Geprägt von Joseph Beuys und Bazon Brock: Der Garten von Jordanka Hahner

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Vor dreieinhalb Jahren ergatterten Jordanka Hahner und ihre Familie eines der letzten Grundstücke im Erdbeerfeld. Bevor es an die Gestaltung des Gartens ging, machten sie sich viele Gedanken.

Mengede

, 13.09.2020, 14:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Kommunikations-Designerin Jordanka Hahner (68) hat Kunst immer eine große Rolle gespielt: im Studium, im Beruf, im Diskurs mit anderen Kreativen.

Als besonders prägende Erlebnisse erinnert Jordanka Hahner die Aktion „7000 Eichen“ von Joseph Beuys und ihr Studium bei dem Ästhetik-Professor Bazon Brock in Wuppertal.

Trotz intensiver Pflege zeigen die Blüten die Spuren des Dürre-Sommers.

Trotz intensiver Pflege zeigen die Blüten die Spuren des Dürre-Sommers. © Holger Bergmann

Mit „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ setzte der Aktions-Künstler Joseph Beuys in der Stadt Kassel eine im Jahr 1982 revolutionäre Idee um: Bäume in Städten pflanzen, an Straßen und vor Gebäuden: „Das war eine Idee, ein Stadtbild mit Grün zu prägen.“

Rebstock ist die edelste Pflanze

Der zweite prägende Einfluss für Jordanka Hahner kam von Bazon Brock, Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. „Der kam eines Tages in ein Seminar“, erinnert sie sich. „Er hielt einen Rebstock in der Hand und sagte, das sei die edelste Pflanze der Welt.“

Die Weinstöcke sind noch ganz jung. Eines Tages aber sollen sie eine Gartenlaube umranken.

Die Weinstöcke sind noch ganz jung. Eines Tages aber sollen sie eine Gartenlaube umranken. © Holger Bergmann

Der Professor regte die Diskussion seiner Studenten mit der These an, dass es der Durst nach Wein war, der den Menschen vor Urzeiten dazu brachte, sesshaft zu werden. Deshalb habe der Wein die Entwicklung der menschlichen Kultur entscheidend voran gebracht.

Eine Laube aus Weinranken

Selbstverständlich wachsen deshalb in Jordanka Hahners Garten an der Sanitätsrat-Hallermann-Straße Bäume und Weinstöcke. Alle Pflanzen sind noch jung, doch die Bäume werden eines Tages Obst tragen und der Wein soll ein Gerüst hochranken und so vielleicht schon in zwei Jahren eine Laube bilden.

Bei ihrer Blumenauswahl hat Jordanka Hahner auch auf Farbenvielfalt geachtet.

Bei ihrer Blumenauswahl hat Jordanka Hahner auch auf Farbenvielfalt geachtet. © Holger Bergmann

Dem Garten schreibt Jordanka Hahner gleich mehrere Aufgaben zu. Einerseits ist es der Spielplatz ihrer Enkel. Aber er soll auch Ausgleich für die vom Menschen versiegelten Flächen sein und darf die ein oder andere Frucht produzieren.

Grundstück speziell ausgewählt

Die Blumen sind ausgewählt, um Bienen Nahrung zu bieten. Und weil es vor allem die Nektar bildenden Pflanzen sind, deren Blumen besonders duften, haben auch die Menschen etwas davon, denkt sich Jordanka Hahner.

Dicht an dicht stehen die Blumen im Vorgarten von Jordanka Hahner.

Dicht an dicht stehen die Blumen im Vorgarten von Jordanka Hahner. © Holger Bergmann

Der Wunsch nach einem Leben zwischen lauter Grün gab seinerzeit auch den Ausschlag, das Grundstück in Mengede zu kaufen. Das liegt nämlich genau an der Ausgleichsfläche der Siedlung Erdbeerfeld. Dadurch wirkt der Garten gleich nochmal so groß.

Zum Gesamtkonzept des Gartens als Unterstützung für die Natur gehört auch der Vorgarten. Während es hinterm Haus auch Rasenflächen gibt, wird im Vorgarten jeder Zentimeter für Blumen genutzt.

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Von ihren Nachbarn und Freunde bekommt Jordanka Hahner gemischte Rückmeldungen zu ihrem Garten: „Viele sind nicht bereit, ihre Freizeit in den Garten zu investieren“, sagt die Gärtnerin: „Sie verstehen nicht: Gartenarbeit ist Freizeit.“

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