Professor Carsten Watzl leitet den Forschungsbereich Immunologie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie © Oliver Schaper (Archiv)
Coronavirus

Impf-Nebenwirkungen: Warum vor allem Jüngere gefährdet sind

Bei drei Corona-Impfstoffen werden Nebenwirkungen untersucht. Gefährdet sollen vor allem Jüngere sein. Drohen ihnen die Impfstoffe wegzubrechen? Ein Dortmunder Immunologe schätzt die Lage ein.

Beim Coronavirus-Impfstoff von Astrazeneca stehen sie mittlerweile im Beipackzettel, beim zweiten Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson werden Sinusvenenthrombosen als mögliche seltene Nebenwirkung untersucht. In beiden Fällen haben jüngere Menschen wahrscheinlich ein höheres Risiko, betroffen zu sein. Letzteres gilt auch für Erkrankungen die nun vereinzelt nach Biontech/Pfizer-Impfungen aufgetreten sein sollen.

Medienberichte deuten darauf hin, dass in Israel nach der zweiten Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer in einzelnen Fällen Herzmuskelentzündungen aufgetreten sind – vornehmlich bei Männern unter 30.

Ob ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung besteht, ist noch völlig unklar, da es zu den berichteten Fällen bisher keine veröffentlichten Studien gibt. Betroffen sein sollen mehrere Dutzend Personen (laut dem Spiegel sind es gut 60) von rund 5 Millionen Geimpften.

Noch keine Daten zu möglichen Nebenwirkungen bei Biontech/Pfizer

Drei Impfstoffe, bei denen (mögliche) Nebenwirkungen vor allem bei jüngeren Menschen untersucht werden. Für einen davon, das Mittel von Astrazeneca, besteht in Deutschland bereits eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), ihn Menschen unter 60 Jahren nicht mehr zu verabreichen. Müssen sich Dortmunder und Dortmunderinnen unter 30 Sorgen machen, dass ihnen die Impfstoffe wegbrechen?

Professor Carsten Watzl ist mittlerweile wohl einer der bekanntesten Immunologen in Deutschland und arbeitet am Dortmunder Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. Er hält sich mit Aussagen zu den Berichten rund um Biontech/Pfizer zurück.

Bisher gebe es keine Daten, so sei noch nicht einmal klar, ob die Impfungen für die Erkrankungen verantwortlich sind. „Herzmuskelentzündungen sind nichts Ungewöhnliches, die können zum Beispiel auch nach Infektionen auftreten.“ Das müsse zunächst erforscht werden. Falls ein ursächlicher Zusammenhang erkannt würde, müsse dann geschaut werden, welche Personen gefährdet sind und welche Rolle zum Beispiel Vorerkrankungen spielen.

Impfangebot auch für Jüngere bis zum Spätsommer

In Bezug auf die Vektor-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson sieht Carsten Watzl allerdings ein mögliches Problem. „Wir werden ja bald die über 60-Jährigen nahezu alle geimpft haben, aber dennoch weiter Lieferungen von Astrazeneca und Johnson & Johnson bekommen.“

Sollten diese zum Beispiel für Menschen unter 60 nicht zugelassen werden, „könnte es uns passieren, dass wir zu wenig von den mRNA-Impfstoffen haben, um diese Leute schnell zu impfen.“

Wobei „schnell“ hier das entscheidende Wort ist. Denn Carsten Watzl ist sich sicher, dass auch die Altersgruppe unter 30 bald ein Impfangebot bekommen wird.

„Wir bekommen jetzt im zweiten und dritten Quartal relativ viel mRNA-Impfstoff.“ Im schlimmsten Fall dauere es bis zum Spätsommer, bis alle ein Impfangebot bekommen.

Und selbst dann, falls es auch bei Biontech/Pfizer Nebenwirkungen geben sollte, betont er, wie selten diese auftreten. „Wahrscheinlich ist der Weg zur Arbeit für die meisten gefährlicher.“

Ein starkes Immunsystem könnte ein Risikofaktor sein

Nun widerspricht es den sonstigen Erfahrungen in der Pandemie, dass durch Nebenwirkungen anscheinend vor allem Jüngere und damit tendenziell gesündere Menschen gefährdet sind. Auch dafür hat Professor Carsten Watzl allerdings eine mögliche Erklärung – zumindest in Bezug auf die Vektor-Impfstoffe.

Denn die dort aufgetretenen Sinusvenenthrombosen resultierten aus einer Art Überreaktion des Immunsystems. „Einige wenige Geimpfte bilden ganz spezielle Antikörper gegen ihre eigenen Blutplättchen und die lösen dann diese Erkrankung aus. Menschen mit einem sehr starken Immunsystem, das sind nun mal eher die Jüngeren und eher Frauen, sind davon eher betroffen.“

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Redaktion Dortmund
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