den Schulen gesehen.

Das größte Potenzial im Distanzunterricht sehen noch die Schüler, deren Einschätzung mit 4,7 zumindest knapp näher an der 5 liegt, als die der Eltern (4,6) und Lehrer (4,4).

Mehrere Zitate von Teilnehmenden zeigen die Gründe dafür auf, dass Distanzunterricht gegenüber der Präsenz (noch) nicht als gleichwertig angesehen wird.

Ein Lehrer sagt: „Digitalisierung wurde lange Zeit nicht ernst genommen.“

Eine Lehrkraft schreibt etwa: „Digitalisierung geht an Schulen, besonders Grundschulen, viel zu langsam voran und wurde lange Zeit nicht ernst genommen. Die Qualität des Distanzunterrichts ist stark von der privaten Ausstattung und dem digitalen Vorwissen der Lehrkraft abhängig. Wie Minister zu dem Schluss kommen, dass das Lernen auf Distanz grundsätzlich gut funktioniert, ist mir ein Rätsel.“

In eine ähnliche Richtung argumentiert ein Elternteil eines Kindes aus einer 8. Klasse: „Es gibt eine große Lücke in den öffentlichen Aussagen und der Wirklichkeit an der Schule, Unterricht nach Stundenplan als Video und pdf als Hausaufgaben wären technisch möglich.“

„Rückmeldungen gibt es so gut wie nie“

Stattdessen finden laut dem Elternteil nur 4-6 Schulstunden pro Woche statt. Dazu gebe es einige Seiten pdf zum Ausdrucken, Ausfüllen und zurückzusenden. „Rückmeldungen zu den Arbeitsergebnissen gibt es so gut wie nie.“

Ein Elternteil eines Viertklässlers schildert, wie sich die Schule seines Kindes immer noch dem konsequenten Einsatz von digitalen Lernmöglichkeiten verweigere.

Es brauche deshalb keine Geräte, „sondern schlichtweg Haltung und Engagement, um sich auch für neue Formen des Unterrichtens zu öffnen.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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