Gründerin mitten in der Pandemie - „Es war Zeit, mein Ding zu machen“

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Mit viel Optimismus ist Filiz Schulz mitten in der Corona-Krise in die Selbstständigkeit gestartet. Das Konzept für ihren Friseur-Salon wurde jetzt mit der Meistergründungsprämie belohnt.

Dortmund

, 04.10.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als alle Friseure im Lockdown waren und ihre Geschäfte geschlossen halten mussten, bereitete Filiz Schulz die Eröffnung ihres ersten eigenen Salons vor. Am 2. Juni war es so weit. Im Kaiserviertel empfing die 34-Jährige in ihrer „Wohlfühloase“ mit dem Namen „Shine like a diamond“ ihre ersten Kundinnen und Kunden.

Weil ihr Geschäft ganz anderes ist als ein gewöhnlicher Friseursalon, erhielt sie für ihr ambitioniertes Unternehmenskonzept nun beim NRW-Meistertag des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) in Solingen den Bescheid über ihre Meistergründungsprämie in Höhe von 7500 Euro.

„Die Prämie ist jetzt am Anfang meiner Selbstständigkeit eine wichtige Unterstützung“, sagt Filiz Schulz. Das Geld hilft ihr bei der Einrichtung des Salons und ermöglicht auch die Teilnahme an Weiterbildungs-Seminaren und Schulungen. Zudem verschafft ihr die Finanzspritze den Spielraum, um mit ihrem Geschäftspartner Cemman Ali ein ehrgeiziges Ziel zu verfolgen: „Wir warten derzeit auf ein neues Modell für eine Lüftungsanlage und möchten dann der erste Salon in Dortmund sein, der so für virenfreie Luft sorgt.“

Mehr Meistergründungsprämien vergeben als 2019

Die Corona-Krise konnte Filiz Schulz auf ihrem zu Beginn dieses Jahres abgesteckten Weg in die Selbstständigkeit nicht aufhalten. „Ich wusste während des Lockdowns, dass irgendwann die Kunden ja kommen werden“, sagt sie. Und mit diesem Optimismus war sie in Dortmund keineswegs allein.

Beim Meistertag in Solingen überreichten NRW-Minister Andreas Pinkwart (r.) und Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder (l.) – in seiner Funktion als Vorsitzender der Landesgewerbeförderungsstelle Handwerk (LGH), den Bescheid zur Genehmigung der Meistergründungsprämie an Feliz Schulz.

Beim Meistertag in Solingen überreichten NRW-Minister Andreas Pinkwart (r.) und Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder (l.) – in seiner Funktion als Vorsitzender der Landesgewerbeförderungsstelle Handwerk (LGH), den Bescheid zur Genehmigung der Meistergründungsprämie an Feliz Schulz. © WHKT/Rolf Göbels

Laut Handwerkskammer wurden in diesem Jahr bisher schon mehr Meistergründungsprämien vergeben, als im kompletten vergangenen Jahr. Wurden 2019 fünf junge Meister unterstützt, so wurde die Prämie in diesem Jahr schon zehnmal ausgeschüttet. Filiz Schulz ist ein Beispiel von vielen.

Knapp 13 Jahre lang hat sie in einem Dortmunder Friseursalon gearbeitet, sechs davon als Meisterin. „Die größte Freude hat mir immer die Ausbildung junger Menschen gemacht“, sagt die Mutter einer dreijährigen Tochter. Das liege ihr einfach, erzählt sie freudestrahlend. Sie hatte sich damals sogar vorstellen können, ausschließlich als Fachdozentin an Berufsschulen oder in Bildungszentren zu arbeiten. Da sie ihr Handwerk aber nicht weniger gern ausgeübt habe, wuchs in ihr zu Jahresbeginn der Wunsch nach einem eigenen Salon. „Es war an der Zeit, mein eigenes Ding zu machen.“

„Man soll sich wie im Kurzurlaub fühlen“

Und das zieht sie nun durch. Die ersten Monate laufen bereits sehr gut. „Mit dem Ende des Lockdowns kamen die Kunden generell wieder in die Salons, so wie ich es erwartet hatte. Ich denke, es war in diesem Sommer der beste Zeitpunkt, um sich selbstständig zu machen“, sagt Filiz Schulz.

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Ihr Konzept und der mit der Handwerkskammer besprochene Businessplan scheinen aufzugehen. Neben besonderen Farbtechniken wie Balayage, Faceframes und Babylights, die in Europa noch nicht sehr weit verbreitet sind, bietet sie mit ihrem Geschäftspartner und einem Auszubildenden den Kunden vor allem eine ausführliche Beratung und ein luxuriöses Gesamterlebnis.

