Genitalien malen beim Kirchentag: Wirbel um Workshop zu weiblicher Sexualität

hzEvangelischer Kirchentag

Beim Evangelischen Kirchentag gibt es über 2300 Veranstaltungen. Über einen kleinen Workshop wird hitzig diskutiert. Dabei malen Teilnehmer weibliche Geschlechtsteile. Titel: „Vulven malen“.

Dortmund

, 20.06.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eines der ausgefallendsten und umstrittensten Angebote des Evangelischen Kirchentags. Unter der Überschrift „Vulven malen“ können die Teilnehmer am Freitag ab 14.30 Uhr im Schauspielhaus am Hiltropwall weibliche Geschlechtsteile malen. Der Workshop unter der Leitung der Theologiestudentin Lea Klischat aus Halle steht im offiziellen Programm des Kirchentags.

Außer den nackten Fakten gibt es keine weiteren Erläuterungen, was denn dieser Workshop mit dem Kirchentag und seinem Motto „Was für ein Vertrauen“ zu tun hat.

Ein größerer Raum musste her

Klar ist aber, dass die Nachfrage nach diesem Angebot ziemlich groß war, denn als Veranstaltungsort war ursprünglich ein Klassenraum im Mallinckrodt-Gymnasium vorgesehen. Jetzt findet er im deutlich größeren Institut des Schauspielhauses am Hiltropwall statt.

„Ist das das neue Kreuz, an dem Christus geopfert wurde? Mich macht das traurig über meine evangelische Kirche“, zitiert die Tageszeitung „Die Welt“ einen Tweet des CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter. Ein anderer Twitter-Nutzer kommentierte das so: „Und wann findet der Workshop im ‚Phallus malen‘ statt?“

Auf Facebook üben vor allem Politiker aus dem rechten Spektrum heftige Schelte. „Die EKD ist längst zu einer linksgrünen Komödie geworden und sollte ihre Vulven alleine malen“, schrieb der AFD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte, der früher der CDU angehörte, auf Facebook und wurde dafür in zahllosen Kommentaren bejubelt. Sie alle beklagen den endgültigen Zusammenbruch des Protestantismus und den Ausverkauf der Kirche.

„Kirchentag ist doch keine Sexmesse“

Kirchentagspräsident Hans Leyendecker wies unserer Redaktion gegenüber die Kritik zurück und warnte davor, wegen einer Veranstaltung den ganzen Kirchentag in Misskredit zu bringen: „Insgesamt gibt es beim Kirchentag über 2300 Veranstaltungen. Der Workshop ,Vulven malen‘ ist inhaltlich eingebettet in das ,Zentrum Geschlechterwelten‘ – dreitägiges Programm zu Themen wie #Metoo, Familienbilder, Geschlechtergerechtigkeit, wie Männer Gewalt erleben, und eben auch zur weiblichen Sexualität. Der oben genannte Workshop, bei dem das weibliche Geschlechtsorgan von Vorlagen oder aus dem Gedächtnis gezeichnet wird, soll unter anderem dazu dienen, sich kreativ mit der eigenen Körperlichkeit auseinanderzusetzen.“

In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger ergänzte Leyendecker: „Ich verteidige das Recht des Kirchentags auf Exotik, aber das Exotische allein steht nicht für den Kirchentag.“ Es gebe auch eine Veranstaltung „Schöner kommen. Zur Sexualität von Frauen“. Deshalb sei der Kirchentag „aber doch keine Sexmesse“, wonach er allen Ernstes gefragt worden sei.

Herr Bischof, gehen Sie auch zum „Vulven malen“?

Die Bild-Zeitung fragte in diesen Tagen Bischof Heinrich Bedford-Strom, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ob er den Workshop „Vulven malen“ besuchen werde. Er gab sich ahnungslos, ließ sich erklären, was es damit auf sich hat und antwortete dann: „Ich glaube, das wendet sich nicht an mich.“

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