Großsiedlungen in Westerfilde werden aufgehübscht - das hat auch Schattenseiten

hzProblem-Quartier

Fast 1,5 Millionen Euro investiert Vonovia in die Wohnumfeld-Gestaltung in Westerfilde. Die Stadterneuerung läuft auf Hochtouren. Sie braucht aber Zeit - und hat nicht nur Gewinner.

Westerfilde

, 08.01.2019, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Margarete Küllmer ist nicht alles im ‚grünen Bereich‘, wenn die Großwohnsiedlungen in Dortmund-Westerfilde saniert werden und nun ihr Wohnumfeld verschönert wird. Ihre Miete stieg von 531 auf 699 Euro. Das sind 32 Prozent. Dafür hat sie unter anderem neue Fenster, ein neues Bad und einen hellen Hauseingang. Und sie blickt nun auf künstlerisch gestaltete Fassaden, zum Teil schon erneuerte Grün- und Freiflächen und freigeschnittene Wege.

„Ich habe 45 Jahre für meine Rente gearbeitet. Was aber ist mit den Leuten, denen das Amt diese Miete nicht mehr bezahlen kann?“ Für 110 der insgesamt 640 Wohnungen im Quartier ist die Miete auf 5,60 Euro pro Quadratmeter gedeckelt. Das hat die Stadt mit dem Wohnungsunternehmen Vonovia, das auch Küllmers Vermieter ist, vereinbart.

Ärger über den Müll der Nachbarn

Für die Seniorin trifft die Deckelung nicht zu. Was sie auf die Palme treibt, ist der Umgang eines Teils ihrer Nachbarn mit dem farbenfrohen Umfeld. Denn sie sieht auf den neuen Grünflächen Müll, der nach Feiern nicht weggeräumt werde. Sie sieht Ratten, die der Müll auf den Rasen und in den Sandkasten lockt. Und die sie auch schon mal aus der Mülltonne angucken oder auf dem Weg dorthin über die Füße laufen.

Nichtsdestotrotz schreitet die Stadterneuerung in Westerfilde voran. „Im Süden sind wir fast durch“, erklärt Vonovia-Regionalleiter Ralf Peterhülseweh zum Stand der Sanierung. Nördlich der Westerfilder Straße, am Gerlachweg und an der Speckestraße hat sie begonnen. Bis 2020 wird das Wohnungsunternehmen 24 Millionen Euro in seine 640 Wohnungen im Quartier investiert haben.

Ein Verbindungsweg durch das ganze Quartier

Jetzt richtet sich der Fokus auf neu gestaltete Quartiersplätze, attraktive Freiflächen für Jung und Alt, barrierefreie Hauseingänge und künstlerisch gestaltete Außenfassaden. Ein Verbindungsweg soll quer durchs ganze Quartier führen, weitere Spielplätze und eine Boulebahn entstehen. Die Erneuerungsmaßnahmen, die das Wohnungsunternehmen Vonovia und die Stadt Dortmund in die Vonovia-Großsiedlungen in Westerfilde gemeinsam umsetzen wollen, sind vielfältig.

Großsiedlungen in Westerfilde werden aufgehübscht - das hat auch Schattenseiten

Susanne Linnebach und Oberbürgermeister Ullrich Sierau übergaben den Förderbescheid an Ralf Peterhülseweh (v.l.), den Regionalleiter von Vonovia. © Uwe von Schirp

Dafür nimmt der größte Anbieter von Wohnraum am Ort 1,473 Millionen Euro in die Hand; 486.000 Euro beträgt der Zuschuss der Stadt, finanziert mit eigenen sowie mit Bundes- und Landesmitteln aus dem Förderprogramm Soziale Stadt. Am Montag übergaben Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Susanne Linnebach, Leiterin des Amtes für Stadterneuerung, den Förderbescheid an Ralf Peterhülseweh von Vonovia.

Portraits und Landschaftsbilder sollen Identität stiften

„Wir haben eine Menge vor“, betont Sierau und verspricht: „Wir werden die Großsiedlungen in ein paar Jahren in einem neuen Gewand sehen.“ Ein Teil dieses Gewandes sind die künstlerisch gestalteten Fassaden, die unter Beteiligung der Bevölkerung sukzessive entstehen. Sie zeigen Portraits von Menschen aus dem Quartier oder Landschaftsbilder bekannter Künstler.

Ziel seien nicht nur das sanierte Umfeld, sondern auch Identifikation und Wiedererkennung, sagt Susanne Linnebach. „Es ist doch schön, wenn dann jemand sagt, ich wohne in dem Haus, auf dem das Monet-Bild drauf ist.“

Fest verwurzelt im Stadtteil

Bärbel Holtmann lebt seit 45 Jahren in Westerfilde – außerhalb der Großsiedlungen. Sie geht regelmäßig zum Einkaufen in den Ortskern und hat Gefallen an der Gestaltung. „Das wurde auch mal Zeit“, sagt sie. „Die Fassade am Hochhaus ist sehr schön geworden.“ Auch das Lichtkonzept an den Häusern am Kiepeweg gefällt ihr. „Und der kleine Weg am Tedi war so vermüllt. Da hat jemand aufgeräumt.“

Großsiedlungen in Westerfilde werden aufgehübscht - das hat auch Schattenseiten

Die künstlerisch gestalteten Fassadenzeigen Landschaften und Bürger aus Westerfilde. © Uwe von Schirp

Natürlich kennt sie auch die Probleme, weiß um die Angsträume und ist enttäuscht, dass viele Einzelhändler nicht mehr da sind. Aber sie ist verwurzelt: „Wegziehen würde ich nicht.“

Margarete Küllmer lebt seit 42 Jahren in der Großsiedlung. Bei allem Ärger über den Müll, die Ratten und die gestiegene Miete, hat sie in den letzten Jahren durchaus Veränderungen festgestellt: „Es soll ja alles so werden, wie es auf den Plänen in den Glaskästen steht. Das wäre dann nicht schlecht.“

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