50.000 Ausbildungen: Jubiläums-Azubi muss ordentlich schwitzen

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Die IHK feiert 50.000 neue Ausbildungsverträge in zehn Jahren. Den Jubiläumsvertrag erhielt jetzt Dominik Heddram. Er lernt im Dortmunder Hafen einen extrem seltenen Beruf.

Dortmund

, 15.09.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er arbeitet mit Beton, mit einer Steinsäge, mit großen Mischern. Der 50.000ste Azubi mit einem eingetragenen Ausbildungsvertrag im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund ist kein „Schreibtischtäter“, sondern eher ein Malocher. Dominik Heddram aus Mengede will Feuerungs- und Schornsteinbauer werden.

Selbst sein Chef Uwe Lungmuß von der gleichnamigen Firma an der Franziusstraße im Dortmunder Hafen gibt zu, dass das ein „extrem seltenes Berufsbild“ ist. Dominik Heddram wollte nach dem Besuch der Realschule in Nette und dem Fachabitur am Berufskolleg zwar „unbedingt ins Handwerk“, aber an die schweißtreibende Arbeit zur Produktion von feuerfesten Stoffen hat er nie gedacht.

„Ich habe bestimmt 25 Bewerbungen in diesem Jahr an verschiedene Handwerksbetriebe geschrieben und nur Absagen oder teilweise auch gar keine Antwort bekommen“, sagt Dominik Heddram. Es sei für ihn nicht leicht gewesen, in diesem Corona-Jahr einen Ausbildungsplatz zu finden, so der 24-Jährige.

Feuerfeste Produkte halten bis zu 2000 Grad aus

Es war dann sein Bruder, der ihn auf die Idee brachte, vielleicht Feuerungs- und Schornsteinbauer zu werden. „Mein Bruder arbeitet schon seit einigen Jahren bei Lungmuß in der Verwaltung. Durch ihn bin ich zu Lungmuß gekommen“, sagt Dominik Heddram.

Bei der Chemikalien-Gesellschaft Hans Lungmuß - kurz: Lungmuß Feuerfest - ist er nun der erste und einzige Auszubildende in der Produktion. Unter anderem arbeitet er dort nun in den ersten beiden Wochen seit Ausbildungsbeginn mit flüssigem Beton, der unter Zumischung von speziellen Stoffen bis zu 2000 Grad Celsius aushält und feuerfest ist. „Das ist teilweise körperlich anstrengend, aber zu schaffen und macht mir auf jeden Fall total Spaß“, so Dominik Heddram.

50.000 neue Ausbildungsverträge in zehn Jahren feiert die IHK zu Dortmund.

50.000 neue Ausbildungsverträge in zehn Jahren feiert die IHK zu Dortmund. Das Bild zeigt von links: den Jubiläums-Azubi Dominik Heddram, Uwe Lungmuß, Geschäftsführer der Chemikalien-Gesellschaft Hans Lungmuß mbh & Co. KG, IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Geschäftsführer Michael Ifland. © IHK/Schaper

Mit seiner ersten Einschätzung, dass bei Lungmuß vor allem die Schamottsteine für die heimischen Kaminöfen produziert werden, lag IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber während der Feier zum 50.000sten Ausbildungsvertrag nicht ganz falsch. „Aber“, sagte Uwe Lungmuß mit einem Schmunzeln, „diese Anwendung unserer Produkte in Kaminen ist für uns nicht heiß, sondern eher lauwarm.“

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Uwe Lungmuß verdeutlichte den IHK-Vertretern im Großen Saal der Kammer an der Märkischen Straße 120, dass es überall dort, wo heiße Metalle fließen, feuerfeste Produkte braucht. „Früher hatten wir mit den Hochöfen der Stahlindustrie die Kunden direkt vor Ort, inzwischen agieren wir international und haben uns Märkte in Osteuropa erschlossen“, so Lungmuß. Die Neuausrichtung sei erfolgreich gewesen und habe zur Verdreifachung von Umsätzen und Mitarbeitern geführt.

Ein verantwortungsvoller und vielfältiger Beruf

Ob in Kraftwerken, in der Petrochemie, in Gießereien, in der Müllverbrennung oder auch in Krematorien: „Für jeden thermischen Prozess“, sagt Uwe Lungmuß, braucht es den Spezialbau von feuerfestem Material. Und dabei geht es nie um Zentimeter, sondern immer um Millimeter. Daher ist der Beruf des Feuerungs- und Schornsteinbauers ein sehr wichtiger, verantwortungsvoller und vielfältiger Beruf.“

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Aus Anlass des 50.000sten Ausbildungsvertrags in zehn Jahren überreichte IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann gemeinsam mit Stefan Schreiber eine Urkunde an den Firmenchef aus dem Dortmunder Hafen. „Wir wollen in Zukunft noch stärker in Ausbildung investieren und regelmäßiger ausbilden“, freute sich Uwe Lungmuß über die Auszeichnung.

Derzeit hat das Unternehmen drei Auszubildende, drei wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich ausgebildet, unter anderem als Prüftechnologe Keramik, Industriekaufleute oder Mechatroniker.

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Wenngleich die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiterhin groß sei, so sei die Ausbildungsplatzsuche im Corona-Jahr für viele junge Menschen schon schwierig, räumte Michael Ifland, Leiter des Bereichs berufliche Bildung und Fachkräftesicherung bei der IHK, ein. „Die Ausbildungsplatzsituation ist besser als im März befürchtet, aber wir hinken hinterher. Vor allem in den Branchen Gastronomie, Veranstaltung und Handel werden wir nicht auf die Vertragszahlen der vergangenen Jahre kommen.“

IHK-Präsident lobt die duale Ausbildung

IHK-Präsident Dustmann betonte, dass jede Krise vorübergehe und man zuversichtlich in die Zukunft schauen könne: „Als IHK setzen wir gemeinsam mit den Unternehmen alles daran, dass sämtliche Azubis ihre Ausbildung abschließen können. 50.000 neue Ausbildungsverträge eingerahmt von den Folgen der Finanzkrise von 2008 und den noch kommenden Auswirkungen der Corona-Krise zeigen: Die duale Ausbildung ist krisenfest!“

Für Dominik Heddram, so formulierte es Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, seien die Ausbildung und auch der zukünftige Beruf als Feuerungs- und Schornsteinbauer sogar nicht nur krisenfest, sondern feuerfest.

Ausbildung

IHK-Fakten und Infos

  • 50.000 neue Ausbildungsverträge in 10 Jahren
  • Seit 2011 jedes Jahr mehr als 5.000 neue Ausbildungsverträge
  • Jährlich im Schnitt 6000 Abschlussprüfungen und 3.000 Fortbildungsprüfungen
  • Pro Jahr sind rund 12.500 Ausbildungsverhältnisse aktiv
  • Rund 3000 Ausbildungsbetriebe bilden 140 verschiedene Berufe aus
  • Rund 2250 Prüfer arbeiten ehrenamtlich für die IHK
  • Weitere Informationen, etwa zu einem Azubi-Speed-Dating 2.0 ab dem 14. September und zur IHK-Lehrstellenbörse unter Tel. (0231) 5417-0 und online unter www.dortmund.ihk24.de
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