Ein Hund am Arbeitsplatz macht glücklich: Warum, erklären Experten

hzBüro-Tiere

In der Innenstadt gibt es viele Vierbeiner, die ihre Besitzer ins Büro begleiten. Das hat Vorteile für beide Seiten. Auch Kollegen und Unternehmen profitieren vom „tierischen“ Bürogehilfen.

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, 21.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Lennox der Labrador, Abbey die Bulldogge und Elli die Mischlingshündin ihre Besitzer an den Arbeitsplatz begleiten, haben Herrchen oder Frauchen mit der Unternehmensleitung und den Kollegen wichtige Absprachen getroffen. Denn nur mit bestimmten Regeln klappt es mit dem „Kollegen Hund“.

Ein Hund am Arbeitsplatz macht glücklich: Warum, erklären Experten

Dr. Christian Lüdke mit Mops Buddha. © Lüdke

Dass Hunde am Arbeitsplatz auch glücklich machen - und zwar nicht nur ihre eigenen Halter - das haben wissenschaftliche Studien erwiesen. Auch der Lüner Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke ist ein Hundemensch. Neben seinem Mops „Buddha“, der kürzlich an Altersschwäche gestorben ist, hat er noch die kroatische Schäferhündin „Samba“. Und er verrät, warum ein Hund am Arbeitsplatz gut tut.

Weniger Stress, weniger Fehltage, weniger Kosten

„Man könnte es den Wau-Effekt nennen“, sagt der 59-Jährige. „Ein Hund ist ein unheimlicher Sympathieträger, der eine starke Bindung zum Menschen eingeht.“ Dabei werden die Glückshormone Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet und gleichzeitig die Stresshormone Insulin und Cortisol abgebaut. „Hundebesitzer haben weniger Stress als andere Menschen. Und das überträgt sich natürlich auch auf die Kollegen“, erklärt der Psychotherapeut.

Ein Hund am Arbeitsplatz macht glücklich: Warum, erklären Experten

Der Hund als Kollege - in vielen Büros ist das heute erlaubt. © Martina Niehaus

Wenn sich also Bulldogge Abbey während der Besprechung dazugesellt und sich auf den Rücken wirft, sorge das erwiesenermaßen für Stressreduktion. „Allein dass der Hund da ist, bewirkt eine bessere Konzentration. Der Blutdruck geht runter, alle sind gleich viel entspannter. Es herrscht eine ganz andere Diskussions- und Streitkultur.“

Ein Hund am Arbeitsplatz macht glücklich: Warum, erklären Experten

Hunde im Büro: Das sind laut BVBH die Vorteile für die Menschen. © BVBH

Und das, sagt Lüdke, wirkt sich letztlich auch positiv auf das Unternehmen aus. „Es gibt weniger Fehltage durch Krankheiten. Ein Hund im Büro hilft dem Arbeitgeber also dabei, Kosten zu sparen.“ Viele Firmen machten inzwischen Werbung dafür, dass sie Hunde am Arbeitsplatz erlauben.

Dem Hund das „Alleinsein“ beibringen - warum?

Der Bundesverband Bürohund e. V. (BVBH) mit Sitz in Berlin setzt sich seit seiner Gründung in 2014 für die vereinfachte Zulassung von Hunden in Büros ein. Markus Beyer ist der Vorsitzende. „Ich bin Trainer für Hundehalter in Berlin“, erzählt der 57-Jährige. „Und viele haben mich gefragt, ob ich ihrem Hund nicht das Alleinsein beibringen könne. Da habe ich mich gefragt: Warum?“

Ein Hund am Arbeitsplatz macht glücklich: Warum, erklären Experten

Hunde im Büro: Das sind laut BVBH die Vorteile für die Hunde. © BVBH

Nach nur einem Jahr stellt Beyer fest: Der Bedarf ist riesig. „Erst haben mich fast nur Hundehalter kontaktiert, heute fragen die Unternehmen: Was können wir machen, um Hunde zu integrieren?“ Mittlerweile hält Beyer bundesweit Seminare für Entscheidungsträger in Unternehmen.

Das größte Hindernis ist das „Kopfkino“

Das größte Hindernis bei der Frage, ob der Hund mit ins Büro darf, sei das Kopfkino. „Das Thema Hund ist sehr emotional. Jeder hat da ein Gefühl, eine Meinung. Wir glauben: Man muss es einfach machen.“

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Markus Beyer vom BVBH mit seinem Hund Chester © BVBH

Die Vorteile für Unternehmen seien immens: So könne auch dem dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegengewirkt werden, glaubt Beyer. „Der Hund erdet einen, bringt den Halter und die Kollegen zum Lächeln.“

Den Hund als Kollegen im Unternehmen zuzulassen ist die eine Sache. Christian Lüdke, der oft mit traumatisierten Kindern und Erwachsenen zu tun hat, geht da noch weiter. Er berichtet von Patienten. Von Kindern, die nach traumatischen Erfahrungen aufgehört hatten zu sprechen - und sich dann in eine Ecke setzten, um mit dem Mops „Buddha“ zu reden. Lüdke: „Ich setze Hunde auch gezielt für die Therapie ein. Und viele Seniorenheime, Hospize, Kitas oder Schulen erkennen mittlerweile, welche Vorteile das Tier bringt.“

Und dann müssen Halter ihrem Hund nicht mehr das „Alleinsein“ beibringen. Markus Beyer sagt dazu: „Hunde sind einfach nur da. Sie sind von uns abhängig. Und sie sollten nicht die Opfer sein.“

Schriftliche Regeln bringen Sicherheit
  • Der Bundesverband Bürohunde (BVBH) empfiehlt Unternehmen, mit ihren Mitarbeitern schriftliche Regeln festzulegen - und den Hund nicht nur nach mündlicher Absprache im Betrieb zu „dulden“.
  • „Dann sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer beide auf der sicheren Seite, gerade auch wenn es einmal zu einem Wechsel im Management kommt“, erklärt BVBH-Vorsitzender Markus Beyer.
  • Diese Regeln können im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder ganz einfach in einer Hausordnung festgehalten werden.
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