Keine Kuscheltiere: Montags gibt‘s für die Erdmännchen tote Tiere – mit Haut und Haaren

Dortmunder Zoo

Erdmännchen haben ein positives Image – sie sind ja sooo süß. Aber sie sind auch Raubtiere. Das führt im Dortmunder Zoo montags immer wieder zu Bildern, die manche Besucher irritieren.

Dortmund

, 25.11.2019, 15:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Keine Kuscheltiere: Montags gibt‘s für die Erdmännchen tote Tiere – mit Haut und Haaren

Erdmännchen sind keine Kuscheltiere, sondern Raubtiere. Im Zoo Dortmund gibt es für sie montags immer eine Ganzkörperfütterung wie hier ein Kaninchen. © Stella Gehrmann/Zoo Dortmund

Mehr als einmal haben Eltern schon ihre Kinder von dem Naturschauspiel weggezogen, was es immer wieder montags vor dem Erdmännchen-Gehege des Dortmunder Zoos zu beobachten gibt: Die Erdmännchen werden mit ganzen Tiere gefüttert: Kaninchen, Mäuse, Tauben, Wachteln. Nicht immer ein schönes Bild, aber so ist die Natur.

Denn Erdmännchen sind nicht – wie häufig vermutet – Nagetiere, sondern Raubtiere. „Hauptsächlich erbeuten diese Mangusten Insekten und andere Gliederfüßer wie Skorpione oder Tausendfüßer“, sagt der Dortmunder Zoolotse Marcel Stawinoga, „doch auch etwa 20 Prozent der Nahrung von Erdmännchen besteht aus Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Reptilien, was in Studien an wild lebenden Erdmännchen festgestellt wurde.“

Ganzkörperfütterung

Deshalb bekommt die zehnköpfige Erdmännchen-Familie im Dortmunder Zoo einmal pro Woche Kaninchen und andere Tiere serviert. Weil das immer wieder zu Irritationen führt, hatte Tierpflegerin Stella Gehrmann die Idee, zur Aufklärung über dieses kontroverse Thema ein Bild der Ganzkörperfütterung auf Facebook zu zeigen. Ein Vorschlag, den Marcel Stawinoga gern aufgegriffen hat. „Es ist wichtig, auch kontroverse Aspekte des Zooalltags zu zeigen.“ Die Reaktionen, berichtet er, seien fast durchweg positiv.

Im Gegensatz zu den häufig verfütterten Mehlkäferlarven werden die Kaninchen aber nicht lebend verfüttert, betont Stawinoga. Die Kaninchen kommen von einem Züchter, dessen Kaninchen hauptsächlich für den menschlichen Verzehr verkauft werden. Stawinoga: „Dort werden die Kaninchen auch bereits fachgerecht getötet, ehe sie an unseren Zoo geliefert werden. Ohnehin dürfen Wirbeltiere aufgrund des Tierschutzgesetzes nicht lebend verfüttert werden, wenn das zu fütternde Tier, in diesem Fall ein Erdmännchen, auch Fleisch von toten Tieren frisst.“ Deshalb werden auch Mäuse, Tauben und Wachteln nur tot verfüttert.

Gute Beschäftigung

Und sie werden aus gutem Grund als Ganzkörper den Erdmännchen zum Fraß vorgeworfen. „Eine sogenannte Ganzkörperfütterung hat für das zu fütternde Tier viele Vorteile im Gegensatz zu einer Fütterung von Fleischstücken“, sagt Marcel Stawinoga. Es sei für die Erdmännchen eine gute Beschäftigung, das Futtertier selbst öffnen und zerlegen zu müssen. Gleichzeitig würden dadurch der Kiefer, also die Kaumuskulatur, und andere Muskeln gestärkt.

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Darüber hinaus bekämen die Tiere zum Beispiel über die Knochen sowie angedaute, oft pflanzliche, Magen- und Darminhalte Mineralstoffe und Vitamine, mit denen man sonst die Nahrung künstlich anreichern müsste. Stawinoga: „Die Haare etwa sind gut für die Darmreinigung.“ Die Ernährungsentscheidung, was zuerst oder überhaupt gefressen werde, liege bei dem Tier selbst und werde nicht vorgegeben.

In freier Wildbahn stürzen sich die Erdmännchen als Gruppe auf Hühner, Schlangen und Nagetiere. Doch wenn es ans Fressen gehe, sei jeder für sich selbst verantwortlich, erläutert der Zoolotse. Da streiten die kleinen Raubtiere schnell um die besten Stücke. „Manche Innereien sind beliebter als andere“, weiß Stawinoga.

Gemüse und Obst steht auch auf dem Speiseplan

Ansonsten bekommen die Erdmännchen im Zoo Insekten zu fressen wie Mehl- und Schwarzkäferlarven, Heuschrecken und selten Stabschrecken oder Schaben. Weil sie sich in freier Natur zu geringen Anteilen auch von Pflanzen ernähren, erhalten die kleinen Raubtiere an vier Tagen pro Woche auch Gemüse und Obst wie Paprika, Gurken, Zucchini, Möhren oder Weintrauben und im Sommer dazu Honig- und Wassermelonen. Das ist dann hübscher anzusehen.

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