„Man soll sich bei uns wie im Kurzurlaub fühlen“, betont sie. Wie ernst sie das meint, zeigen die beiden Massagesessel, in denen sich die Kunden bei Ozeanklängen und vor einer Videoleinwand mit Strandmotiv das Haar waschen lassen können. Auch der Salon selbst ist trendig gestaltet. „Das war mir wichtig, da wir viel Laufkundschaft haben und die Menschen auch gerne mal am Schaufenster stehenbleiben“, so die Chefin. Allein dadurch habe sich seit der Eröffnung des Salons im gezielt ausgesuchten und belebten Kaiserviertel ein guter Kundenstamm aufgebaut.

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Und Probleme mit dem vorgeschriebenen Abstand von 2,50 Metern gibt es in dem Salon an der Kaiserstraße 64 auch nicht. „Bei uns steht sowieso nicht Stuhl an Stuhl. Wir haben von Anfang an so geplant, dass es für jeden Kunden eine Privatsphäre gibt“, so Filiz Schulz.

Die Namenssuche war das Schwierigste

Viele Kunden seien ihr aber auch nach ihrem Ausstieg beim ehemaligen Arbeitgeber im Kreuzviertel treu geblieben. „Ich hatte anfangs ein paar Bedenken, weil wir nicht der einzige Salon auf dieser Straße sind. Außerdem wurde mir von einigen Leuten prophezeit, dass es lange dauern würde, bis man seine Kosten tatsächlich decken könne.“

Etwas verlegen, aber dennoch stolz gesteht sie, dass sie dies bereits im ersten Monat geschafft habe. „Ich glaube das liegt daran, dass wir hier mit viel Leidenschaft bei der Sache sind. Wir lieben, was wir tun.“ Besonders freue sie sich auf die Fachkräfte, die sie künftig selbst ausbilden und übernehmen möchte. „Und vielleicht gibt es irgendwann auch noch weitere Filialen unseres Salons.“

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Bleibt noch die Frage nach dem ungewöhnlichen Namen ihres neuen Salons. „Ja“, sagt Filiz Schulz schmunzelnd, „der Name war das Schwierigste an allem. Irgendwann habe ich gesagt: die Kunden sind unsere Diamanten, die bei uns den letzten Schliff bekommen und strahlen. Warum also nicht ‚Shine like a diamond‘? Die Werbeagentur fand den Namen schließlich auch toll. Warum also nicht?“

Unternehmensgründung

Programme fördern den Gründergeist

  • Die Landesregierung unterstützt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Existenzgründungen im Handwerk mit der Meistergründungsprämie NRW. Die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V. (LGH) ist Bewilligungsbehörde, die die Zuwendung für das Land bewilligt und auszahlt.
  • Gefördert werden Existenzgründungen, Firmenübernahmen und mehrheitliche Beteiligungen in NRW durch Handwerksmeister und -meisterinnen. Die Förderhöhe beträgt als Zuschuss 7.500 € und wird nur für erstmalige Gründung einer nachhaltigen Existenz gewährt. Die Antragstellung muss vor der Existenzgründung, Übernahme oder Beteiligung bei der zuständigen Handwerkskammer erfolgen.
  • Bei der Handwerkskammer Dortmund informieren und beraten: Dr. Daniela Putsch unter Tel. (0231) 5493-414, daniela.putsch@hwk-do.de, und Sabine Matuschowski unter Tel. (231) 5493-412, sabine.matuschowski@hwk-do.de
  • Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund ist die Handwerkskammer Dortmund auch Ansprechpartner für das Gründerstipendium NRW, das innovativen Gründern hilft, ihre Geschäftsideen umzusetzen. Seit seiner Einführung im Juli 2018 hat es hohen Zuspruch erhalten und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei Startups in ganz Nordrhein-Westfalen. Eigentlich wäre zum 30. September 2020 Schluss gewesen. Nun verkündete das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen: Es geht weiter!
  • Neue Anträge für das Gründerstipendium NRW können nun bis 30. September 2023 gestellt werden. Eine neue Richtlinie mit angepassten Förderbedingungen tritt zum 1. Oktober 2020 in Kraft.
  • Startups aus der Region können ihre Bewerbungen für die nächsten Jury-Sitzungen unter startercenter@dortmund.ihk.de einreichen.
  • Ansprechpartnerinnen bei der IHK sind: Katharina Borucki, k.borucki@dortmund.ihk.de, Tel. (0231) 5417-101 und Anke Schulze-Altenmethler, a.schulze@dortmund.ihk.de, Tel. (02381) 92141-514. Ansprechpartner bei der Handwerkskammer ist: Tobias Pütter, tobias.puetter@hwk-do.de, Tel. (0231) 5493-95413.
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