500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio

hzBiohof Schulte-Uebbing

Der Bauernhof Schulte-Uebbing hat sich von der konventionellen Landwirtschaft verabschiedet und wird Biohof. Richtig loslegen kann Dirk Schulte-Uebbing aber noch nicht.

von Tobias Weskamp

Kemminghausen

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Konventionelle Landwirtschaft ade: Seit Oktober 2017 wird der 57 Hektar große Hof Schulte-Uebbing als Nebenerwerbs-Biohof betrieben. Dafür hat sich Diplom-Kaufmann Dirk Schulte-Uebbing dem Naturland-Verband für ökologische Landwirtschaft angeschlossen.

Bis eine solche Umstellung abgeschlossen ist, dauert es. Auch wenn Schulte-Uebbing inzwischen fast zwei Jahre lang nach den Regeln des ökologischen Landbaus arbeitet, wird er erst mit dem Erntejahr 2020 sein Gemüse als Bio-Gemüse verkaufen dürfen: Erst nach den zwei Jahren hat sich der Boden von der zuvor konventionellen Landwirtschaft erholt.

500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio

Schilder auf den Feldern machen auf die Umstellung aufmerksam. © Oliver Schaper

Bei der Biolandwirtschaft ist es besonders wichtig, dass der Boden jungfräulich ist. Daher muss Schulte-Uebbing den zweijährigen Umstellungszeitraum beachten, bevor die Produkte als biologisch anerkannt veräußert werden können. Auch auf Pflanzenschutzmittel und Glyphosat verzichtet er, dafür kommen Striegel und Hackmaschinen vermehrt zum Einsatz.

Möhren, Kartoffeln, Rote Beete, Süßmais und Klee

Nach der zweijährigen Umstellungsphase wird er ab dem Erntejahr 2020 mit Möhren, Kartoffeln, Roter Beete, Süßmais und Klee planen, und das alles in einer Reihenfolge, dass es für Boden und Gemüse das Beste ist - „optimierte Fruchtfolge“.

500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio

Nur noch ökoligisches Saatgut kommt zum Einsatz. © Oliver Schaper

Aus ökonomischen Gründen sei es unerlässlich, die Fruchtfolge bei einem reinen Ackerbaubetrieb zu verändern. „So ließen sich möglicherweise höhere Gewinne erzielen“, sagt Schulte-Uebbing. Außerdem führe diese Produktionsweise zu einer erhöhten biologischen Vielfalt (Biodiversität) und drittens, so führt der passionierte Jäger aus, tue man so etwas für den Artenschutz und die Artenvielfalt von Flora und Fauna.

Sohn Markus hat Landwirtschaft studiert

Sein Sohn Markus hat Landwirtschaft studiert. „Er soll eine Perspektive haben, um den Hof auch in der kommenden Generation weiterzuführen.“ Bis 2008 hat auch sein Vater bei der Betriebsführung aktiv mitgewirkt, seitdem kümmern sich Dirk Schulte-Uebbing, seine Frau Beate und seine Kinder Markus, Friederike und Alexander, unterstützt von Aushilfskräften, um den Hof. Der Betrieb hat eine lange Tradition. 1492 wurden die Hofstelle und der Name Schulte-Uebbing das erste Mal in einem Dokument erwähnt.

Schulte-Uebbing sieht bei einer konventionellen Landwirtschaft keine Chance, seinen Hof als reinen Ackerbaubetrieb ohne den Erwerb weiterer Flächen langfristig weiterzuführen. Daher betreibt er ihn jetzt ökologisch. Auch aus Tradition und mit entsprechender Innovation und Veränderungsbereitschaft soll der Hof weiter bestehen. „Wir haben bislang keine Direktvermarktung geplant, dafür ist der Betrieb viel zu klein“, so Schulte-Uebbing.

Vorbildfunktion: Mit gutem Beispiel voran gehen

Schulte-Uebbing sieht in der Umstellung auch eine Vorbildfunktion. „Wir möchten ein Bewusstsein schaffen und mit gutem Beispiel voran gehen.“ Er hat mit einem Imker vier Bienenvölker mit rund 200.000 Insekten bereits seit Jahren auf seiner Hofstelle.

Das Konzept interessiert auch die Macher des CoProGrün-Projektes, die sich im Rahmen eines Forschungsvorhabens mehrere landwirtschaftliche Betriebe ansahen. „Wir sind per Fahrrad zu mehreren landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung gefahren und haben uns informiert“, erklärt Elisabeth Lux vom mitinitiierenden Regionalverband Ruhr.

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