Hilfe für schwierige, nette junge Leute

DORTMUND „Jeder Mensch ist anders“, sagt Werner, der Zauberer, und zeigt drei Stricke: 10 cm, 20 cm, 30 cm. „Man darf nicht so tun“ - er zupft an den Stricken - „als ob alle gleich wären.“ So wie die Stricke, die plötzlich genau gleich lang sind. Das Publikum staunt, lacht und applaudiert.

von Von Tilmann Abegg

, 06.01.2008, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hilfe für schwierige, nette  junge Leute

„Werner der Zauberer“ (r.) unterhielt beim Tag der offenen Tür.

Die Stimmung ist locker beim Tag der offenen Tür am Samstag im Haus der „Sozial betreutes Wohnen“ gGmbH (SBW) an der Evinger Straße 284. Und eng ist es, viele Nachbarn, Bekannte und andere Interessierte sind gekommen, um sich über die Arbeit des SBW zu informieren.

Viele haben Vorurteile

Ein Erfolg, findet Betreuer Wolfgang Wenzel. „Viele haben ja Vorurteile gegenüber unseren Bewohnern“, weiß der Sozialpädagoge und Geschäftsführer des SBW, „aber das sind einfach schwierige, nette junge Menschen, die wir fit machen wollen für den Alltag.“ Alexander Jaspert wohnt seit vier Monaten im Haus. 5000 Euro schuldet er seinem Handy-Anbieter. „Hier lerne ich, nicht mehr Geld auszugeben, als ich habe“, sagt der 22-Jährige. Seinen Traumberuf Koch konnte er bisher wegen seiner Schwerhörigkeit nicht erlernen. „Ich lese von den Lippen ab, das klappt in der Küche nicht. Aber in drei Monaten bekomme ich ein Hörgerät, dann will ich die Ausbildung anfangen.“

Drogensucht und soziale Verwahrlosung

Seit 19 Jahren bietet das Haus Platz für je zehn junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren mit Problemen, die sie allein nicht mehr in den Griff bekommen: Drogensucht, Obdachlosigkeit, soziale Verwahrlosung. „Viele haben große Schulden oder sind bereits straffällig geworden“, ergänzt Betreuerin Anke Rammacher-Gotschol.

Betreuer sind wie Eltern

Feste, verlässliche Tagesabläufe und die wöchentlichen Gruppenessen bilden die Grundlage der Betreuung. „Aber das Wichtigste ist die Beziehung zu den Jugendlichen“, betont Rammacher-Gotschol, „Fingerspitzengefühl - das lernt man nicht auf der Uni.“ „Ist schon ganz kuschelig hier“, findet Manuela Langner (22). Seit ihrem vierten Lebensjahr lebe sie „in Einrichtungen“, sagt sie. Aber das SBW-Haus sei anders, die Betreuer seien wie Eltern für die Bewohner. „Natürlich gibt es Ärger, wenn wir mal Mist bauen. Aber sie helfen uns immer. Das ist sehr gut.“  

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