Historischer Schatz: Heimatforscher entdeckt 170 Jahre altes Foto

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Der Heimatforscher Peter G. Henning hat in seinem Archiv einen historischen Schatz entdeckt. Ein Porträt aus den Anfängen der Fotografie. Das Bild gibt allerdings Rätsel auf.

Jungferntal-Rahm

, 13.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine „Fundsache“ nennt Peter G. Henning das Foto, das er auf Facebook veröffentlicht hat. Jahrzehntelang, über mehrere Generationen, war das Foto in Familienbesitz. Bis eine Frau aus Dortmund-Wischlingen es in den Unterlagen ihrer Familie entdeckte und dem Heimatforscher aus dem benachbarten Huckarde vermachte.

Das Foto stammt aus einer Zeit, als es das Wort Foto noch gar nicht gab. Daguerreotypie hieß das Verfahren, mit dem man Licht auf eine mit Silber beschichtete Kupferplatte bannen konnte. Benannt nach dem Erfinder Louis Daguerre.

Eine damals ganz neue Technik

1839 hatte er diese Technik entwickelt. Im Jahr 1850 war sie immer noch der letzte Schrei, als sich der Rahmer Dorfschullehrer Heinrich Wilhelm Schriever in das Studio des Dortmunder Gold- und Silberschmieds F. Messing setzte, um sich ablichten zu lassen.

Laut Peter G. Henning, der sich mit anderen Heimatforschern in Dortmund austauscht, ist diese Daguerreotypie das älteste erhaltene Foto der damaligen Bauernschaft Rahm. Und es gibt zahlreiche Rätsel auf.

Hilfe durch den Landadel

Zum einen taucht die Frage nach dem Geld auf. Wer konnte sich damals so ein Bild leisten? „Ein normaler Dorfschullehrer bestimmt nicht“, sagt Peter G. Henning. Die Silberbeschichtung und die Gesundheitsgefahr für Fotografen aufgrund giftiger Dämpfe bei der Entwicklung dürften eine Daguerreotypie teuer gemacht haben. Belege über den Preis gibt es aber nicht.

Bei einer Daguerreotypie wurde eine versilberte Kupferplatte belichtet.

Bei einer Daguerreotypie wurde eine versilberte Kupferplatte belichtet. © Peter G. Henning

Doch Peter G. Henning hat geforscht und herausgefunden, dass die damalige Rahmer Schule, die an der heutigen Straße „Zum Kniepacker“ lag, von adeligen Sponsoren finanziert wurde: vor allen vom Freiherrn Conrad von Sydow, damals der Besitzer von Haus Westhusen, der heutigen Seniorenresidenz.

Ein Foto zum 50. Dienstjubiläum

So ein Sponsorentum war notwendig, denn viele arme Bauern blieben das Schulgeld schuldig. „Damals war die Polizei dafür zuständig, das Schulgeld einzutreiben“, berichtet Henning.

Der Freiherr war es auch, der den Rahmer Wald pflanzen ließ. „Das war damals alles Ackerland“, berichtet Peter G. Henning. Der Großbauer brauchte einen Wald ganz praktisch, um das Herrenhaus mit Holz zu heizen.

Das Foto zeigt das Datum 1850, genauso wie eine Urkunde aus dem gleichen Nachlass, in dem dem Lehrer zum „Goldenen Jubelfeste“ gratuliert wird. Der Dorflehrer scheint sich das Foto also zu seinem 50. Dienstjubiläum gegönnt zu haben. Oder es wurde ihm gestiftet.

Es ging nur widerwillig in die Schule

Mindestens 50 Jahre lehrte Schriever also in Rahm. Peter G. Henning weiß, dass Schulunterricht damals völlig anders war. Es gab in Preußen zwar die Schulpflicht, aber Henning weiß aus vielen Quellen, dass Kinder nur die Schule besuchten, wenn es auf dem elterlichen Hof nichts zu tun gab und wenn das Wetter es erlaubte, sich mit der ärmlichen Kleidung der Kinder auf den Schulweg zu machen.

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Besonders eilig dürften es die Kinder auf dem Weg zur Schule nicht gehabt haben. „Denn wenn die Kinder am Vortag nicht beim Unterricht waren, wussten sie auch nicht, was es für Hausaufgaben gegeben hatte“, berichtet Henning. „Und wenn sie keine Hausaufgaben gemacht hatten oder darin Fehler waren, gab es Prügel.“ Kinder mit dem Rohrstock zu schlagen, war damals eine anerkannte Erziehungsmethode.

Lehrer hatte vermutlich blaue Augen

Das Foto ist heute stark verblichen. Für die Veröffentlichung wurde das Bild eingescannt und am Computer bearbeitet. „Das ist ein bisschen gruselig“, sagt Henning, „denn die Augen des Lehrer sind fast weiß“.

Laut Henning ist das ein Hinweis darauf, dass Schriever blaue Augen hatte. „Die sind bei dieser Foto-Technik weniger kontrastreich und verblassen besonders schnell“, hat Peter G. Henning recherchiert.

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