Kindergarten oder LWL-Einrichtung: Wütende Bürger und zwei Bauvoranfragen

hz Bebauung Stoppelmannsweg

Was wird nun am Stoppelmannsweg gebaut? Eine Einrichtung des LWL oder vielleicht doch ein Kindergarten? Plötzlich scheint im Ortskern von Aplerbeck alles möglich.

Aplerbeck

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Hohe Temperaturen und heiße Diskussionen. Die Einwohnerfragestunde in der Bezirksvertretung Aplerbeck geriet leicht außer Kontrolle. Gefragt wurde schon längst nicht mehr, als Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel für Ruhe sorgte. Denn neben zahlreichen Wortmeldungen, die die Anwohner des Stoppelmannsweges und des Deutzer Weges an die Politiker richteten, gab es lautstarke Auseinandersetzungen in den Zuschauerreihen im Saal des Aplerbecker Amtshauses.

Der Grund für die Aufregung ist ein Grundstück am Stoppelmannsweg. Das schließt an einer Seite direkt an das Wohngebiet am Deutzer Weg an, an der östlichen Seite an die dort ansässigen Nahversorger. Hier soll gebaut werden. Die Rede ist von einer LWL-Einrichtung.

Eine Wohneinrichtung mit 24 Menschen mit psychischer Behinderung

„Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) plant auf dem Grundstück am Stoppelmannsweg 8 in Dortmund-Aplerbeck eine Wohneinrichtung für 24

Menschen mit psychischer Behinderung. Das Wohnangebot wird ergänzt um 2 weitere Bewohnerzimmer, um Nutzer des Ambulant Betreuten Wohnens vorübergehend/kurzfristig eine intensivere Unterstützung zu ermöglichen“, so ist es in einem offiziellen Brief der LWL zu lesen.

Kindergarten oder LWL-Einrichtung: Wütende Bürger und zwei Bauvoranfragen

Viele Anwohner des Deutzer Weges sind gegen die LWL-Einrichtung. © Jörg Bauerfeld

Anwohner befürchten das Schlimmste. Es geht um die Angst vor den Patienten. Wie sind sie untergebracht, wie betreut? „Es ist eindeutig, dass hier keine Forensik entstehen wird“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel, der aber auch klar machte, dass er die Sorgen der Anwohner durchaus ernst nehmen würde. Es ging um die Sorge, dass der Verkehr rund um den Stoppelmannsweg aufgrund der Einrichtung zunehmen könnte. Die Frage stand im Raum, ob es denn möglich sei, dass ein Bebauungsplan so einfach geändert werden könnte. Das wäre in diesem Fall, nämlich notwendig.

Eine Liste mit 200 Unterschriften

„Wir wollen diese Einrichtung hier nicht“, war der eindeutige Tenor der Bürger, die in die Sitzung der Bezirksvertretung gekommen waren. Ob es die Mehrheit der Anwohner ist, die so denken, lässt sich nicht herausfinden. Doch es sind viele. Denn eine Unterschriftenliste mit knapp 200 Unterschriften gegen eine LWL-Einrichtung am Stoppelmannsweg wurde im Rahmen der BV-Sitzung an Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel übergeben.

Doch was ist dran an der ganzen Sache? Nun, wenn es nach dem LWL geht, scheinen die Pläne weit gediehen - und ziemlich konkret. Mitarbeiter würden die zukünftigen Bewohner rund um die Uhr bei der Gestaltung ihres Alltags unterstützen. „Wir machen die Erfahrung, dass die Bewohner eher zur Zurückgezogenheit neigen“, so Marion Pothmann vom LWL-PsychiatrieVerbund. „Grundsätzlich sollen sie aber auf eine eigenständige Lebensführung vorbereitet werden“. Das Konzept der Wohneinrichtung wird der LWL rechtzeitig vor dem Baustart in einer Bürgerversammlung der Nachbarschaft vorstellen.

Es liegt auch ein Vorbescheid für eine Kita vor

Also wird am Stoppelmannsweg auf jeden Fall eine LWL-Einrichtung gebaut? Sicher ist dies nicht, das machte Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel deutlich. Denn das, um was sich die Bürger jetzt schon streiten, ist lediglich ein Vorbescheid. Also eine Anfrage, die abklopft, ob eine Bebauung in dieser Form theoretisch möglich ist.

Doch es gibt, was das Grundstück angeht, eine Überraschung. Denn der Vorbescheid für das LWL-Vorhaben ist nicht der einzige. Es gibt einen weiteren, der schon seit 2007 im Raume steht - und der auch noch Gültigkeit besitzt. Hier geht es um einen Kindergarten: „Für die Kita wurde ein positiver planungsrechtlicher Vorbescheid erteilt. Die Verlängerung erfolgte vor kurzem. Der Vorbescheid wurde erteilt unter der Maßgabe, dass im Baugenehmigungsverfahren nachgewiesen wird, die bekannte Bodenproblematik durch geeignete Maßnahmen zu lösen. „Die Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes erfolgte unter Einbeziehung und mit Billigung der Bezirksvertretung“, sagt Christian Schön, Pressesprecher der Stadt Dortmund.

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