Immer mehr Migranten werden Lehrer an Dortmunder Schulen - So hoch ist die Quote

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Dass Lehrer und Schüler häufig in verschiedenen Welten leben, ist nicht neu. Doch langsam ändert sich die Diskrepanz bei familiären Hintergründen: Mehr Migranten starten ins Refrendariat.

Dortmund

, 05.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund ein Viertel aller Schüler in Nordrhein-Westfalen hat einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig liegt der Anteil unter den Lehrern bei gerade mal fünf Prozent.

„Als Schülerin habe ich Lehrer mit Migrationsgeschichte sehr vermisst“, sagt Keerthana Thevarasa. Die 26-Jährige studiert Geschichte und Französisch auf Lehramt, steht vor dem Referendariat - und engagiert sich, damit sich etwas ändert.

Schüler brauchen Vorbildfiguren. Und die Motivation etwa zu einer akademischen Karriere könne anders vermittelt werden von jemandem, der ähnliche Voraussetzungen hatte, meint Thevarasa. Von jemandem, der auch „anders“ aussieht und einen anderen Hintergrund hat als die Masse. Jemand, der die Schüler vielleicht manchmal besser versteht.

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Zum 1. November sind 120 neue Lehramtsanwärter für Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen in Dortmund vereidigt worden, jetzt starten sie in ihr Referendariat. Bei der Urkundenvergabe aufgerufen wurden Hennings und Yusufs, Alexandras und Büsras.

Etwa ein Drittel der neuen, künftigen Lehrer hat Vorfahren aus anderen Ländern. Eine Quote, die es in den vergangenen Jahren nie gab. Verlesen wurden die Namen extra vom Türkisch-Dozenten des Ausbildungszentrums.

„Häufig sind die jungen Leute die ersten in ihren Familien, die studieren“, sagt Hiltrud Karthaus-Luchs, Abteilungsleiterin beim Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL). Bei Gymnasiallehrern seien es noch deutlich weniger Bewerber mit Migrationshintergrund: „Viele trauen sich nicht, den Stoff fürs Gymnasium zu studieren“, so Karthaus-Luchs.

Immer mehr Migranten werden Lehrer an Dortmunder Schulen - So hoch ist die Quote

Bei der Vereidigung bekamen die angehenden Lehrer Urkunden überreicht. © Kevin Kindel

Dieses Selbstvertrauen zu einer echten Integration in allen Bereichen müsse in der Gesellschaft noch wachsen. Karthaus-Luchs zeigt auf eine Kollegin, die im Jahr 2004 Lehrerin wurde: „Migrationshintergrund war damals bei uns nur ganz vereinzelt vertreten. Sie war eine echte Exotin.“

Auch wenn es diese Unterscheidung in einer perfekten Welt nicht geben sollte: „Ausländische Schüler fühlen sich bei ausländischen Lehrern geborgener und verstandener“, sagt auch Ayse Nur Özdemir. Zusammen mit Keerthana Thevarasa ist sie für das „Netzwerk Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte“ bei der Vereidigung vor Ort.

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Die beiden Studentinnen engagieren sich als Mentorinnen für Lehramtsanwärter. „Die Abbrecherquote ist unter Migranten sehr hoch“, sagt Thevarasa. Das Netzwerk unterstützt das Durchhaltevermögen und vermittelt bei Problemen mit Ausbildern. Rassismus im Lehrerzimmer sei auch ein wichtiges Thema.

Weil es in der Stadt schon viel Zuwanderungsgeschichte gab, sei die Arbeit mit frisch zugewanderten Familien hier übrigens besser geregelt als anderswo, beobachtet die Studentin und lobt: „Dortmund ist offener für dieses Thema als andere Städte.“

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