„Inzucht“: Weiterbau der Brackeler Straße hätte schlimme Folgen

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Die frühere Biologie-Lehrerin Beate Preckwinkel beobachtet seit Jahrzehnten, dass die Artenvielfalt am Brackeler Feld leidet – nicht nur für die Natur hätte der Weiterbau negative Effekte.

Brackel

, 14.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum geplanten Weiterbau der L663n, der Brackeler Straße, haben sich schon viele verschiedene Menschen zu Wort gemeldet. Es gibt aber auch andere Lebewesen, die unmittelbar vom Bau betroffen wären, aber ihre Meinung dazu nicht sagen können: Die im Brackeler Feld lebenden Tiere und die Natur im Allgemeinen.

„Wenn die Straße gebaut werden sollte, würden immer mehr Tierarten aussterben“, sagt Beate Preckwinkel, als sie auf das Brackeler Feld sieht. „Ich persönlich bin erschreckt von der Entwicklung in diesem Gebiet in den vergangenen 30 Jahren.“

So sah das Brackeler Feld aus, als das erste Teilstück der L663n im Jahr 1993 gebaut wurde. Der geplante Weiterbau der Brackeler Straße würde der Lebensraum der Tiere weiter einschränken.

So sah das Brackeler Feld aus, als das erste Teilstück der L663n im Jahr 1993 gebaut wurde. Der geplante Weiterbau der Brackeler Straße würde der Lebensraum der Tiere weiter einschränken. © Beate Preckwinkel

Preckwinkel, die Biologie-Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel war und sich deswegen mit der Natur auskennt, beobachtet das Artensterben im Brackeler Feld schon seit Jahrzehnten.

„Früher gab es hier noch Rehe, Feldhasen oder Rebhühner. Auch Vögel wie Eulen, Lerchen oder Kuckucke habe ich hier lange nicht mehr gesehen“, sagt Preckwinkel, die auch Grünen-Politikerin ist. Sie wohnt in der Nähe des Brackeler Feldes und fährt dort oft Fahrrad oder geht spazieren.

Tierpopulationen werden isoliert

Begonnen habe der Rückgang der Tiere, als im Jahr 2000 das Stück der Brackeler Straße zwischen Brackel und dem nördlichen Asseln eröffnet wurde. Damit sei die Grünfläche am Brackeler Feld laut Preckwinkel das erste Mal in kleinere Gebiete aufgeteilt worden.

„Viel Natur ist dem Bau nicht zum Opfer gefallen, aber die Straße wurde zu einer für viele Tiere unüberwindbare Grenze“, sagt die 68-Jährige.

„Tiere können die Straße nicht überqueren und werden von anderen Populationen isoliert.“ In der Biologie werde dieser Prozess „Verinselung“ genannt.

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Dieser Prozess habe zur Folge, dass der biologische Gen-Austausch nicht mehr möglich und die Vermehrung nur noch innerhalb einer Population möglich sei. „Unter Menschen wird das Inzucht genannt“, sagt Preckwinkel. Bei Tieren führe die „Verinselung“ zum Aussterben der Tierarten.

Ganz links ist der im Jahr 2000 fertiggestellte Teil der L663n zu sehen. Auf Höhe der Strommasten soll die Brackeler Straße weiter verlängert werden.

Ganz links ist der im Jahr 2000 fertiggestellte Teil der L663n zu sehen. Auf Höhe der Strommasten soll die Brackeler Straße weiter verlängert werden. © Tobias Larisch

Durch den geplanten Weiterbau der L663n würde das Brackeler Feld in noch mehr „Kleinlebensräume“ geteilt werden. „Die Befürworter des Baus argumentieren damit, dass die Naturschutzgebiete ja erhalten bleiben würden“, sagt Preckwinkel. „Die Tiere leiden durch die Einengung ihres Lebensraums aber trotzdem.“

Nicht nur für die Natur habe der Eingriff negative Folgen.

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„Der Bau zerstört auch die Frischluftschneise, die gut für das Stadtklima ist.“ Preckwinkel selbst würde die Auswirkungen für die Natur wahrscheinlich nicht mehr mitbekommen, aber spätere Generationen schon.

„Feuer mit Feuer bekämpfen“

„Anstatt die Probleme immer nur von einem zum anderen Ort zu verschieben, muss generell etwas gegen zu viel Verkehr getan werden“, sagt Preckwinkel. „Eine neue Straße zu bauen, ist wie Feuer mit Feuer zu bekämpfen.“

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