Corona und der Heilige Abend: Nur mit Ticket in den Weihnachtsgottesdienst

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Es mag unchristlich erscheinen, aber in der Pandemie geht es nicht anders: Wer dieses Jahr in einen Weihnachtsgottesdienst möchte, muss entweder ein Ticket buchen – oder eines gewinnen.

Lütgendortmund

, 12.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für Heike Bährle hat Weihnachten in diesem Jahr schon im Sommer angefangen. Genauer: am 24. Juni. Exakt sechs Monate vor Heilig Abend hat die Pfarrerin der evangelischen Christusgemeinde in Lütgendortmund mit ihrem Team begonnen, das Weihnachtsfest zu planen. Wegen Corona sei „klar gewesen, dass die Dinge anders laufen müssen“, sagt sie.

Wie anders, das war im Sommer nicht absehbar. Die Corona-Fallzahlen waren niedrig, auch größere Veranstaltungen erlaubt. Und so plante man zum Beispiel einen Freiluftgottesdienst auf Zeche Zollern. „Aber die Pläne können wir jetzt alle wieder in die Tonne kloppen“, sagt Bährle.

Freiluftgottesdienst angedacht – und wieder verworfen

Das gilt auch für einen Familiengottesdienst auf dem Heinrich-Sondermann-Platz in Lütgendortmund. Die Idee hatten evangelische und katholische Gemeinde gemeinsam. „Doch das wäre eine Planung in ein hohes Risiko geworden“, sagt Sebastian Lauf, Gemeindereferent im katholischen Pastoralverbund Dortmunder Westen.

Daher haben die Gemeinden entschieden: Wir bleiben Weihnachten in den Kirchen. Es können also lange nicht so viele Gottesdienstbesucher kommen wie sonst. Zugänge müssen geregelt, Hygieneregeln eingehalten werden. Was haben die Kirchen geplant? Ein Überblick:

DIE GOTTESDIENSTE
„Der Gottesdienst an Heilig Abend interessiert am meisten und ist damit am schwierigsten zu regeln“, sagt Bährle. Beispiel: Beim Familiengottesdienst am 24. Dezember kommen um die 600 Besucher in die Bartholomäus-Kirche in Lütgendortmund. Eigentlich. Nach den Corona-Schutzkonzepten sind derzeit nur 60 erlaubt. Ein paar mehr, wenn sich Familien anmelden. Damit möglichst viele eine Chance auf einen Platz haben, wird es Bährle zufolge mehr Gottesdienste als üblich geben. Dafür werden sie nur um die 30 Minuten dauern. Der klassische Familiengottesdienst wird in diesem Jahr ausfallen.

Zahl der Gottesdienste wird verdoppelt

Das wird bei den Katholiken anders sein: Hier sind laut Lauf Familiengottesdienste am Nachmittag geplant – zum Teil auch mit Krippenspielen. Insgesamt wird es in allen fünf Kirchen des Pastoralverbunds am 24. Dezember doppelt so viele Gottesdienste geben wie sonst: 14 statt 7. „Das ist mehr Arbeit für uns“, sagt Lauf. Aber es sei der einzige Weg, viele zu erreichen.

Pfarrer Guido Hörnchen und sein Pastoralteam haben am Heiligen Abend gut zu tun: Es wird in diesem Jahr doppelt so viele Gottesdienste geben wie sonst.

Pfarrer Guido Hörnchen und sein Pastoralteam haben am Heiligen Abend gut zu tun: Es wird in diesem Jahr doppelt so viele Gottesdienste geben wie sonst. © Stephan Schuetze

Zu den bestbesuchten Gottesdiensten am Heiligen Abend kommen in die Lütgendortmunder St.-Magdalena-Kirche normalerweise um die 600 Personen. Nun seien 100 erlaubt, sagt Lauf. Wenn nur Familien kämen, sind es bis zu 150.

