Gründungslokal des BVB: Pommes Rot-Weiß für schwarz-gelbe Seelen

hz110 Jahre BVB

Es ist eines von zwei Epizentren am Borsigplatz, wenn Borussen am 19. Dezember Geburtstag feiern. In jedem Jahr steigt um 19.09 Uhr hier die große Party. Und Gründer Franz Jacobi ist dabei.

Borsigplatz

, 18.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Jugendstilfassade leuchtet in sanftem Gelb. Die Dachgauben sind mit anthrazitfarbenem Schiefer verkleidet. „Pommes Rot-Weiß“ steht unten auf den Schildern an der Hauswand. Oesterholzstraße 60. Das Dortmunder Herz schlägt hier allerdings in den Farben von Fassade und Dach: Schwarz-Gelb.

Das Schild über der Eingangstür verrät etwas davon: „Wildschütz“ – Gründungslokal von Borussia Dortmund.“

„Das Lokal ist mittlerweile Geschichte“, schreibt Inhaber Georg Sas auf der Internetseite von Pommes Rot-Weiß. Der Satz klingt vielleicht ein wenig missverständlich. Denn der Geist des 19. Dezember 1909 ist hier auf jedem Quadratzentimeter spürbar. Und sichtbar: „Echte Liebe“ in Schwarz-Gelb.

Gründungslokal des BVB: Pommes Rot-Weiß für schwarz-gelbe Seelen

Im ersten Stock sind heute Wohnungen. 1909 war dort der Saal des Wildschütz, in dem am Abend des 19. Dezember 18 junge Männer den BVB gründeten. © Uwe von Schirp

Dass Georg Sas und seine Frau Heidi die heutige Kult-Pommesbude 2003 übernahmen, war eher ein Zufall. „Als ich abends nach Hause kam, waren die Rollladen geschlossen“, erzählt der ehemalige Berufskraftfahrer und Disponent. Zu dieser Zeit wohnte Sas nebenan in der Dürener Straße.

Franz Jacobi blickt auf sein Erbe

„Mein Herz schlug schon immer für den BVB“, erzählt er. Im rumänischen Hermannstadt wuchs er auf, ist aber „schon ewig“ hier. „Ich wusste schon, dass es das Gründungslokal ist“, erzählt Sas. „Aber mittlerweile war es ein einfacher Imbiss.“

Gründungslokal des BVB: Pommes Rot-Weiß für schwarz-gelbe Seelen

Eine Pappfigur zeigt Franz Jacobi. Der BVB-Gründer hat sein Erbe quasi im Blick. © Uwe von Schirp

Den Namen „Wildschütz“ wollte er darum nicht übernehmen. „Ich wollte einen einfachen Namen. Pommes Rot-Weiß. Ketchup und Mayo.“ Georg Sas lacht.

Dabei ist der Gastraum alles andere als eine einfache Pommesbude. Er ist eine Augenweide in den Vereinsfarben: Banner, Fahnen, Transparente, Tischdecken, Plakate, Autogrammkarten, Fotos. Die eigentliche Gründung durch Franz Jacobi und seine 17 Freunde fand eine Etage darüber statt. Der Saal ist heute eine Wohnung.

Franz Jacobi aber steht in einer Ecke auf der Empore im Erdgeschoss und blickt in den Gastraum. Eine lebensgroße Pappfigur – sein Erbe quasi immer im Blick: hier in dieser Kultstätte, die Reisegruppen aus England und der Schweiz, Fangruppen aus Frankfurt und sogar Gelsenkirchen aufsuchen. Auf eine Currywurst-Pommes mit Pils oder Cola.

Jürgen Klopp war auch schon hier

Mehrfach ging in letzter Zeit im Quartier das Gerücht um, „Pommes Rot-Weiß“ werde schließen. Eine Erlebnisgastronomie öffne in der bedeutungsvollen Immobilie. „Da ist nichts dran“, sagt Georg Sas und schüttelt den Kopf. „Wer erzählt so etwas?“

Gründungslokal des BVB: Pommes Rot-Weiß für schwarz-gelbe Seelen

Über dem Eingang erinnert eine Tafel an den ehemaligen Wildschütz. © Uwe von Schirp

An den Wänden hängen Fotos der ehemaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Sie waren ebenso hier wie viele BVB-Spieler oder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. „Im Alltag leben wir aber von den Stammkunden“, sagt Inhaber Georg Sas. Und an Spieltagen kommen Fans, die auf dem Weg ins Stadion mal eben am Borsigplatz Halt machen.

Wenn die Fans Pokalsieg oder Meisterschaft feiern, „bekommst du keinen Nagel zwischen die vielen Menschen“, erzählt Georg Sas.

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Fester Termin zum Feiern ist in jedem Jahr der 19. Dezember, der Gründungstag des BVB. Um 19.09 Uhr steigt hier die große Party: mit Erinnerungen und Geschichten, mit Currywurst und Pommes, Ketchup und Mayo – und einer Tombola zugunsten eines guten Zwecks. „Pommes Rot-Weiß“: ein Epizentrum der jährlichen Geburtstagsfeiern.

Die Wurzeln liegen in der Dreifaltigkeitskirche

Das zweite liegt nur rund 250 Meter entfernt. Um 18.09 Uhr beginnt in der Dreifaltigkeitskirche an der Flurstraße ein BVB-Gottesdienst. In der Gemeinde liegen die personellen Wurzeln des BVB. Die Gründer um Franz Jacobi gehörten einer Jugendgruppe der Gemeinde an.

Seit elf Jahren ist die Dreifaltigkeitskirche BVB-Kirche mit einer Ausstellung zu den kirchlichen Wurzeln des Vereins. Zu Saisonbeginn und zum BVB-Geburtstag lädt die Gemeinde um Gemeindereferent Karsten Haug zu schwarz-gelben Gottesdiensten ein. Anschließend gibt es auch hier ein Geburtstags-Pils.

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