Aufgezogene Spritzen mit dem Biontech-Impfstoff. Aus einem Fläschchen lassen sich mindestens sechs Dosen gewinnen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Covid-19

Keine Zulassung unter 16 – aber Kinderärzte in Dortmund impfen gegen Corona

Für Kinder sind die Corona-Impfstoffe gar nicht zugelassen. Dennoch impfen in Dortmund auch Kinderärzte in ihren Praxen. Eine Ärztin erklärt, warum das so ist - und wer dort drankommt.

Es ist kompliziert mit den Impfstoffen gegen Corona: Nicht nur für Astrazeneca gibt es eine Altersempfehlung, sondern auch für Moderna und Biontech. Eins gilt aber für alle.

Kindern darf nichts gespritzt werden. Keiner der Impfstoffe hat aktuell eine Zulassung für Menschen unter 16 Jahren. Und mit zwei der drei Vakzine dürfen nur Volljährige geimpft werden.

Unter 18? Dann geht höchstens Biontech

Umso erstaunlicher, dass nicht nur Hausärzte seit der vergangenen Woche Dosen erhalten, sondern auch die Praxen von Kinderärzten. Unterschiedlich viel zwar, aber eben doch einiges.

Warum das so ist? Hendrike Frei, Kinderärztin in Mengede und Sprecherin der Pädiater in Dortmund, muss etwas ausholen, um es zu erklären: Tatsächlich gebe es weder für Astrazeneca noch für Moderna eine Zulassung für Impflinge unter 18 Jahren. Bei Biontech sei es ein bisschen anders.

In den USA schon ab 12 Jahren zugelassen

Der Impfstoff, der in der vergangenen Woche über die Apotheken an die Hausarzt-Praxen ausgeliefert wurde, darf immerhin an Menschen ab 16 Jahren verimpft werden.

In den USA dürfen mittlerweile auch die 12-bis-15-Jährigen Biontech bekommen. In der EU laufe das Zulassungsverfahren bei der zuständigen Stelle – der EMA – aber noch, so Frei: „Und ich hoffe, dass das bald durch ist, damit wir in nicht allzu langer Zeit auch die Schüler impfen können, damit sie wieder problemloser in die Schulen gehen können.“

Wenn die Eltern zur Gefahr für die Kinder werden

Doch bis dahin sind Kinder nicht dran, auch Jugendliche nur bedingt. Wer also bekommt Biontech in den Kinderarztpraxen? Kurzgesagt: Familien mit Kindern, die sehr schwere Krankheiten haben.

Wo Mädchen und Jungen etwa einen Herzfehler haben, wo sie immungeschwächt sind, bei Fällen von schwerer Epilepsie, bei Muskelerkrankungen – überall dort dürfe man die Eltern gegen Covid-19 impfen. Eben weil sie im Falle einer Coronainfektion eine große Gefahr für den kranken Nachwuchs wären, womöglich sogar ein lebensbedrohlicher.

Hoffentlich kommt der richtige Impfstoff

Auch Geschwister ab 16 Jahren könnten drankommen. „Meistens bescheinigen die Kliniken, dass die Krankheit zu einer Impfung der Personen im Umfeld berechtigt.“ Bei ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern oder auch als Vorsichtsmaßnahme.

Wenn bei einem Baby etwa Knochenmark transplantiert werden muss, wenn Kinder „heimbeatmet“ werden müssen, wenn bald eine Chemotherapie ansteht oder schon läuft, wenn andere chronische Krankheiten vorliegen – immer dann sei auch eine „Umgebungsprophylaxe“ sinnvoll.

Hendrike Frei hofft dementsprechend, dass sie auch weiterhin Biontech bekommt. Die Arztpraxen können aktuell nur Impfstoff generell bestellen, nicht von einem bestimmten Hersteller.

Astrazeneca soll aber nur an Menschen ab 60 Jahren aufwärts verimpft werden. Und in dem Alter seien ja nur wenige Eltern, so Frei. In diesen Fällen würde sie sich mit Hausärzten kurzschließen müssen, ob man tauschen könne.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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