Kabarettist Dieter Nuhr begeistert das Dortmunder Publikum: „Der Messias ist Jürgen Klopp“

hzWestfalenhalle

Vom Coronavirus, der einem die Glückskekse verdirbt, bis zu Vögel schreddernden Windrädern: Dieter Nuhr wirft auf alle Themen einen ganz besonderen humorvollen Blick.

Dortmund

, 09.02.2020, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Klopp sei ein Messias, der einzige Mensch, der den Klimawandel stoppen könne. Spätestens mit dieser Theorie in seinem aktuellen Programm „Kein Scherz!“ hat Dieter Nuhr die fast ausverkaufte Westfalenhalle am Samstagabend (8.2.) komplett hinter sich.

Und das, obwohl er eigentlich alles und jeden mit aufs Korn nimmt. „Ich habe nichts gegen Greta, ich glaube nur nicht, dass sie der Messias ist“, teilt der Kabarettist gegen die Klimaaktivistin aus. „Der Messias ist Jürgen Klopp.“

Auch seine Tochter sei zu den Freitagsdemos gegangen. „Ich habe versprochen, sie voll und ganz zu unterstützen und die Heizung in ihrem Zimmer ausgestellt“, erzählt Nuhr und fügt unmittelbar hinzu, dass das nur ein Scherz war. Das müsse er betonen, nachdem er schon viel Shitstorm für diese Aussage bekommen habe. „Ich weiß, das sollte im Kabarett nicht vorkommen, aber manchmal mache ich einfach einen Witz.“

Darf man noch ein Paket aus China annehmen?

An diesem Abend macht Nuhr einige davon – insbesondere mit Blick auf die aktuellen politischen Geschehnisse. „Schön, dass Sie alle gekommen sind“, begrüßt Nuhr das Dortmunder Publikum – trotz der Lage in Thüringen und trotz der Coronavirus-Gefahr. „Ich finde es schön, dass Sie mir ein paar Minuten Ihrer Lebenszeit schenken, auch wenn es die letzten sein könnten.“ Darf man jetzt überhaupt noch Glückskekse essen? Oder ein Paket aus China annehmen? „Ja, aber nur wenn es nicht hustet“, lautet die Empfehlung des Komikers.

Kabarettist Dieter Nuhr begeistert das Dortmunder Publikum: „Der Messias ist Jürgen Klopp“

Dieter Nuhr ist Kabarettist, Komiker, Autor und Moderator. © Dieter Nuhr

Einiges sei in den vergangenen Jahren besser geworden. Der Feinstaub zum Beispiel sei um mehr als die Hälfte gesunken, der Ruß sei komplett weg – und dennoch würden jetzt alle behaupten, dass wir ersticken. „Das ist ein bisschen wie auf der Baby-Station, einer fängt an zu rufen, alle anderen brüllen mit“, so Nuhr.

Eigentlich gehe es uns Deutschen also wirklich gut. Doch wir würden unbedingt die ganze Welt retten wollen – „das ist so typisch Deutsch. Dabei hat das bei Deutschland doch noch nie hingehauen mit der ganzen Welt.“ Kurz vor Moskau sei es schließlich schon mal gescheitert – am Klima.

Capital Bra als Vorbild für Jugendliche

So blickt Nuhr satirisch auf die verschiedensten Ereignisse und Bewegungen: Von der sexuellen Orientierung – „Mir ist doch völlig egal, ob mein Klempner homosexuell oder hetero ist, aber pünktlich wäre mal cool“ –, über Toleranz –„Toleranz ist nicht, die Intoleranz der anderen zu tolerieren“ –, bis zu aktuellen Vorbildern. Früher waren das Denker, Dichter und Philosophen, heutzutage Fußballer, Rapper und Influencer: „Das macht schon was mit den Inhalten“, meint Nuhr. Als Beispiel nennt er ein Zitat des aktuell erfolgreichsten Rappers Capital Bra: „Laber kein Scheiß, denn es stimmt, der mit den schönsten Felgen gewinnt.“

Kabarettist Dieter Nuhr begeistert das Dortmunder Publikum: „Der Messias ist Jürgen Klopp“

Dieter Nuhr begeisterte in der nahezu ausverkauften Westfalenhalle. © Maren Carle

Mit viel Humor ruft Dieter Nuhr das Dortmunder Publikum dazu auf, sich nicht zu verrückt zu machen. „Immer diese Leute, die einem sagen, was man alles tun muss, um lange zu leben: kein Alkohol, kein Fleisch, nur Sport und Salat.“ Niemand weise aber darauf hin, dass dieses zusätzliche Leben nicht jetzt sofort beginnt, sondern erst dann, wenn man eh schon alt und zerbrechlich ist. „Und dafür habe ich dann aufs Saufen verzichtet?“, fragt Nuhr ungläubig.

„Immer in Erwägung ziehen, dass man selbst verrückt ist“

Sowieso könnten nie alle Probleme aus der Welt geschafft werden. Während das eine Problem gelöst wird, entstehe das nächste. Wie zum Beispiel bei Windrädern: Durch diese würden viele Vögel geschreddert werden. „Es soll schon Aasgeier geben, die unten sitzen und auf die pürierten Vögel warten.“

So entlässt Nuhr das Publikum nach gut zweieinhalb Stunden mit vielen spannenden Ansichten und rät jedem: „Man sollte auch immer in Erwägung ziehen, dass man selbst verrückt ist, nicht die anderen.“

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