Die Gottesdienst-Verdopplung führt dazu, dass in Lütgendortmund die erste Familien-Messe schon um 14 Uhr startet. Zwei weitere Messen folgen. Das Krippenspiel wird also gleich drei Mal aufgeführt. Am Abend wird es noch zwei Christmetten geben. Ein hoher Aufwand – zumal dazwischen desinfiziert werden muss.

ZUTRITT ZUM GOTTESDIENST

Die Christusgemeinde hat noch nicht entschieden, wie sie den Zugang zu den Weihnachtsgottesdiensten regelt. „Mit den Ticketsystemen sind wir nicht ganz zufrieden“, sagt Pfarrerin Bährle. Daher denke man über eine Lotterie nach.

Wer darf an Weihnachten zum Gottesdienst in die evangelische Bartholomäus-Kirche in Lütgendortmund? Darüber entscheidet vielleicht eine Losverfahren.

Wer darf an Weihnachten zum Gottesdienst in die evangelische Bartholomäus-Kirche in Lütgendortmund? Darüber entscheidet vielleicht ein Losverfahren. © Natascha Jaschinski

Der Pastoralverbund ist da weiter: Für alle katholischen Gottesdienste müssen vorher Eintrittskarten gebucht werden. Das geschieht über die Homepage. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich auch an die Pfarrbüros wenden. Buchbar sind die Tickets allerdings erst ab dem 6. Dezember.

EINLASSKONTROLLE

Wie bei allen Gottesdiensten in der Corona-Pandemie werden auch an Heilig Abend Ordner an den Kirchtüren stehen. Ihre Aufgabe ist aber eine andere: Derzeit zählen sie schlicht, dass nicht zu viele Besucher in einen Gottesdienst kommen. Am 24. Dezember müssen sie kontrollieren, ob die Besucher ein Ticket haben.

In den katholischen Kirchen werden die Ordner wohl Tabellen mit den Anmeldedaten zur Hand haben, sagt Lauf. Es sei bisher nicht geplant, dass die Besucher sich eine Eintrittskarte ausdrucken müssen. Dass alles glatt geht, glaubt der Gemeindereferent nicht. „Es wird sicher auch mal jemand in die Kirche wollen, der kein Ticket hat“, sagt er. Und: „Es wird Diskussionen geben.“

ALTERNATIVPROGRAMM

Ob alle, die in einen Gottesdienst wollen, ein Ticket ergattern – das weiß niemand. Nimmt man die normalen Besucherzahlen an Weihnachten, „werden wohl einige leer ausgehen“, vermutet Lauf. Obwohl das Angebot aufgestockt wird. Allerdings wisse keiner, ob überhaupt so viele kommen wollen wie sonst. Pfarrerin Bährle hat im November beobachtet: „Die Leute sind wieder vorsichtiger.“

Daher gibt es Alternativen, die Advents- und Weihnachtszeit zu feiern:

  • beide Kirchen werden Adventstüten für zu Hause packen.
  • Die evangelische Bartholomäus-Kirche wird den ganzen Advent über jeden Tag zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet sein. Das Motto der Aktion: „Unterm Sternenhimmel“. Hierzu werden unter dem Kirchendach Sterne aufgehängt. 1431 habe man gebastelt, sagt Pfarrerin Bährle. Jeden Tag wird es ein kleines Programm geben. Auch die Katharinenkirche in Bövinghausen öffnet, allerdings nicht jeden Tag. Die katholischen Kirchen in Bövinghausen und Oespel-Kley laden ebenfalls zu Sternstunden ein. Jeweils dienstags und donnerstags.
  • Das Krippenspiel, das am Heiligen Abend in der Sankt-Magdalena-Kirche aufgeführt wird, wird auch als Live-Stream zu sehen sein.
  • Und schließlich soll das Glockenläuten der Kirchen die Menschen miteinander verbinden – auch auf Distanz. Heike Bährle sagt: „Man muss es sich auch ein bisschen schön reden.“
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