Immer mehr rote Radwege in Dortmund: Was sie für Autofahrer bedeuten

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Für mehr Sicherheit markiert die Stadt Dortmund auf stark befahrenen Innenstadt-Straßen immer mehr Radwege rot. Was Autofahrer dort alles dürfen, wird Radfahrer nicht freuen.

Dortmund

, 18.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Um Radfahrer besser zu schützen, markiert die Stadt bis 2020 an stark befahrenen Straßen insgesamt 31 Radwege rot. Jüngstes Beispiel ist die Rheinische Straße: Weiße Linien, Pfeile und Piktogramme auf rotem Grund weisen Auto- und Radfahrer darauf hin, dass eine neue Spur eingezogen worden ist. Und schon stellen Autofahrer die rote Radfahrerspur zu, wenn sie vor der Kreuzung zur Unionstraße im Stau stehen. Dürfen die das?

Autofahrer auf roten Radwegen

Sie dürfen. Andere Fahrzeuge als Fahrräder müssen zwar links von einem Radweg fahren, aber eine Tabuzone sind die Radwege für Autofahrer nicht. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen sie:

  • über einen Radweg ausweichen, wenn die Verkehrslage das erfordert – ohne dabei einen Radfahrer zu gefährden,
  • „verkehrsbedingt“ auf dem Radweg halten. Also auch dann, wenn ein Stau das Überqueren verhindert.

Auf dem Rad ums Auto herum

Die neuen roten Radwege als Standfläche für Pkw, damit Radfahrer im Slalom drumherum fahren müssen? Sicher ist das nicht. Polizeisprecher Sven Schönberg appelliert an Auto- und Radfahrer, mit „gegenseitiger Rücksicht“ am Verkehr teilzunehmen. Also sich so zu verhalten, dass niemand gefährdet oder behindert wird. Auch das steht in der Straßenverkehrsordnung.

Das Parken auf Radwegen ist nicht erlaubt. Ein Verstoß kostet zwischen 10 und 35 Euro.

Immer mehr rote Radwege in Dortmund: Was sie für Autofahrer bedeuten

Der neue rote Radweg auf der Rheinischen Straße: Auch wenn die Spuren klar abgegrenzt sind, müssen Auto- und Radfahrer gut aufpassen, denn der Verkehr rollt nicht nur geradeaus. © Peter Bandermann

Autofahrer müssen den neuen Radweg auf der Rheinischen Straße stadtauswärts überqueren, um auf die Rechtsabbiegerspur zur Unionstraße fahren zu können. Bei Rotlicht für Rechtsabbieger und starkem Verkehr kommt es auf dieser Spur schnell zu einem Stau. Nicht immer halten Autofahrer den Radweg frei. Radfahrer müssen dann warten oder ausweichen.

Den Platz friedlich teilen

Mehr Rücksicht. Das ist auch der ganz große Wunsch von Konrad Tischler. Der Zweiradmeister aus dem Fahrradgeschäft „Radgebiet“ am Neuen Graben und Mitarbeiter der Radfahrer-Selbsthilfewerkstatt „Velokitchen Ruhr“ an der Bornstraße sagt: „Mehr Platz ist für die Verkehrsteilnehmer in Dortmund nicht da. Diesen Platz müssen wir uns friedlich teilen und zusehen, wie wir miteinander klarkommen.“ Jeder müsse „etwas weniger egoistisch“ sein, dann funktioniere der Verkehr schon viel besser.

Aus Konrad Tischlers Sicht habe sich die Situation auf der Rheinischen Straße mit dem roten Radweg etwas verbessert. Vorher „musste man da als Radfahrer breite Schultern haben.“ Ein Schild für Autofahrer mit der Bitte, den Radweg nicht zuzustellen, könnte helfen. Aufstellen müsste es die Stadt Dortmund.

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