Dr. Stefan Bonnenberg ist Hausarzt in Dortmund-Marten. © Björn Althoff

Hausarzt aus Dortmund: „Haben ein Riesen-Problem, Astrazeneca loszuwerden“

Ist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca nicht unsicher? In den Arztpraxen in Dortmund wird diese Frage andauernd gestellt. Ein Hausarzt sagt: „Wir haben da ein Riesen-Problem.“

Wieso bin ich nicht früher dran? Wieso kann ich mir den Impfstoff gegen Covid-19 nicht aussuchen? Muss es denn wirklich Astrazeneca sein? Ist nicht auch Biontech da?

„Man spürt eine wachsende Ungeduld der Patienten“, sagte Dr. Stefan Bonnenberg, noch bevor die Freigabe des Impfstoffs für alle am Donnerstagabend (6.5.) feststand. In seiner Praxis in Marten merkt Bonnenberg immer wieder: „Viele Patienten verstehen nicht, dass wir uns auch nicht aussuchen können, welchen Impfstoff wir bekommen.“

Was kommt, erfährt man donnerstags

Das Verfahren ist in der Tat kompliziert: Bis dienstags, 12 Uhr, müssen die Bestellwünsche beim Apotheker sein. Bestellt wird keine Marke, sondern lediglich Covid-19-Impfstoff allgemein.

Die Apotheke leitet das dann an den Apotheken-Großhandel weiter. Der Bund wiederum entscheidet dann aufgrund der Bestellungen, in welches Bundesland wie viele Impfdosen gehen.

„Immer donnerstags erfahren wir dann, was wir kriegen“, erklärt Bonnenberg. Und fügt salopp hinzu: „Dann müssen meine Mitarbeiterinnen alles wie die Blöden abtelefonieren.“ Eine schnellere oder weiterreichende Planung sei einfach nicht drin.

„Einige lassen sich nicht überzeugen“

„Das ist ein Riesen-Aufwand. Außerdem haben wir ein Riesen-Problem, Astrazeneca loszuwerden.“ Weil viele Patienten eben durch die große öffentliche Diskussion in den Medien dächten: Beim Vakzin von Astrazeneca drohe ihnen Gefahr.

Bonnenberg unterstreicht: Er argumentiere dagegen. „Bei einigen ist allerdings gar nichts zu machen. Die lassen sich nicht überzeugen.“

Maximal 36 Dosen Biontech, maximal 50 Astrazeneca

Biontech könne er derzeit an 30 bis 36 Menschen verimpfen. „Von Astra kann man mehr haben, das schwankt zwischen 20 und 50.“

Und die Gefahr einer Sinusvenenthrombose im Gehirn, nach der Impfung mit Astrazeneca? Bonnenberg winkt ab. Das Risiko sei verschwindend gering.

Einzige Thrombose: Ganz früher bei einer Geburt

In all seinen Jahren als Arzt habe er nur einmal eine Sinusvenenthrombose gehabt und glücklicherweise schnell erkannt. „Das war vor vielen Jahren bei einer Kreißenden“, also bei einer Geburt.

„Da muss man schnell mit blutverdünnenden Geschichten gegenwirken“, sagt der Hausarzt aus Marten.

Trotzdem: Nur für eigene Patienten

Wichtig ist Bonnenberg allerdings eins: Den Impfstoff in seiner Praxis werde er natürlich nur seinen Patienten geben.

Es hätten schon einige fremde Menschen angerufen und unterstrichen, sie würden gerne das übrig gebliebene Astrazeneca nehmen. Das allerdings, so Bonnenberg, gehe nicht. Die Liste der Patienten, die vorher dran seien, sei trotz allem lang.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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