Jeder kann ein Teil von Yoko Onos Kunstwerk werden

hzDortmunder U

In einem Container stellt die Witwe des Beatles John Lennon ein Flüchtlingsboot aus. Doch damit ist das Kunstprojekt noch lange nicht beendet.

Dortmund

, 19.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein großer Container direkt vor dem Dortmunder U, darin ein Holzboot, ein Segel und viele weiße Wände, auf die mit blauer Farbe einige Schriftzüge gemalt wurden.

Daran, dass die Anzahl dieser Slogans in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen wird, dürfte aber kein Zweifel bestehen. Denn bei dem Kunstprojekt vor dem U handelt es sich um ein Werk Yoko Onos, der weltberühmten Künstlerin und Witwe des ermordeten Beatles John Lennon.

Mit „Add Color (Refugee Boat)“, zu Deutsch: „Füge Farbe hinzu (Flüchtlings-Boot)“, weist die japanisch-amerikanische Kunst- und Popikone einerseits auf das Leid der Menschen hin, die vor Kriegen und Unterdrückung fliehen, um andererseits die Journalisten-Ausbildung in Dortmund zu unterstützen.

Blau wie der Ozean

Anlass ist eine Tagung des Erich Brost Instituts für Internationalen Journalismus an der TU Dortmund: Zahlreiche Journalisten aus Afrika und Europa diskutieren dabei über die Berichterstattung zu Migration und Flucht - und malten bereits am Donnerstag (17.10.) Schriftzüge an die Wände. Auf Wunsch Yoko Onos übrigens ausschließlich in blauer Farbe: „Wie der Ozean.“

Elke Gilenberg und ihre Schwester Ilona Meckler gehören am Freitagvormittag zu den ersten (nichtjournalistischen) Gästen, die den Container unter die Lupe nehmen.

Jeder kann ein Teil von Yoko Onos Kunstwerk werden

Auch die Fenster des Containers wurden bemalt: "Refugees welcome". © Michael Schuh

Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. „Sicherlich spielt auch die Flüchtlingsproblematik eine Rolle“, sagt die aus Stuttgart angereiste Meckler, „aber für mich lautete das Stichwort vor allem: Yoko Ono. Sie ist ein Begriff; nicht zuletzt, weil ich in einem Alter bin, in dem man sie kennt.“

Sagt‘s, greift zu einem Glas voll blauer Farbe und malt mit einem Pinsel „Alle sind Ausländer - in den meisten Ländern“ an die Wand und auf die Bootsplanken. Das Leid der Flüchtlinge scheint ihr also doch unter die Haut zu gehen.

Mit der Thematik beschäftigen

Für Schwester Elke Gilenberg spielt der politische Aspekt ohnehin die zentrale Rolle. Sie engagiert sich im Sprachcafé und hat einen ihr bekannten Syrer eingeladen, dem Container doch ebenfalls einen Besuch abzustatten.

Ob ein Projekt wie vor dem U den Flüchtlingen tatsächlich etwas bringt? Gilenberg ist skeptisch: „Den Geflüchteten wahrscheinlich nicht. Aber Yoko Ono durchaus.“

Nichtsdestotrotz erkennt sie auch abseits der künstlerischen Seite die positiven Aspekte der Aktion: „Hier kommen auf jeden Fall Menschen hin, die sich mit der Thematik Flucht auseinandersetzen.“

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