In diesem Haus an der Johanna-Melzer-Straße wurde am Samstag (13.11.) eine männliche Leiche gefunden. © Thomas Thiel
Nach Leichenfund in Nordstadt

Ist das „Ekel-Haus“ einsturzgefährdet? Stadt hat erste Erkenntnisse

In dem „Ekel-Haus“ in der Nordstadt, in dem ein Obdachloser tot aufgefunden worden war, gab es ungenehmigte Umbauten. Ist es einsturzgefährdet? Das hat die Bauaufsicht inzwischen geprüft.

Nach dem Fund eines toten Obdachlosen am 13. November in einem leerstehenden Haus an der Johanna-Melzer-Straße in der Nordstadt nimmt die Stadt Dortmund das Gebäude nun strenger in den Blick.

Anlass dafür ist nicht nur die Tatasche, dass es immer wieder zu Einbrüchen in das offensichtlich nicht ausreichend gesicherte Gemäuer kommt. Mehrfach gab es Beschwerden über Müll und Ratten im und am „Ekel-Haus“.

Bei einem Feuerwehr-Einsatz in dem Gebäude fiel außerdem auf, dass dort offenbar mit Entkernungsarbeiten begonnen worden war. Für diese Aufnahme liege die erforderliche Baugenehmigung nicht vor, betätigte Stadtsprecher Christian Schön.

Weil offenbar Eingriffe in die Tragstruktur erfolgt seien und die Bausubstanz auch unter Wettereinfluss gelitten habe, gab es Sorgen um die Stabilität. Denen ist die Bauaufsicht inzwischen nachgegangen.

Keine akute Einsturzgefahr

Die wichtigste Erkenntnis: „Die Prüfung durch die Bauaufsicht hat ergeben, dass die statische Situation im Gebäudeinneren nicht so ist, dass ein Einsturz befürchtet werden muss“, teilte Christian Schön auf Anfrage mit. Als Sicherungsmaßnahme wurde angeordnet, dass „das Gebäude wieder sachgerecht und zutrittssicher verschlossen werden muss“. Das habe der Eigentümer auch zugesagt.

Besprochen sei auch, das Haus nach den zahlreichen Einbrüchen im Laufe dieses Jahres genauer im Blick zu behalten. „Die Stadt wird das ebenfalls weiter beobachten und bei Anlass erneut tätig“, so Schön.

Eigentümer legte Um- und Ausbaupläne für Haus vor

In den vergangenen Jahren hatte das Haus mehrere Eigentümerwechsel erlebt, den letzten erst Ende 2020. In diesem Zusammenhang hatte die Stadt auch ein Vorkaufsrecht geprüft. Der neue Eigentümer konnte aber das Vorkaufsrecht durch das Vorlegen konkreter Sanierungspläne abwenden.

„Die Pläne sehen den Um- und Ausbau des Mehrfamilienhauses vor“, berichtete Christian Schön auf Nachfrage. „Ein entsprechender Bauantrag wurde eingereicht und wird im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt geprüft.“

Statische Prüfung wichtig

Dass die ungenehmigten Umbauarbeiten nach Beobachtungen von Nachbarn bereits vor zwei Jahren und damit vor dem Eigentümerwechsel stattgefunden haben, soll keine weiteren Konsequenzen haben.

„Die Frage, wer die Entkernung zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Beweggründen begonnen hat, ist kaum noch zu klären“, erklärt Schön. Sie spiele aber ohnehin keine Rolle mehr, denn die jetzigen Eigentümer müssten im laufenden Bauantragsverfahren den statischen Nachweis zu dem Gebäude in seinem jetzigen Zustand erbringen. „Die Baugesetzgebung fragt nicht nach Verursachenden“, so Schön.

Dortmund-Nordstadt: In diesem verfallenen Haus an der Johanna-Melzer-Straße fand die Polizei am Wochenende eine stark verweste Leiche.
In diesem verfallenen Haus an der Johanna-Melzer-Straße fand die Polizei am Wochenende eine stark verweste Leiche. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Hinweisen von Anwohnern oder anderen gehe die Bauaufsicht ebenso nach wie das Ordnungsamt. Angeordnete Sicherungsmaßnahmen der Bauaufsicht beschränkten sich üblicherweise aber auf ein ausreichendes Verschließen des Gebäudes. Erst bei akuter Einsturzgefahr, die aktuell nicht bestehe, werde mehr abgesperrt als nur das Gebäude selbst.

Die Prüfung und Genehmigung des aktuell vorliegenden Bauantrags stehe unter der Maßgabe, dass die Standsicherheit vorsorglich nachgewiesen werden kann. „Also erst die Statik, dann das Bauen“, so Schön.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.