Orkan Sabine beschert Mirem (11) den einsamsten Schultag ihres Lebens

hzSchulsituation vor Ort

An den städtischen Schulen fand am Montag kein Unterricht statt. Wer wollte, konnte seine Kinder dennoch schicken. Wir haben uns an vier Schulen ein Bild von der Situation gemacht.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 10.02.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Mirem (11) wurde die Hauptschule am Hafen am Montag zu einem großen Spielplatz. Von 550 Kindern war sie die einzige anwesende Schülerin, als wir gegen 10.30 Uhr der Schule einen Besuch abstatteten. Auch in anderen Schulen hatte das Personal Zeit für Arbeiten, die sonst liegen bleiben.

Wegen Orkan „Sabine“ hatte die Stadt am Sonntag angekündigt, dass an den städtischen Schulen kein Unterricht stattfinde. Eine Betreuung sei gewährleistet - aber letztlich mussten die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder schicken oder zu Hause behalten. Wir haben uns an vier Innenstadt-Schulen ein Bild von der Situation gemacht. Ergebnis: Man ist unterschiedlich mit der Situation umgegangen.

Der Schulleiter des Stadtgymnasiums, Bernhard Koolen, hat das gesamte Kollegium dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. „Anlässlich einer solchen amtlichen Warnung wäre es schlicht unverantwortlich, jemanden in den Dienst zu schicken. Wir wissen nicht, was uns noch erwartet und man sollte auf keinen Fall ein so großes Risiko eingehen“, so Koolen am Morgen. Damit waren er und seine Sekretärin die einzigen Menschen im Schulgebäude.

Eltern müssen Kinder abholen

Anders in der Kreuzgrundschule: Dort hatte man am Freitag schon einen Hinweis auf der schuleigenen Homepage veröffentlicht: Am Montag fällt der reguläre Unterricht aus und der Schulbesuch ist freiwillig; alle Kinder, die kommen, müssten aber von den Eltern abgeholt werden.

Von 305 Kindern waren 25 anwesend - hauptsächlich Kinder, die in der Offenen Ganztagsschule (OGS) betreut werden. Alle durften sich selbst beschäftigen. Da blieb Zeit für die Lehrerinnen Linda Exner und Stefanie Spoo, sich auch Aufgaben zu widmen, die sonst im engen Schulbetrieb liegen bleiben.

Gearbeitet wurde an einem neuen Medien- und Kommunikationskonzept für die Schule, das letztlich auch die Kommunikation zwischen Schule und Eltern verbessern soll - wie etwa im aktuellen Sturmfall. Dass das Telefon heute dauerklingelte (alle Eltern sollten ihre Kinder persönlich abmelden), störte nur bedingt.

Ein besonderer Schultag

Einen besonderen Tag erlebte Mirem in der Hauptschule am Hafen. Von 550 gemeldeten Schülern war sie zum Zeitpunkt unseres Besuches die einzige anwesende: „Ich habe das Schulgebäude noch nie so leer gesehen. Und weil heute auch kein richtiger Unterricht stattfindet, kann ich mich hier frei bewegen. Das fühlt sich irgendwie aufregend an“, so die Elfjährige.

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Schulsozialarbeiter Richard Gross hatte die Aufsicht übernommen. Er erinnerte sich an die eigene Schulzeit: „Früher wäre so ein Tag wie heute niemals als Sturm durchgegangen. Aber natürlich weiß man nie, was kommt. Und es wäre ja das Schlimmste, wenn einem Kind auf dem Schulweg oder in der Schule etwas passiert. Deswegen ist eine gute Regelung getroffen worden.“

Während die Schulleitung anwesend war, blieben die Lehrer auf Abruf. Da es einige Lehrer aufgrund von Bahnausfällen ohnehin nicht zur Arbeit schafften, war es freigestellt, zu erscheinen. Von den 60 Lehrkräften waren am Morgen letztlich 30 anwesend. Auch hier gab es viel Zeit für administrative Aufgaben, etwa die Bearbeitung von Einzelfällen oder die Planung von Projekttagen, die einmal pro Woche stattfinden.

Kein einziges Kind kam

Zur Johannes-Wulff-Schule hat schließlich kein einziges Kind den Weg angetreten. Das Kollegium war aber komplett anwesend. So wurde eine Zusatzkonferenz einberufen.

Insgesamt sah es am Montag also einsam aus in Dortmunds Schulen, die in unsere Stichprobe einflossen. Vermutung: Sowohl die Kinder zu Hause als auch die Lehrer vor Ort dürften den Tag gut genutzt haben.

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