Dortmunder Arzt will Kind nicht gegen Grippe impfen

hzImpfung in Corona-Zeiten

Eigentlich wollte sich eine Dortmunder Familie gemeinsam gegen Grippe impfen lassen. Doch was folgte, waren viele Telefonate und steigende Frustration.

Dortmund

, 06.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grippe-Saison steckt in den Startlöchern. Gerade in Corona-Zeiten schrillen dann bei vielen die Alarmglocken. Wie gut, dass man sich mit einer Impfung vor dem Grippevirus schützen kann.

Also suchte eine Dortmunder Familie, die hier anonym bleiben möchte, nach einem gemeinsamen Impftermin. Was eigentlich nach einem einfachen Vorhaben klingt, wurde zu einem langen Ritt durch die Dortmunder Gesundheits-Institutionen. Das hatte jedoch auch seine Gründe.

Zunächst ging die dreiköpfige Familie zum Kinderarzt. Die Reaktion: „Die Erwachsenen kann ich impfen, aber der Fünfjährige gehört keiner Risikogruppe an, dafür ist zu wenig Impfstoff da, erstmal sind die anderen dran.“ Daraufhin wandte man sich an den Hausarzt. Der sagte genau das gleiche.

Impfung nicht für alle Bevölkerungsgruppen empfohlen

Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der Dortmunder Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, ordnet die gescheiterten Versuche ein: „In erster Linie sollen gegen das Grippevirus Menschen aus Risikogruppen, Menschen über 60 Jahren und Personen, die sehr viel Kontakt mit anderen haben wie Busfahrer oder Kassierer, geimpft werden. Ein gesunder 25-Jähriger muss sich beispielsweise nicht impfen lassen.“

So ähnlich argumentiert auch das Robert Koch-Institut. „Eine Influenza-Erkrankung bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Daher wird eine Impfung gegen Inflzenza nicht für alle empfohlen.“

Familie findet doch noch gemeinsamen Termin

Trotzdem wollte sich die Familie impfen lassen - und kontaktierte als nächstes die Krankenkasse. Diese antwortete, dass man da leider nichts machen könne - und verwies auf die Stadt. Das Gesundheitsamt entgegnete ebenfalls, dass man hilflos sei - und teilte mit, dass die Stadt keine zentrale Impfstelle mehr hat.

Jetzt lesen

Wobei es doch eine zentrale Möglichkeit gibt. Im Impfcentrum Dortmund im Klinikum Dortmund gibt es die Möglichkeit, sich eine Spritze gegen das Grippevirus abzuholen. Dort hat man sich zwar in erster Linie auf Schutzimpfungen vor Reisen spezialisiert, aber sämtliche andere Impfungen werden auch durchgeführt.

Auch die Dortmunder Familie wandte sich an das Impfcentrum und bekam dort schließlich einen Termin. Allerdings erst, nachdem man beim Kinder- und Hausarzt, bei Krankenkasse und Gesundheitsamt scheiterte.

Nicht zu früh impfen lassen

Doch muss es immer so kompliziert sein? Dr. Prosper Rodewyk beschreibt den einfachsten Weg so: „Am besten ruft man beim Hausarzt an und fragt, ab wann in der Praxis der Grippe-Impfstoff vorrätig ist. Dann macht man einen Termin und lässt sich impfen.“

In der Praxis von Rodewyk wird es beispielsweise eine „Impfwoche“ geben. „Zwischen dem 19. und 23. Oktober sind mehrere Mitarbeiter nur dafür zuständig, die angemeldeten Patienten zu impfen. Wir wollen damit die Anzahl an Patienten in der Praxis so gering wie möglich zu halten. Daher begrenzen wir die Impfungen auf einen Zeitraum“, erklärt der Arzt.

Das Interesse hat Impfungen gegen das Grippevirus hat - sicherlich auch durch Corona bedingt - bereits in den vergangenen Wochen zugenommen. Trotzdem rät Rodewyk dazu, sich nicht allzu früh impfen zu lassen. „Die Impfung hält etwa ein halbes Jahr an. Die Grippezeit endet etwa Ende März, daher beginnt jetzt erst die eigentliche Impfzeit.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt

In Zeiten der Corona-Pandemie empfehlen viele Experten eine Grippeschutzimpfung nicht nur für Risikogruppen. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt dafür?

Lesen Sie jetzt