In der „Corona-Edition“: So war der Trödelmarkt im Dortmunder Westpark

hzGeteilte Meinungen

Trödelmärkte, da ist immer viel los, ein Gedränge und Geschiebe. Eigentlich kein Konzept für die Corona-Zeit. Im Westpark versuchen sie es trotzdem. Kann das klappen?

von Paula Protzen

Kreuzviertel

, 12.07.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum ersten Mal seit dem Lockdown gibt es wieder einen Trödelmarkt in Dortmund: Am Sonntag (12.7.) gab es die „Corona-Edition“ des Trödels im Westpark. Für Händler wie Kunden Freude und Ärgernis zugleich.

Viele sagen, sie freuen sich darauf, einfach über den Markt zu schlendern – am Eingang aber werden sie ausgebremst. Ohne Zugangskontrolle geht es nicht. Bis zu 385 Besucher dürfen gleichzeitig auf dem Markt sein.

Schlau ist, wer online gebucht hat

Wer vorher online ein Ticket gekauft hat, darf direkt rein. Wer spontan kommt, muss lange Schlangen in Kauf nehmen. Über 90 Leute warten gleichzeitig an der Ritterhausstraße – und das ist nur einer von drei Eingängen.

Lange Warteschlange vor dem Eingang an der Ritterhausstraße

Lange Warteschlangen bildeten sich vor dem Trödelmarkt am Westpark. © Paula Protzen

Seit fünfzig Minuten würden sie hier stehen, berichtet eine dreiköpfige Familie. „Wir wollten mal raus an die frische Luft.“ Die lange Schlange trübt die Freude ein wenig.

Eingangskontrolle zum Trödelmarkt im Westpark

An der Eingangskontrolle zum Trödelmarkt im Westpark hinterlegen Besucher ihre Kontaktdaten. © Paula Protzen

„Normalerweise haben wir 10.000 Besucher, das haben wir jetzt auf 2.000 runtergedrückt“, erklärt Tobias Klotz von der AIG Westend. Deshalb die langen Wartezeiten. „Und dann spielt das Wetter auch noch gegen uns – oder für uns“, lacht er.

Jetzt lesen

Bei strahlendem Sonnenschein ist der Markt eine echte Sonntagsattraktion. Es ist deutlich leerer als sonst – auch auf Händlerseite. Rund 130 Stände sollen es sein, sagt Veranstalter Klotz.

Einer davon gehört Alicia Madloch. Die 29-Jährige ist Hobby-Trödlerin. „Alle halbe Jahr sortiere ich meinen Kleiderschrank aus. Da ist dann wieder Platz für Neues – leider! In der Hinsicht bin ich leider ein Kaufopfer.“

Stand von Alicia Madlock auf dem Trödelmarkt mit Klamottenund Taschen

Alicia Madloch (29) findet es schön, dass die Leute sich mehr Zeit an ihrem Stand nehmen. © Paula Protzen

Sonst stünde sie häufig im Westfalenpark, aber der Markt wurde abgesagt. „Ich bin froh, jetzt mal wieder die Chance zu nutzen.“ In einem Sommer würde sie sonst viermal auf dem Trödel stehen, sagt sie.

Kaufen tun die Leute auch auf der Corona-Edition gern

„Die Leute haben keine Scheu, hier rumzuwühlen.“ Durch die Zugangsbeschränkungen würden weniger kommen, das bemerke sie schon. „Dafür können sie in Ruhe schlendern, bleiben länger stehen und nehmen sich Zeit.“

Wie viel Geld sie eingenommen hat? „Ich tue mich super schwer, das einzuschätzen. Normalerweise sind es ein paar hundert Euro.“ Drei Stunden vor Ende ist sie zufrieden mit ihrem Stand. Etwa ein Drittel habe sie verkauft, die Hälfte würde sie am Abend gern los sein.

Der Kassensturz wird‘s zeigen

Andere sind da kritischer. „Es ist okay“, sagt Michael Paule, der mit seiner Frau zusammen einen Stand betreibt. „Sonst kommen Hunderte. Wir waren letztes Jahr auch hier, da war alles voll.“ Das merkt er auch in seiner Kasse: Bisher hat er knapp 100 Euro eingenommen. „Das ist sonst schon ein Fünfziger mehr.“

Trödeln öfter: Margarete und Michael Paule hinter ihrem Stand.

Margarete (60) und Michael Paule (48) haben ein breites Angebot an Waren. © Paula Protzen

So sieht es auch Trödel-Profi Long Josh Silver. Den Künstlernamen hat er sich selbst gegeben, eigentlich heißt der 52-jährige Joshua. „Das Geld ist nicht so flüssig, auch die Preise werden weiter gedrückt.“ Auf anderen Märkten seien die Standpreise sogar höher als vorher, hier in Dortmund zum Glück nicht.

Long Josh Silver nennt sich so, weil er einen Piraten_Dreispitz auf dem Kopf trägt.

Long Josh Silver (52) ist professioneller Antiquitätenhändler. © Paula Protzen

Veranstalter Klotz ärgert sich über Park-Personal

Auf dem Gelände gilt das Abstandsgebot und eine Maskenpflicht, für die Händler aber nur im Verkaufsgespräch. In der Praxis klappt das nicht immer. Einige Händler setzen die Maske auch im Gespräch mit Kunden nicht auf.

„Der Sicherheitsdienst macht es ja wunderbar vor“, ärgert sich Klotz. Die vierköpfige Truppe schlendert über das Gelände – nicht alle haben ihre Maske aufgesetzt.

Positive Bilanz am Ende des Tages

Er ist dennoch zufrieden mit dem Ablauf. „Vor allem unsere Besucher wollen wir loben, dass das so gut geklappt hat mit den Masken. Da hatten wir vorher große Bedenken.“ Am Ende des Tages zieht er eine positive Bilanz: „Die Leute waren tatsächlich mehr zum Kaufen da als für die Freizeit.“

Jetzt lesen

Am 23. August ist der nächste Trödelmarkt geplant. Mit den Erfahrungen des ersten Marktes soll dann der Einlass reibungsloser ablaufen.

Lesen Sie jetzt