Schutzvisiere gegen das Virus: Lehrer produzieren über Ostern weiter

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Zwei Lehrer im Ferien-Einsatz: Sie produzieren Plastikbügel für Schutzvisiere in Krankenhäusern. Von morgens früh bis abends spät. Der Rohstoff für das eigentliche Visier ist kurios.

Nette

, 11.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lukas Borgmann und Dennis Menzel sind Lehrer am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG). Dort betreuen sie im TecLab Nordwest den digitalen 3D-Druck. Seit November haben sie den Auftrag, den Druck von Plastikteilen als Dachmarke des Schul-Labors zu etablieren. Dazu haben sie ausgerechnet jetzt, während der Osterferien, eine echte Gelegenheit.

Alle 80 Minuten laufen sie zuhause von Balkon, Couch oder Küche zu den Geräten, um ein fertiges Teil zu entnehmen. Sie produzieren Plastikbügel für Schutzvisiere – und sind damit ein wichtiger Baustein in einem Projekt eines Lehrstuhls an der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Der Blick in den 3D-Drucker zeigt, wie er eine Visierhalterung fast fertiggestellt hat.

Der Blick in den 3D-Drucker zeigt, wie er eine Visierhalterung fast fertiggestellt hat. © Lukas Borgmann

Professor Jan T. Sehrt vom Lehrstuhl Hybrid Additive Manufacturing an der Fakultät für Maschinenbau initiierte die Herstellung der Schutzvisiere und lud das Schulforschungs-Netzwerk ein, mitzumachen. In diesem Netzwerk arbeiten eine Reihe von Schulen mit dem Lehrstuhl der RUB in Sachen 3D-Druck zusammen.

Drucker laufen von morgens bis in die Nacht

Lukas Borgmann und Dennis Menzel ließen sich nicht lange bitten. Sie holten die Drucker zu sich nach Hause und produzieren nun von morgens bis in die Nacht die Bügel. 70 Bügel entnahm Lukas Borgmann (Stand: 9. April) den beiden HHG-eigenen Druckern.

Dennis Menzel betreut den Drucker der Ruhr-Universität, den das Gymnasium im Forschungsnetzwerk als Leihgabe von der Hochschule hat. „Nächste Woche liefern wir dann die Bügel an die Ruhr-Uni“, erzählt Borgmann. „Die Ostertage produzieren wir durch.“

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An der Bochumer Universität erfolgt dann die Endmontage mit Haltebändern und dem durchsichtigen Visier. „Das Spannende ist, dass die Folien für die Schutzvisiere aus den Covern von Bachelor- und Masterarbeiten stammen“, berichtet der Lehrer. Davon gebe es an der Fakultät schließlich genug.

„Es ist ein positives Gefühl“

Die fertig montierten Visiere gehen dann unter anderem an eine Klinik in Essen und das St. Franziskus Hospital in Münster. Letzteres hat 150 Visiere bestellt, 74 bereits erhalten. „Es ist ein sehr positives Gefühl, dass wir die Geräte der Schule und unser semi-professionelles Knowhow nutzen können, etwas Gutes zu tun“, sagt Lukas Borgmann.

Lukas Borgmann und Dennis Menzel drucken von frühmorgens bis in die Nacht Halterungen für Schutzvisiere. Nach Ostern bringen sie sie zur Endmontage an die Ruhr-Universität.

Lukas Borgmann und Dennis Menzel drucken von frühmorgens bis in die Nacht Halterungen für Schutzvisiere. Nach Ostern bringen sie sie zur Endmontage an die Ruhr-Universität. © Lukas Borgmann

Bevor er an die Produktion ging, hat er aus Spendengeldern für das TecLab Nordwest einige Rollen PLA-Filament gekauft. „Das ist damit gut eingesetzt und es bleibt für die Schüler noch genug übrig.“ Aus den knapp zwei Millimetern dicken Kunststofffäden formen die 3D-Drucker die Visierhalterungen.

„Ich habe noch Material für 216 Masken“, rechnet Borgmann vor. „Das sollte bis Sonntag nächster Woche reichen.“ Und gegebenenfalls könne er ja noch was nachkaufen. Spender, die das Projekt unterstützen wollen, sind gewiss willkommen. Sie können Kontakt mit dem Lehrer am HHG aufnehmen.

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