Junges Paar erweckt alte Schule zu neuem Leben – Geschichte(n) gesucht

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Es ist ein richtig altes Haus, in das sich ein junge Paar verliebt hat. Jetzt sucht das Paar Menschen, die wissen, wie es früher an der Bittermarkstraße aussah, um Geschichte zu bewahren.

Bittermark

, 25.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man schrieb das Jahr 1873, als dieses Haus gebaut wurde. Dessen Zustand im Jahr 2020 würde andere vielleicht eher verzweifeln lassen, Inga Reimers und Linus Weber ist die Freude, über das, was sie sehen, anzumerken.

Dass sie ordentlich werden anpacken müssen, ist für sie nicht nur kein Problem, sondern einfach ein gutes Gefühl, so etwas selbst zu schaffen.

Hier in der Bittermarkstraße steht das alte Schulgebäude (rechts) mit der Hausnummer 62.

Hier in der Bittermarkstraße steht das alte Schulgebäude (rechts) mit der Hausnummer 62. © Britta Linnhoff

Das, was sie schaffen wollen, bedeutet aus der alten Schule an der Bittermarkstraße 62 einen Wohntraum zu machen. Die Voraussetzungen sind gut: altes, dickes Sandsteingemäuer, Fachwerk im Obergeschoss, Holzböden, ein alter Kachelofen und, und, und.

Das Paar hat sich regelrecht in dieses Haus verguckt: Eigentlich sei der Zustand top. Dieses Haus habe immerhin zwei Kriege überstanden.

Allein die alte Eingangstür ist ein Schmuckstück.

Allein die alte Eingangstür ist ein Schmuckstück. © Britta Linnhoff

Vieles von den schönen alten Dingen werden die beiden jungen Leute erstmal freilegen müssen. Die Vorbesitzer, ein älteres Ehepaar, hatten es schön hier. Aber anders schön - Mode und Geschmack haben sich über die Generationen verändert.

Inga Reimers hat die alte Dame, die gemeinsam mit ihrem Man hier Jahrzehnte gewohnt habe, ins Herz geschlossen: „Eine ganz tolle Frau“, erzählt Inga Reimers. Die 91-Jährige sei Lehrerin gewesen - aber nicht an dieser Schule, die hier einmal war.

Hinter den vormals verkleideten oder verputzen Wänden kommt das alte Sandsteingemäuer wieder ans Tageslicht.

Hinter den vormals verkleideten oder verputzen Wänden kommt das alte Sandsteingemäuer wieder ans Tageslicht. © Britta Linnhoff

Seit August haben die neuen Besitzer den Schlüssel

Im Juli hat die 33-Jährige das Haus von der 91-Jährigen gekauft, deren Ehemann in der Zwischenzeit gestorben sei. Seit August haben Reimers und Weber die Schlüssel, und seitdem können die Nachbarn sehen, dass die beiden hier ordentlich anpacken: Der Container steht vor der Tür, das Dixie-Klo inzwischen auch und immer wieder wird Material aus den Fenstern nach draußen befördert.

Auch in der oberen Etage gibt es noch viel zu tun.

Auch in der oberen Etage gibt es noch viel zu tun. © Britta Linnhoff

„Manche Nachbarn kommen immer mal wieder vorbei“, erzählt Inga Reimers. Gucken, was hier so los ist. Sie freut sich über das Interesse. Aber leider, so berichten die beiden, habe bisher noch niemand etwas über die alte Schule erzählen können.

Otto von Bismarck, gemalt vom Vorbesitzer des Hauses, erlebt den Umbau mit. Er wird bleiben dürfen.

Otto von Bismarck, gemalt vom Vorbesitzer des Hauses, erlebt den Umbau mit. Er wird bleiben dürfen. © Britta Linnhoff

Die beiden stehen in dem 65 Quadratmeter (von insgesamt rund 200) großen Raum im Erdgeschoss des Gebäudes inmitten von Schuttbergen, einem alten Schrank und einem Gemälde von Otto von Bismarck, das der Vorbesitzer gemalt habe. Sie freuen sich, dass mit dem alten Otto ein bisschen von der Geschichte des Hauses bleibt. Diesen Raum habe der Vorbesitzer als Atelier genutzt.

Wer hat Fotos oder Hinweise?

Fotos und Hinweise zur Geschichte dieses Hauses gerne per E-Mail an: britta.linnhoff@lensingmedia.de

Auch ein Schrank ist hier geblieben aus dem alten Inventar: Der, so sagt Reimers habe sogar früher hier schon gestanden, als dieser Raum noch ein Klassenzimmer war. Sie freut sich über jedes kleine Puzzlestück, das die Geschichte des Hauses bewahrt.

Und deshalb sucht sie gemeinsam mit Linus Weber händeringend Menschen, die ihr berichten können, wie es hier früher war, als noch unterrichtet wurde. Wie und wann? „Einfach vorbeikommen“, sagt die 33-Jährige, „wir sind ja hier“.

Bis Dezember soll der Schutt aus dem Haus verschwunden sein

Eineinhalb Jahre haben sie für ihr gemeinsames Projekt veranschlagt. Bis Dezember, so hoffen sie, soll all das, was mit Abriss zu tun hat, fertig sein. Im Frühjahr soll sich dann ein Fachmann um die Elektroinstallation kümmern.

Im Obergeschoss des alten Hauses hat Linus Weber zu seiner großen Freude Fachwerk entdeckt.

Im Obergeschoss des alten Hauses hat Linus Weber zu seiner großen Freude Fachwerk entdeckt. © Britta Linnhoff

Inga Reimers, die sich selbst für keine Arbeit zu schade ist, will dennoch unbedingt noch eines sagen: „Ohne ihn“, sagt sie und blickt Linus Weber an, „würde es das hier alles nicht geben, er ist handwerklich überbegabt“. Der 23-Jährige lächelt dazu und ist einfach nur froh, keine wirklich böse Überraschung erlebt zu haben, sowas wie „irgendwelche toten Tiere in dem alten Gemäuer zu finden“. Entdeckt hat er zu seiner großen Freude in dem Gemäuer in der oberen Etage Fachwerk. Zum Glück der beiden fehlen jetzt nur noch alte Fotos und Geschichten.

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