Jugendliche leben in einer Wohngemeinschaft zwischen Party-Spaß und Selbstmord

hzKinder- und Jugendtheater

Die Jugendklub-Produktion „Auerhaus“ im Kinder- und Jugendtheater erzählt von Freundschaft, Liebe, Eifersucht und vom Tod. Denn einer aus der Wohngemeinschaft hat versucht, sich umzubringen.

von Britta Helmbold

Dortmund

, 29.02.2020, 22:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die jugendliche Wohngemeinschaft (WG) zum ersten Mal in der Küche zusammensitzt, läuft das Lied „Our house in the middle of the street“ - und deshalb nennen sie das Haus, in dem einst Frieders Opa lebte, Auerhaus. Der Name des Gebäudes ist auch der Titel des Romans von Bov Bjerg, von dem Robert Koall eine Bühnenfassung erstellte, die am frühen Samstagabend im Kinder- und Jugendtheater (KJT) umjubelte Premiere feierte.

Und es war eine besondere Premiere, denn nicht das professionelle KJT-Ensemble, stand auf der Bühne an der Sckellstraße, sondern sechs Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren des KJT-Jugendklubs. Inszeniert haben den abwechslungsreichen Abend mit dem spielfreudigen Ensemble für Zuschauer ab 14 Jahren die Dramaturginnen Milena Kowalski und Lioba Sombetzki.

Umsonst einkaufen im Supermarkt

Die WG der fünf jungen Leute entstand, weil einer von ihnen einen Selbstmordversuch hinter sich hatte, Frieder. Später stößt noch der Elektriker-Azubi Harry zu ihnen. Nun versuchen sie gemeinsam, das Leben zu meistern, das Abi zu schaffen... - und vor allem Frieder vor einem weiteren Selbstmordversuch zu bewahren.

Sie spielen Alltag, erzählen vom Miteinander, feiern ausgelassen Partys, sind eifersüchtig, streiten, kochen (Zaziki mit ganz viel Knoblauch) und müssen bei knapper Haushaltskasse schon mal klauen gehen (Frieder nennt es umsonst einkaufen). Ein Meister darin ist Frieder, und auch Vera hat da Erfahrung, gemeinsam üben sie den Diebstahl im Supermarkt mit Höppner.

Engagiert agierendes Sextett

Ausstatterin Theresa Mielich hat ihnen dazu reichlich Requisiten auf die Bühne gestellt, eine Batterie von weißen Klappstühlen, aus denen schon mal ein Klassenzimmer gebaut wird, und unzählige Pappkartons inklusive Inhalt, der sich vielfältig nutzen lässt. Die gut einstündige Inszenierung wechselt zwischen Dialogen und erzählten Passagen - und die Spielszenen werden durch muntere Choreografien ergänzt.

Die engagiert agierenden Laien-Spieler treiben jugendlichen Schabernack. So fällt Frieder den Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz mit der Axt, die ihm einst das Leben rettete. Denn nach diesem Werkzeug suchte sein Vater im Keller, als er seinen mit Tabletten vollgepumpten Sohn fand. Doch die Nummer mit der Spielzeug-Pistole wird ihnen zum Verhängnis...

Höppner träumt davon, was aus ihnen hätte werden können. Doch die Realität sieht für einige von ihnen weniger rosig aus. Pauline sitzt wegen Brandstiftung für zehn Jahre im Knast, Höppner geht putzen - und Frieder hat sich umgebracht.

Die nächsten Termine

Weitere Vorstellungen gibt es am 7. März, 20 Uhr, und am 8. März, 18 Uhr, 20. Mai, 19 Uhr, im KJT an der Sckellstraße. Karten: Tel. 502 72 22. www.theaterdo.de

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