„Im Hotel waren alle nervös“: Das berichten die ersten Thomas-Cook-Rückkehrer

hzInsolventer Reise-Konzern

Elvira und Peter Neuhaus traf die Pleite von Thomas Cook genau auf der Hälfte ihres Mallorca-Urlaubs. Sie gehören zu den ersten Dortmundern, die von ihrer Thomas-Cook-Reise zurückkehren.

Dortmund

, 01.10.2019, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Hotelzimmer mit Meerblick, der nette Service im Hotel, der familienfreundliche Pool. Lange wussten Peter und Elvira Neuhaus aus Kirchlinde nicht, ob ihnen die Annehmlichkeiten ihres Mallorca-Urlaubs bis zum Ende der Reise erhalten bleiben würden.

Sie hatten ihre Pauschalreise ausgerechnet bei Neckermann gebucht, einer Tochter des Pleite-Konzerns Thomas Cook. Als die Nachricht von der Insolvenz kam, waren die zwei schon seit einer Woche in Font de Sa Cala auf Mallorca.

„Das wird teuer“, dachte Peter Neuhaus, als er von der Insolvenz erfuhr. Er sah sich und seine Familie schon vor sich, wie sie plötzlich ohne Hotelzimmer und Rückflug dastehen, weil ihre Buchung von heute auf morgen ihre Gültigkeit verliert.

Kommunikation zwischen Hotel und Thomas Cook funktionierte

Doch das Ehepaar Neuhaus, das mit seiner Tochter und den Enkelkindern gerade zwei Wochen in Font de Sa Cala auf Mallorca verbracht hat, hatte Glück. Anders als in anderen Hotels kam bei ihrem Gastgeber die entscheidende Nachricht von Thomas Cook offenbar an.

„Hotelpartner sowie die Transferagenturen und Airline Partner haben eine Kostenübernahmeerklärung der Insolvenzversicherung erhalten“, erklärt der Konzern auch auf seiner Website. Sprich: Thomas Cook trägt weiterhin die Kosten für Reisen, die bei ihnen gebucht wurden.

Die Familie wohnte im Iberostar, einer konzerneigenen Hotelkette. Thorsten Eustrup geht davon aus, dass im Fall von Thomas-Cook-Hotels die Kommunikation zwischen Hotel und Insolvenzverwalter etwas einfacher war. Andere Hotelbetreiber waren sich offenbar nicht so sicher, dass Thomas Cook die Rechnung trotz Insolvenz bezahlen würde, wie ein Fall aus Essen zeigt.

Eustrup ist Inhaber des Reisebüros Köhler in Lütgendortmund. Das Ehepaar Neuhaus ist treuer Kunde, seit Jahren buchen die zwei ihre Urlaube in seinem Reisebüro. Als er von der Pleite hörte, benachrichtigte er sofort alle Kunden, die eine Reise bei Thomas Cook oder einer der Töchter gebucht hatten. „Letzte Woche waren viele Fehlinformationen im Umlauf“, erzählt er. „Da können wir nur aktiv auf die Kunden zugehen, um sie aufzuklären und zu beruhigen.“

Das Hotel wurde immer leerer

Auch das Ehepaar Neuhaus kontaktierte er, erklärte ihnen, dass sich sowohl beim Hotel als auch beim Flug nichts ändern dürfte. Und tatsächlich ging bei ihnen alles glatt. Nur beim Transfer zum Flughafen gab es ein paar kurzfristige Änderungen.

„Den Hotelmitarbeitern hat man überhaupt nichts angemerkt“, schildert Elvira Neuhaus, als sie am Montag (30.9.) von der Reise zurück am Flughafen ankommt. Verpflegung, Zimmerservice, Programm - in dem Familienhotel ging alles seinen gewohnten Gang. Nur, dass das Hotel immer leerer wurde, fiel ihnen auf. „Es sind keine neuen Gäste mehr nachgekommen“, erzählt Peter Neuhaus.

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Trotz aller Gelassenheit der Mitarbeiter machte sich unter den Gästen, die blieben, in den Tagen nach der Pleite-Botschaft Nervosität breit. „Viele Leute waren die ganze Zeit am Handy“, erzählt Elvira Neuhaus. Schon beim Frühstück sei über die Insolvenz und ihre Folgen diskutiert worden.

Pauschalreisen sind gegen Insolvenz versichert

Diese Nervosität und Unsicherheit bekamen in der vergangenen Woche auch die Mitarbeiterinnen der Verbraucherzentrale in Dortmund zu spüren. Viele Dortmunder, die Reisen bei Thomas Cook gebucht hatten, wandten sich an sie.

„In der Beratung geht es dann erstmal darum, sich einen Überblick zu verschaffen und die Lage zu analysieren“, erklärt Helene Schulte-Bories, Leiterin der Verbraucherzentrale. „Die Menschen brauchen erst einmal Orientierung“, ergänzt Ilona Schwieger, zuständig für die Reiserechtsberatung.

Auf ihrer Internetseite hat die Verbraucherzentrale die wichtigsten Infos für Urlauber zusammengestellt.

Hilfe und Beratung

Die Verbraucherzentrale berät auf vielen Wegen

  • Die Dortmunder Verbraucherzentrale, Reinoldistraße 7-9, kann telefonisch unter (0231) 72091701 oder per Kontaktformular auf der Website der Beratungsstelle erreicht werden.
  • Beratungen sind persönlich, aber auch telefonisch oder per E-Mail möglich. Eine persönliche Reiserechtsberatung kostet 9 Euro, die Telefonberatung kostet 1,86 € pro Minute (Aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen), die Beratung per E-Mail kostet 30 Euro.
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