Absturz statt Superjahr: Hotel Esplanade kämpft um seine Existenz

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Das Hotel Esplanade ist ein familiengeführtes Hotel am Burgwall. Nach großer Investition sollte 2020 ein Superjahr werden. Dann kam Corona. Seit kurzem ist das Hotel wieder geöffnet.

Dortmund

, 11.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hoffnungsvoll blickte man in der Familie Kortmann im Januar auf das Jahr 2020. Die Um- und Ausbauten im eigenen Hotel Esplanade am Burgwall gingen dem Ende entgegen. Und als Anfang Februar die 14 durch eine Millioneninvestition neu geschaffenen Zimmer eröffnet wurden, blickte man optimistisch in die Zukunft.

„Es sollte ein Superjahr werden - und jetzt wissen wir nicht, ob wir nächstes Jahr noch am Markt sind“, sagt Katja Kortmann. Von ihrem Vater Karl-Ulrich übernahm sie im Februar die Hotelleitung. In einer guten Zeit eigentlich. Das Feld schien bestellt. Mitten hinein in den Dortmunder Hotel-Boom und die wachsenden Übernachtungszahlen platzte allerdings nur wenige Wochen später die Corona-Pandemie.

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Im März sank die Zahl der Gäste um 60 Prozent. Im April wurde das Hotel ganz geschlossen. „Nach vier Monaten haben wir jetzt Anfang August wieder geöffnet, weil der Mitbewerber, das Leonardo-Hotel, hier geöffnet hat. Aber es lohnt sich nicht. Es ist keine Nachfrage da“, sagt Katja Kortmann.

Esplanade-Geschäftsführerin: „Wir sind eine Familie“

Ein Gast zur Wiedereröffnung ist Thomas Westphal. Der Wirtschaftsförderer, OB-Kandidat und aktuelle Wahlkämpfer ist zwar nicht der erste, der in einer der nagelneuen Panorama-Suiten hoch über der Kreuzung Burgwall/Bornstraße für mindestens 150 Euro übernachtet, aber er interessiert sich für den Existenzkampf im Hotelgewerbe.

Das Hotel Esplanade in Dortmund

An der Ecke Burgwall/Bornstraße präsentiert sich das Vier-Sterne-Hotel Esplanade seit Jahresbeginn in völlig neuer Optik. © Peter Wulle

Katja Kortmann zeigt ihm ein selbst gemachtes, großes Plakat mit allen 35 Mitarbeitern. „Um die Menschen geht es. Etliche arbeiten bei uns schon über 20 Jahre. Wir sind eine Familie. Nicht dem Esplanade geht es schlecht, den Menschen dahinter geht es schlecht“, sagt Katja Kortmann.

Katja Kortmann hofft in der Lobby ihres Hotels Esplanade am Burgwall auf Gäste. Das familiengeführte Hotel bietet 97 Zimmer und 18 Appartements.

Katja Kortmann hofft in der Lobby ihres Hotels Esplanade am Burgwall auf Gäste. Das familiengeführte Hotel bietet 97 Zimmer und 18 Appartements. © Peter Wulle

Und dann erzählt die Geschäftsführerin, wie umfangreich man sich auf die Hygiene-Herausforderungen vorbereitet, die Auszubildenden geschult und mögliche Abläufe für Tagungen und Veranstaltungen erarbeitet und getestet hat. „Nur: Es gibt keine Gäste, und die Firmen buchen keine Tagungen. Es ist eine dramatische Situation. Wenn die Hysterie um eine zweite Corona-Welle nicht abebbt und auch der Herbst eine Vollkatastrophe wird, müssen wir unseren Mitarbeitern kündigen“, so Katja Kortmann.

So sieht eine der neuen Suiten mit Panaromafenstern zur City aus. 14 neue Zimmer sind insgesamt entstanden.

So sieht eine der neuen Suiten mit Panaromafenstern zur City aus. 14 neue Zimmer sind insgesamt entstanden. © (A) Schaper

Ohne Messebesucher und vor allem ohne Champions-League-Fußballfans, die für ein Standard-Doppelzimmer bis zu 250 Euro zu zahlen bereit sind, bleibt die Lage ernst.

Bund und Land sollen Hotels finanziell unterstützen

Wirklich helfen, da redet Thomas Westphal nicht drumherum, kann er weder als Wirtschaftsförderer noch als Oberbürgermeister, der er erst noch werden will. Der Sozialdemokrat sagt: „Die lokale Wirtschaft ist am härtesten getroffen. Unter anderem in den Hotels gibt es Arbeitsplätze für Menschen mit geringeren Qualifikationen. Für solche haben wir uns jahrelang eingesetzt - nicht nur für High-Tech-Arbeitsplätze. So konnten wir die Arbeitslosenquote auf 9,5 Prozent senken. Jetzt sind wir wieder bei 12 Prozent - und es wird nicht das Ende sein.“

Während man als Stadt die Vergnügungssteuer senken oder die Außengastronomie-Beschränkungen lockern könne, könne man den Kostenblock der Hotels nicht nennenswert auffangen. „Die Umsätze werden hier in nächster Zeit nicht hochgehen. Wir werden uns beim Bund und beim Land für eine finanzielle Unterstützung der Hotels einsetzen“, so Westphal.

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Katja Kortmann hofft auf einen solchen Rettungsschirm. „Wir haben alles in diesen Umbau gesteckt und hatten super Aussichten. Noch hilft uns die Bank, aber irgendwann brauchen die auch ihr Geld. Und laut Fachpresse soll der Markt sich erst 2023 erholen.“

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