Gutes Angebot oder unehrliche Motive? Wie Grünen-Wähler die Stichwahl sehen

hzOberbürgermeister-Stichwahl

Die Stichwahl am Sonntag (27.9.) könnte durch die Anhänger der Grünen entschieden werden. Werden sie der Empfehlung der Partei folgen, den CDU-Mann Andreas Hollstein zu wählen? Zwei Beispiele.

Dortmund

, 24.09.2020, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wahlempfehlung der Grünen für den OB-Kandidaten der CDU, Andreas Hollstein, hat für gemischte Reaktionen gesorgt. Auch unter denjenigen, die am 13. September selbst die Grünen gewählt haben. Wir haben bei zwei exemplarischen Wählern nachgefragt: Beide wünschen sich eine soziale und umweltbewusstere Stadt, wollen bei der Stichwahl aber unterschiedliche Kandidaten wählen.

Eine Entscheidung, die auf Fakten basiert

Uwe Müller hat „selbstverständlich“ die Grünen gewählt, denn er ist auch Parteimitglied. In seiner "gesamten politischen Entwicklung gab es bisher keine Nähe zur CDU", sagt er. Deswegen sei auch eine Entscheidung pro Hollstein "emotional schwierig".

Jetzt lesen

Dennoch sei sie für ihn alternativlos gewesen, denn "während von der SPD das Signal kam, dass sie uns ‚mitspielen‘ lassen will", habe die CDU "ein sehr detailliertes Angebot für gemeinsame Projekte in unseren Kernthemen gemacht". Es sei notwendig umzudenken "vom Lagerdenken hin zu Bündnissen zur Erreichung wichtiger Ziele, ohne auf das Parteibuch des Partners zu achten".

Und die Ziele benennt Müller ganz konkret: "Einen forcierten Ausbau des Radwegenetzes, kein weiterer Ausbau des Dortmunder Flughafens, Klimaneutralität bis 2035." Diese Projekte seien schriftlich fixiert, deswegen sei es eine Entscheidung, die auf Fakten basiert und nicht "nach Gefühl" getroffen wurde.

Es geht nicht nur um Umweltpolitik

Michael Vulakh, 20, ist Student an der TU in Dortmund. Er hat bei der Kommunalwahl sowohl für einen Grünen Ratskandidaten gestimmt, als auch für Daniela Schneckenburger als Oberbürgermeisterin. "Ich möchte, dass die Stadt mehr Geld für den ÖPNV ausgibt, damit das Auto überflüssig wird (...), damit alle sicher und umweltfreundlich unterwegs sein können“, sagt er.

Trotzdem will Vulakh am 27. September nicht für Andreas Hollstein stimmen, sondern für Thomas Westphal. Er sei sich nicht sicher, ob Hollsteins Engagement für die Umwelt ausschließlich ehrliche Motive zugrunde liegen.

Jetzt lesen

Dass der CDU-Mann sich jetzt für eine saubere und leisere Stadt einsetzen wolle, findet der Student zwar gut, wirklich umsetzen "würde er aber wahrscheinlich nicht so viel, wie er jetzt behauptet".

Außerdem gehe es eben nicht nur um Umweltpolitik. "Andere Punkte wären der soziale Wohnungsbau und Investitionen in Schulen." Da traue er der SPD mehr, genau wie in noch einem anderen Punkt: "Dortmund ist eine ärmere Stadt und die SPD steht eher für Geringverdiener ein". Es bleibt spannend, wie sich die Mehrheit der Grünen-Wähler entscheidet.

Lesen Sie jetzt