„Inkompetent“: Politiker verrennen sich bei U-Bahn-Weiterbau

hzBaustellen in Dortmund

Es geht um den öffentlichen Nahverkehr, um den Weiterbau der U49 aus Richtung Hacheney - und um ein Grundstück. Die Aplerbecker Politik hatte dazu eine Idee - es war eine Schnapsidee.

Berghofen

, 12.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einer der Hauptgründe, die Stadtbahn U49 in Richtung Berghofen weiterbauen zu können, ist ein Wendeplatz, also eine Art Endhaltestelle. Dieser Platz schien für die Mitglieder der Bezirksvertretung in Aplerbeck an der Berghofer Straße wie auf dem Präsentierteller zu liegen: Am Kreisverkehr an der Busenbergstraße, gegenüber der katholischen Kirche.

Also stellten die Mitglieder der Bezirksvertretung in Aplerbeck einen Prüfauftrag. Eine Anfrage an die Verwaltung der Stadt Dortmund sollte klären, ob es möglich sei, die Stadtbahn bis auf jenes Grundstück bauen zu können.

Die Verwaltung kann die Anfrage wohl vergessen

Diesen Prüfauftrag kann die Verwaltung nun getrost in den Papierkorb werfen. Denn das besagte Grundstück, das seit Mitte der 70er-Jahre als kostenloser Parkplatz für die Berghofer zur Verfügung steht, gehört immer noch der Katholischen St. Joseph Gemeinde.

Zurzeit ist der Parkplatz geschlossen. In einem Jahr soll er den Bürgern wieder zur Verfügung stehen.

Zurzeit ist der Parkplatz geschlossen. In einem Jahr soll er den Bürgern wieder zur Verfügung stehen. © Jörg Bauerfeld

Und vor allem der Vorstand ist aus allen Wolken gefallen, als er von der Idee der Aplerbecker Politik hörte. „Ich dachte zuerst, heut ist der 1. April“, sagt Ernst Müller Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes in St. Joseph.

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Vor allem, da zurzeit direkt an dem Grundstück an der Busenbergstraße gebaut wird. Ein l-förmiger Anbau an ein Haus, das ebenfalls der Gemeinde gehört. „Das hätte doch jemand aus der Politik wissen müssen. Ich bin fassungslos, dass die Politik so inkompetent ist“, so Müller. Er habe nach der Nachricht sofort zum Hörer gegriffen und mit dem Bauamt telefoniert.

Auf dem Gelände wird ein „Zentral-Office“ entstehen

Denn hier entsteht ein „Zentral-Office“ für den Pastoralverbund am Phoenixsee, zu dem auch die St. Joseph-Gemeinde in Berghofen gehört. Unterkommen werden dort unter anderem die Gemeindereferenten aus den sechs Gemeinden des Pastoralverbundes.

Zudem erhält der neue Anbau einen barrierefreien Zugang mit einer entsprechenden Rampe.

Lkw und Busse müssen hier draußen bleiben.

Lkw und Busse müssen hier draußen bleiben. © Jörg Bauerfeld

„Auch der Parkplatz wird im Anschluss saniert. Der wird dann wieder für die Berghofer Bürger zur Verfügung stehen“, sagt Müller. 34 Parkplätze werden es später sein, die natürlich auch von der benachbarten Grundschule und dem Kindergarten genutzt werden kann.

„Es ist ein Dorfparkplatz und soll auch weiter einer sein“, sagt der Geschäftsführer der Gemeinde. Und das, obwohl die Gemeinde und das Erzbistum Paderborn an dieser Stelle richtig Geld in die Hand nehmen.

Es wird weiter kostenlos geparkt werden können

Zurzeit müssen die Berghofer aber gut ein Jahr auf das kostenlose Parken an der Busenbergstraße verzichten. Das liegt an Bauarbeiten auf dem Gelände.

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Aber wie kamen die Mitglieder der Bezirksvertretung überhaupt auf die Idee mit dem Prüfauftrag? „Wir haben nicht gewusst, dass das Grundstück der Katholischen Gemeinde gehört“, sagt ein zerknirschter Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel (SPD).

Weiterbau der U49 jetzt nicht mehr wahrscheinlich

Damit sei der Weiterbau der U49 wohl nicht durchzuführen. Aber man wolle weiter an dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs arbeiten, denn das sei einfach wichtig für den gesamten Stadtbezirk - dann aber vermutlich mit besseren Informationen vorab.

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