Hausarzt Dr. Mooshage praktiziert nicht mehr - wie geht‘s mit der Huckarder Praxis weiter?

hzPraxis Mooshage

Der 28. Juni 2019 ist der letzte Arbeitstag für den Huckarder Hausarzt Matthias Mooshage (72). Danach wartet der Ruhestand. Der Praxisbetrieb läuft weiter - mit alten und neuen Gesichtern.

Huckarde

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Eigentlich wollte der Huckarder Hausarzt Dr. Matthias Mooshage sein Stethoskop ganz leise zur Seite legen. Ein Abschied ohne großes Aufsehen, das wäre ganz nach dem Geschmack des zukünftigen Ruheständlers gewesen. Doch da hat der 72-Jährige die Rechnung ohne seine Mitarbeiterinnen gemacht.

Denn sein Team fädelte hinter seinem Rücken einen Pressetermin ein. „Kommen Sie ruhig vorbei“, sagte seine Frau Ingrid Mooshage (59) am Telefon. Sie muss es ja am besten wissen, dass ein solcher Überraschungsbesuch nicht nach hinten losgeht. „Alles gut. Heute Abend kriege ich Ärger, aber damit komme ich schon klar“, sagt sie zur Begrüßung - und grinst.

Hausarzt Dr. Mooshage praktiziert nicht mehr - wie geht‘s mit der Huckarder Praxis weiter?

Dr. Matthias Mooshage wird seine neu gewonnene Freizeit als Ruheständler unter anderem mit Sport und Spaziergängen in der Natur nutzen. © Beate Dönnewald

Auch ihr Mann grinst: Nein, er habe keine Zeit, er müsse zum Friseur, sagt er, als ihm klar wird, wer da in seinem Wartezimmer wartet. Und dann setzt er sich doch. Der beliebte Hausarzt, der 30 Jahre in Huckarde praktiziert hat, ist ganz Ohr. So, als würde da tatsächlich eine Patientin sitzen, die ihn mit Fragen löchert. Freundlich, höflich, interessiert.

„Viele Patienten sind mir ans Herz gewachsen“

„Ich habe den Eindruck, viele machen sich mehr Gedanken um mich als ich selbst“, sagt Dr. Mooshage. Ja, es sei schon ein komisches Gefühl, nach so vielen Jahren zukünftig nicht mehr als Arzt zu arbeiten. Das Loslassen hat er lange hinausgezögert. „Viele Patienten sind mir ans Herz gewachsen“, sagt er. Über 30.000 dürften es im Laufe der Zeit gewesen sein. „Also etwa so viele Einwohner wie der Stadtbezirk hat.“ Seine Patienten kommen aber aus ganz Dortmund.

„Ich habe den Eindruck, viele machen sich mehr Gedanken um mich als ich selbst.“ Dr. Matthias Mooshage

„Bitte bringen Sie unbedingt den Spruch ,Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker‘ unter“, wirft Ingrid Mooshage ein. Tatsächlich ist ihr Mann nämlich nicht nur Arzt, sondern auch Apotheker. Ältere Huckarder kennen ihn sicherlich noch aus seiner Zeit in der Dorf-Apotheke. „Früher haben wir ja noch Pillen gedreht und Salben gerührt.“ Als der Apothekerberuf immer kaufmännischer wurde, habe er einfach ein Medizinstudium angehängt.

Nachfolgerin ist „Hausärztin aus Leidenschaft“

Rein „zufällig“ ist an diesem Mittag auch Dr. Kathrin Kallinowski in der Praxis an der Rahmer Straße 22. Die 47-Jährige ist Mooshages Nachfolgerin. Sie sei „Hausärztin aus Leidenschaft“, erzählt sie, der Beruf ihr quasi in die Wiege gelegt worden. „Meine Eltern waren beide Hausärzte in der Nordstadt.“

Hausarzt Dr. Mooshage praktiziert nicht mehr - wie geht‘s mit der Huckarder Praxis weiter?

Dr. Katrin Kallinowski ist Hausärztin aus Leidenschaft. Prävention und psychosomatische Behandlungsweisen gehören zur ihren Schwerpunkten. © Beate Dönnewald

Als Hausarzt, sagt die Allgemeinmedizinerin, habe man den Patienten als Ganzes im Blick, man sei ein Allrounder, oftmals auch ein Familienmitglied für den Patienten. Die letzten Jahre hat die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen in Nordfriesland praktiziert, nun freue sie sich, wieder in der Heimat zu sein.

„Mir gefällt hier alles, ich werde nichts verändern.“ Dr. Kathrin Kallinowski

Viele Ärzte hätten sich auf das Inserat gemeldet, die Wahl sei schnell auf Kathrin Kallinowski gefallen, so Dr. Mooshage. „Sie ist eine erfahrene Hausärztin“, die Chemie habe sofort gepasst. Seine Nachfolgerin gibt das Kompliment zurück. „Mir gefällt hier alles, ich werde nichts verändern.“

Was sie besonders freut: Das Praxis-Team wird bleiben und sie unterstützen. „Natürlich bleibe ich, wer soll meinem Mann denn sonst den neuesten Klatsch und Tratsch aus Huckarde erzählen?“, sagt Ingrid Mooshage. Sie hilft seit 20 Jahren in der Praxis.

„Dr. Mooshage ist der beste Chef“

Zum Team gehören außerdem Jasmin Liell (35), die schon als Auszubildende kam, und Bianka Bach (38). Beide arbeiten seit 17 Jahren in der Praxis. Weil es hier so familiär sei und „Dr. Mooshage der beste Chef ist“. Jasmin Liell übermannen ihre Gefühle, sie weint und kann nicht weitersprechen.

„Für mich sind die beiden wie eigene Kinder“, sagt Ingrid Mooshage. „Wir waren schon gemeinsam in Budapest, und abends treffen wir uns auch schon mal zum Essen.“ Allerdings ohne den Chef. „Frauen reden zu viel“, sagt er. Auch Jasmin Liell kann wieder lachen. Irgendwie ist hier gerade alles so traurig und doch so schön.

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