Jazz mit Worten

Nach der Kontraste beim LesArt.Festival:

von Von Julia Gass

, 04.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Der Kontrast hätte in der traditionellen „Performer“-Nacht beim 8. Literaturfestival „LesArt“ im domicil kaum größer sein können: „Extrem-Reading“ würden junge Wilde wohl die Musik-Text-Collage von Michael Lentz und der Axel Kühn-Band nennen. Geradezu klassisch mutete im Anschluss daran die Lesung vom auch nicht gerade zahmen Saxophonisten, Autor und Performer Heinz Strunk an. Er war eingesprungen für das Duo Grissemann und Stermann, das dem Festival in acht Jahren die erste Absage beschert hatte. Das Wort stellten Lentz und die vier Musiker zugunsten von Klängen und Geräuschen, die oft nah am Krach balancierten, zurück. Seine Schnellsprecher-Stimme führte Lentz in diesen Collagen wie ein Instrument. Hard Jazz begleiteten die extremen Sprechakte. Dass die Stimme von Effektgeräten oft verzerrt klang, machte das Textverständnis nicht leichter. Schöne Ruhepole waren die Sprech-Balladen oder die a cappella-Variationen eines Satzes von Georg Büchner.

Auch Heinz Strunk machte aus der Lesung aus seinem Bestseller „Fleisch ist mein Gemüse“ eine Performance, allerdings deutlich leiser, mit verschiedenen Lese-Tempi und kleinen Einlagen. Geschichten aus dem Musiker-Leben erzählte der Humorist im pinkfarbenen Paulchen-Panther-Sakko – und würzte die schrägen Schicksale einer Tanzband-Karriere mit viel Humor. Mit den Musikern hat der Autor Heinz Strunk eines gemeinsam: „Der schlimmste Fall für uns alle ist das Frösteln unter einer zu dünnen Eigenkapitaldecke“, ermunterte er die begeisterten Besucher, sein Buch zu kaufen. – Eine lange Nacht, die selbst so abwechslungsreich war wie das schillernde Festival insgesamt.

„LesArt“ ging Sonntagabend mit der Verleihung des „Preises der Jungen Literatur“ und Gerd Dudenhöffer zu Ende – die Besprechung folgt.

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