JVA Dortmund muss aus Sorge vor dem Coronavirus Gefangene vorzeitig freilassen

hzSchutzmaßnahme

In NRW sollen Justizvollzugsanstalten einen Teil ihrer Gefangenen freilassen. Auch Dortmund ist von diesem Erlass betroffen. Dabei geht es allerdings ausschließlich um bestimmte Insassen.

Dortmund

, 26.03.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, ist die Gefahr einer rasanten Ausbreitung des Coronavirus am größten. Dieser simple Fakt hat bereits dazu geführt, dass das öffentliche Leben in vielen Ländern beinahe gänzlich erlahmt ist.

Doch gerade in Gefängnissen ist es bekanntlich schwierig, eine dauerhafte Distanz zwischen den Insassen und auch dem Personal herzustellen. Deshalb werden jetzt auch in Dortmund dutzende Gefangene vorläufig freigelassen.

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„Es ist eine absolut richtige und bei genauer Betrachtung sogar unabdingbare Entscheidung, die dort getroffen worden ist“, betont Ralf Bothge, der Leiter der JVA Dortmund.

Gemeint ist der Erlass des NRW-Justizministers Peter Biesenbach, demzufolge die Gefängnisse in NRW vorerst alle Häftlinge freilassen sollen, die eine kurze Haftstrafe von bis zu 18 Monaten verbüßen und ohnehin spätestens bis zum 31. Juli 2020 entlassen worden wären.

Vorbereitungen für mögliche Corona-Patienten

Hintergrund ist auch in diesem Fall die anhaltende Corona-Krise: „Wir müssen in den Haftanstalten mehr Platz schaffen, um für den Fall, dass wir positiv getestete Gefangene haben, Quarantäneabteilungen vorhalten zu können“, erklärt Bothge.

Bislang sei in der Dortmunder JVA noch niemand mit dem Coronavirus infiziert worden, dennoch habe man bereits unabhängig vom Erlass eine kleine Abteilung leergeräumt. Denn man gehe davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis es auch den ersten Corona-Fall in der JVA gebe.

Es handelt sich bei der jetzt getroffenen Entscheidung laut Bothge jedoch keinesfalls um einen Straferlass für die Betroffenen: „Das ist besonders wichtig. Die verbliebene Reststrafe muss nach dem Ende der aktuellen Ausnahmesituation natürlich weiter verbüßt werden.“

Nur Gefangene, die wegen kleinerer Delikte einsitzen

In der JVA Dortmund sind von dieser Maßnahme knapp zwei Dutzend Häftlinge betroffen. Diese säßen allesamt wegen kleinerer Delikte hinter Gittern. Dazu zählen Bothge zufolge Diebstähle, leichtere Körperverletzungen und beispielsweise auch Ersatzhaftstrafen. Solche werden unter anderem vollzogen, wenn jemand eine Geldstrafe nicht begleichen kann.

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„Letztlich entscheidet die Staatsanwaltschaft, welcher Gefangene entlassen werden kann und welcher nicht. Für diese Regelung kommen ohnehin nur Häftlinge in Frage, von denen keine Gefahr ausgeht und die sich während des bisherigen Vollzuges gut geführt haben“, unterstreicht der JVA-Leiter.

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