Karneval ist nicht nur Party - sondern hat eine wichtige Funktion in der Gesellschaft

hzKolumne „Gott und die Welt“

Pfarrer Hanno Gerke hat mit Karneval nicht viel am Hut. Findet aber: Die Jecken sind wichtig fürs Gleichgewicht im Land.

von Hanno Gerke

Dortmund

, 24.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als man mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen kann, Kolumnen zu schreiben, habe ich mich gefreut. Als ich feststellen musste, dass das Erscheinen meiner ersten Kolumne auf den Rosenmontag fällt, musste ich schlucken. Ich gestehe: Ich bin ein Karnevalsmuffel!

Alte Freunde aus Köln können sich bis heute nicht erklären, dass es Menschen wie mich gibt. Sie meinen, es liege bei mir daran, dass ich evangelischer Westfale bin. Katholiken, so heißt es ja, hätten von jeher eine größere Nähe zum Karneval als die Protestanten. Und ein nüchternes Verhältnis zum närrischen Treiben gilt als zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Westfalen und Rheinländern.

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Karneval ist in Dortmund kein Randphänomen

Aber stimmt das überhaupt? Wer Rosenmontag auf die Straße geht, muss erkennen: In unserem westfälischen Dortmund ist Karneval alles andere als ein Randphänomen. Der Festausschuss Dortmunder Karneval ist sehr aktiv in den tollen Tagen.

Thomas II. und Nicole I., unser Prinzenpaar, sind beide Ur-Dortmunder. Und beim Rosenmontagszug vom Festplatz an der Eberstraße bis zum Friedensplatz verbindet der Spaß am Karneval viele Menschen in dieser Stadt. Die Konfession oder Religion ist da zweitrangig.

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Der Karneval gehört also zweifellos zu Dortmund, der Stadt, in der ich lebe. Da wäre es wohl gelacht, wenn es nicht doch etwas Gemeinsames gäbe zwischen dem Karneval und mir, dem evangelischen Westfalen.

Lachen - da habe ich mir selbst das Stichwort gegeben. Im Karneval wird gelacht, und zwar über alles. Politik, Prominente, auch Kirche und Religion: Alle bekommen ihr Fett weg. Im Karneval ist man so frei. Solches Lachen stutzt auf angemessenes Maß zurecht, was sich in unserer Welt groß und wichtig macht.

Es handelt sich nicht um Schadenfreude oder Zynismus

Das ist übrigens etwas ganz anderes als Schadenfreude oder Zynismus. Ein mitreißendes und befreiendes Lachen steht uns allen gut zu Gesicht; ganz gleich, ob Jeck oder Karnevalsmuffel. Es steckt an, aber es grenzt nicht aus. Dabei gilt: Wer zuerst über sich selbst lachen kann, lacht am besten. Nicht unbedingt, wer zuletzt lacht.

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Lachen als Lebenshaltung: Darin versuche ich mich gerne. Hanns Dieter Hüsch, der 2005 verstorbene Kabarettist, übrigens ein evangelischer Rheinländer, war der Ansicht, dass der Glaube dabei helfen kann. Wer Gott vertraut, lebt „vergnügt, erlöst, befreit“ gegenüber allem, was lähmt und bedrückt: „Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält? Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt“, hat er gedichtet.

In diesem Sinne grüße ich westfälisch evangelischer Karnevalsmuffel mit einem kräftigen „Helau“ – und kann dabei Gott sei Dank über mich selbst lachen!

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