„Penisse sieht man überall“ – Das bewegt die Genitalien-Malerinnen auf dem Kirchentag

hzEvangelischer Kirchentag

Er sorgte für Diskussionen im Vorfeld, doch ging dann ruhig über die Bühne: Der Kirchentags-Workshop „Vulven malen“. Für die Teilnehmer ging es um viel mehr als das Künstlerische.

Dortmund

, 21.06.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Penisse sieht man eigentlich überall“, sagt die 19-jährige Lea, „aber Frauen werden fast nie mit ihrem Geschlecht gezeigt.“ Zusammen mit ihrer Freundin Tabea (28) kommt sie gerade vom Kirchentags-Workshop „Vulven malen“ im Schauspielhaus. In den Händen halten sie eingerollte DinA4-Blätter, das künstlerische Produkt des Workshops.

Zwei Stunden lang haben sie und etwa 30 weitere Teilnehmer sich intensiv mit der Vulva auseinander gesetzt, das Ergebnis sind selbstgemalte Bilder des Geschlechts aus allen Perspektiven, in allen Größen.

Selbst Frauen wissen oft nicht, wie die Vulva funktioniert

Diese Auseinandersetzung ist in den Augen der beiden dringend nötig. „Ein Beispiel sind Statuen oder Puppen“, erklärt Lea. „Wo bei Männern selbstverständlich ein Penis dargestellt wird, ist bei Frauen oder Mädchen meistens - nichts.“ Maximal würden die Schamlippen angedeutet, das sei aber auch schon alles.

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Das führe dann dazu, so die Freundinnen aus Hessen, dass eigentlich niemand so genau wisse, wie eine Vulva funktioniere - auch Frauen nicht. „Viele Frauen wissen zum Beispiel gar nicht, wo eigentlich das Urin rauskommt“, schildert Lea. „Ich hab das auch erst heute gelernt“, fügt sie lachend hinzu.

„Außerdem wird auch häufig gesagt, dass die Vulva nicht ästhetisch sei“, sagt Tabea. Das sei das Tolle an dem Workshop gewesen: „Es wurde immer wieder betont: Jede Vulva ist schön.“

Erst die Theorie, dann die Kunst

Der Workshop begann mit einem theoretischen Teil: Es wurde über Darstellungen der Vulva geredet, über besagte Puppen und Skulpturen, Beispiele wurden gezeigt und diskutiert. Auch redeten sie unter Workshop-Leitung von Theologiestudentin Lea Klischat über Begriffe: Vagina, Scheide, Vulva und andere, vulgärere Worte - und stellten fest: Begriffe für das Geschlechtsorgan, die keinen spießigen, beleidigenden oder abstoßenden Beigeschmack haben, gibt es nicht.

Abgerundet wurde die Theorie von einem kleinen Crashkurs: Wie ist eine Vulva aufgebaut, was sind die verschiedenen Bestandteile und wie funktioniert das Organ?

Dann kam der künstlerische Part. Und die Teilnehmer wurden sehr kreativ, wie Lea und Tabea berichten. „Eine hat die Vulva einer hockenden Frau von hinten gemalt“, erzählen sie, andere hätten die „klassische“ Frontalansicht gemalt. Manche hätten ihre Bilder eher realistisch, andere besonders abstrakt gestaltet. Manch eine Vulva hätte Flügel gehabt, andere seien deutlich mit „Meine Vulva“ beschriftet gewesen.

Obwohl die Organisatoren schon für einen größeren Veranstaltungsort gesorgt hatten, war der Workshop schon knapp eine Stunde vor Beginn voll. Doch auch hier wurden die Leute kreativ: Mit Straßenkreide malten sie die Vulven auf den Vorplatz des Schauspiels.

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