Jobsuche mit Plakaten: Arbeitsloser Dortmunder (57) gibt nicht auf

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Thomas Kurth (57) hat im April mit großen Plakaten in der Innenstadt für sich selbst geworben – eins hängt auch im Juli noch. Jetzt hat der Arbeitslose nochmal in die Trickkiste gegriffen.

Dortmund

, 24.07.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Große Aufmerksamkeit erzielte Thomas Kurth aus Kirchhörde im April. Mit drei großen Plakaten in der Dortmunder Innenstadt suchte der arbeitslose 57-Jährige nach einem Job. Eines der drei Plakate, am Stadtgarten (Prinzenstraße / Wißstraße), hängt auch drei Monate später noch.

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Das Besondere: Eigentlich sollten die Plakatwände nur zehn Tage hängen. Vom 17. bis zum 27. April waren die Flächen angemietet. Die anderen beiden hingen gegenüber dem WDR (Ardeystraße / Gersdorffstraße) und neben Karstadt in der Kolpingstraße. Sie sind inzwischen verschwunden.

Jobsuche ist bisher erfolglos

Doch am Stadtgarten ist es weiter zu sehen, das Plakat mit der weißen Schrift auf rotem Grund, mit der gehörigen Portion Selbstbewusstsein und Selbstironie und dem großen Foto von Thomas Kurth.

Warum genau sein eigenes Antlitz auch im Juli noch von der Wand im Schatten des Dortmunder Rathauses hinunterblickt, weiß Thomas Kurth auch nicht genau.

Das Plakat von Thomas Kurth am Stadtgarten hängt auch im Juli (aufgenommen am 22.7.) noch, obwohl die Fläche nur bis zum 27. April angemietet war. Mittlerweile ist es etwas in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das Plakat von Thomas Kurth am Stadtgarten hängt auch im Juli (aufgenommen am 22.7.) noch, obwohl die Fläche nur bis zum 27. April angemietet war. Mittlerweile ist es etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. © Wilco Ruhland

Darüber beschweren will er sich aber nicht. Im Gegenteil: „Es ist schön, dass das noch hängt“, sagt der 57-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Denn bislang habe sich bei der Jobsuche leider noch nichts ergeben – trotz all der Mühen und der Aufmerksamkeit.

Immerhin hatten zahlreiche Medien über seine Aktion berichtet, und sein Facebook-Post war vielfach geteilt worden. Darum hält er auch nicht hinter dem Berg damit, dass er sich von der Aktion etwas mehr Erfolg erhofft hätte.

„Ich bin nicht so vermessen zu sagen, dass das nur an Corona liegt“, meint er. Immerhin hatte er die Aktion im April bewusst nicht verschoben. Einfacher mache die Pandemie die Jobsuche aber auch nicht unbedingt. „Die Unternehmen sind momentan extremst vorsichtig bei Neueinstellungen“, sagt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann.

Mit 57 falle man häufig direkt „durchs Raster“

Vor allem sei ihm wichtig, die Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu erhalten. „Und dann muss ich mich beweisen – aber das kann ich“, sagt er selbstbewusst.

Denn das zweite Problem sei sein Alter. Mit seinen 57 Lebensjahren falle man schnell direkt „durchs Raster“. Verteufeln tut er die Firmen dafür nicht. „Ich kenne die Gesetze des Marktes“, sagt er. „Ich habe dafür Verständnis – das bringt mich nur nicht weiter, ich brauche einen Job.“ Aus den zwei Gesprächen, die er mittlerweile hatte, habe sich nichts ergeben.

„Würde es genauso wieder machen“

Seit dem 1. Dezember vergangenen Jahres ist der Kirchhörder arbeitslos. Zuletzt war er Teamleiter im internationalen Vertrieb eines Maschinenbauunternehmens.

Dann folgte die betriebsbedingte Kündigung – seine Stelle wurde eingespart. Also entwickelte er seine Plakat-Idee gemeinsam mit Freunden, dem Arbeitsamt und dem Weiterbildungsinstitut WbI.

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„Ich würde es genau so wieder machen“, sagt er. Der positive Zuspruch sei ungebrochen – bis heute habe er erst eine negative Rückmeldung in den sozialen Medien erhalten.

Genauso ungebrochen ist seine Hoffnung. „Wenn ich jetzt aufgeben würde, wäre alles umsonst gewesen“, sagt er. „Das wird schon alles noch, man muss sich weiter im Spiel halten und Geduld haben“.

Der erneute Griff in die Trickkiste

Momentan sei die Suche allerdings besonders schwierig. Neben der Corona-Pandemie komme noch der Sommer hinzu, wo es weniger Stellenanzeigen gebe und auch Initiativ-Bewerbungen wenig Sinn machen würden. Nach den Sommerferien will er wieder richtig loslegen.

Dafür hat er noch einmal in die Trickkiste gegriffen – „man muss kreativ bleiben“, sagt er. Gemeinsam mit dem WbI hat er ein Video erstellt, in dem er sich sich Firmen vorstellt. Den Link dazu will er den Bewerbungen anfügen.

„Das mitzuschicken schadet nicht“, meint er. „Das Video spiegelt mich wider, ich wollte authentisch bleiben“, sagt Thomas Kurth. Das ist von Anfang an seine Strategie: authentisch bleiben.

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