Horror auf der Unterbühne

DORTMUND Das Schauspiel inszeniert Philip Ridley und Gänsehaut ist vorprogrammiert, wenn die Stücke dieses krassen englischen Autors auf die Bühne kommen. In diesem Fall ist sie eine kleine: In der Reihe Nachtexzess der kuscheligen Unterbühne im Schauspielhaus sehen gerade einmal jeweils 30 Zuschauer die aktuelle Produktion. In diesem Fall "Der Disney-Killer".

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 10.01.2008, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Horror auf der Unterbühne

Cosmo (Andreas Vögler/l.) platzt in das einsame Leben des schwer träumenden Presley (Patrick Jurowski).

Nach dieser Inszenierung ist an Schlaf erst mal nicht zu denken, denn er kommt Nacht für Nacht, der Disney-Killer. Grusel-Phantasien für Menschen ab 16. Vom „Disney-Killer“ träumt ein gewisser Presley. Es ist der immer gleiche Dauerschrecken: Der Killer bringt alle Kinder um, nachdem er sie vorher missbraucht hat. Er bringt sie mit einer Mistgabel um und setzt auf jeden Leichnam eine Disneyfigur. Der englische Autor Philip Ridley, bekannt für die mysteriösen Halbwelten, die er in seinen Filmen und Theaterstücken schafft, schuf mit seinem 1991 uraufgeführten Stück „Der Disney-Killer“ eine Halluzination, ein Endzeitszenario, eine Geisterbahnfahrt. Premiere auf der Unterbühne am Dortmunder Schauspiel ist Samstag (12. 1.). Sie ist ausverkauft, wie auch die zweite Vorstellung am 18. Januar.

Abgründe

„Geisterbahn“ – das ist auch das Stichwort für den jungen Regisseur Thorsten Schlenger, der mit dem Ridley-Horror hier sein erstes Stück abliefert. „Uns geht es um die Philosophie der Geisterbahn. Wir wollen wissen, wie sich der Zuschauer darauf einlässt.“ Der 28-Jährige jedenfalls ließ sich gerne auf die Unterbühne ein. Thorsten Schlenger studierte am Max Reinhardt Seminar in Wien bei Dortmunds Schauspiel-Direktor Michael Gruner. Nach seiner Schlussinszenierung meinte Gruner zu ihm: „Das erste, was ich Dir in Dortmund anbieten kann, ist: Du gehst in den Keller.“ Das tat er voller Begeisterung. Als Regisseur von Ridleys „Der Disney-Killer“ weiß Schlenger: „Wer sich mit den ganzen Abgründen beschäftigt, die in dem Stück drin stecken, schläft schlecht.“

Letzte Überlebende

Da wäre also Presley, der schwere Träume hat. Seit zwölf Jahren lebt er mit seiner Schwester Haley nach dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern eingeschlossen – getrennt von der Welt. Sie erzählen einander schreckliche Gute-Nacht-Geschichten. Erlebnisse aus der Kindheit. Alpträume. Die Geschwister glauben, sie seien die letzten Überlebenden des Atomkrieges. Sie treffen plötzlich auf dubiose Gestalten, auf Cosmo und Mistgabel, seinen Freund. Die Angst geht um.   Weitere Vorstellungen am 26. 1., 2. und 29. 2. (je ab 23 Uhr). Karten, Tel. 50 27 222. 

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