Dortmunder Stadtteil verkommt zum „Durchfahrtsort“: Macht der Verkehr krank?

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Die Kirchlinder Kreuzung nahe der Autobahn-Abfahrt Dortmund-Hafen nutzen Autofahrer, um auf die A45 zu kommen. Ein Anwohner sorgt sich um die Gesundheit – und hat Lösungsvorschläge.

Kirchlinde

, 11.12.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stau in alle vier Himmelsrichtungen – ein Bild, das sich Hubertus Feldmann täglich bietet. „Teils stehen die Autofahrer einen Kilometer in jede Richtung“, sagt er. Seit fünf Jahren beobachtet er nach eigenen Angaben, dass die Verkehrslage an der Kreuzung immer schlimmer wird.

Grund genug für ihn, sich die Verkehrszahlen der Stadt Dortmund zukommen zu lassen. Die sorgen bei ihm für Entsetzen: Kirchlinde, der Stadtteil, in dem Feldmann geboren wurde und heute noch wohnt, gehört zu den verkehrsreichsten in Dortmund.

Und nicht nur das: Die Kreuzung Kirchlinder Straße/ Frohlinder Straße/ Bärenbruch liegt bei einer stadtweiten Messung der Schadstoffbelastung aus dem vergangenen Jahr auf Platz 5 (von 21 Mess-Standorten).

Anwohner der Kirchlinder Kreuzung: „Stickstoffoxid macht krank“

„Es wurde der Stickstoffoxid-Wert gemessen“, erklärt Hubertus Feldmann. „Stickstoffoxid begünstigt beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen.“ Die Konzentration lag 2018 in fünf Monaten über dem Grenzwert.

Der Jahresmittelwert liegt genau an der Obergrenze (40 Mikrogramm pro Quadratmeter). „Das ist schon erschreckend“, sagt Hubertus Feldmann. Ebenso erschreckend findet er die Anzahl der Verkehrsteilnehmer, die die Kreuzung täglich passiert.

Dortmunder Stadtteil verkommt zum „Durchfahrtsort“: Macht der Verkehr krank?

Diese Grafik zeigt die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke des Jahres 2017 an der Kirchlinder Kreuzung. © Grafik Martin Klose

Der Jahresdurchschnitt liegt bei mindestens 9100 Autos pro Tag (westlicher Teil der Kirchlinder Straße) und gipfelt in mehr als 21.000 Autos pro Tag (Bärenbruch). „Es gibt kaum einen Stadtteil, der so stark frequentiert ist.“

Der Grund für die hohe Verkehrsbelastung ist die A45. Wer aus Castrop-Rauxel-Frohlinde oder aus Dortmunder Stadtteilen wie Westrich, Jungferntal oder Rahm auf die A45 möchte oder an der Ausfahrt Dortmund-Hafen abfährt, nutzt den Weg über die Kreuzung.

Und wenn es sich auf der A45 staut, weichen Autofahrer ebenfalls über Kirchlinde aus. „Erst nur über die Hauptstraßen, inzwischen auch über die Nebenstraßen“, sagt Feldmann.

Die Politik muss nach Lösungen für die Kirchlinder Kreuzung suchen

Hubertus Feldmann brachte die Probleme der Kirchlinder Kreuzung und die Zahlen, die die Bezirksvertreter seit August kennen, mit in die letzte Sitzung (4.12.). „Kirchlinde verkommt zu einem Durchfahrtsort – und dagegen muss etwas getan werden.“

Doch die Bezirksvertreter fühlen sich offenbar machtlos. „Es gab mehrere Vorschläge aus der Bezirksvertretung, beispielsweise eine Tunnel-Lösung“, sagte Bezirksbürgermeister Harald Hudy. Die Stadt-Verwaltung habe nichts davon umgesetzt.

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Der Huckarder Verwaltungsstellen-Chef Frank Führer bricht eine Lanze für die Verwaltung der Stadt Dortmund. „Es mangelt nicht an Bereitschaft, sondern an Möglichkeiten.“

Die bisherigen Vorschläge wären ohne den Abriss von Häusern nicht umsetzbar gewesen. „Außerdem muss man sehen, dass Kirchlinde schon seit dem Mittelalter ein klassisches Kreuzungsdorf ist.“

Droht ein Verkehrs-Kollaps?

Eine Begründung, bei der Hubertus Feldmann nur müde lächeln kann. „Im Mittelalter gab es aber eben noch keine Autos.“ Und der Verkehr werde eher zu- als abnehmen.

Deshalb fordert Feldmann Alternativen wie den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes mit Schnellbussen. „Es müsste ja herauszufinden sein, wohin die Menschen wann wollen“, sagt er. „Wenn man die Busse dementsprechend einsetzt und die Fahrkarten bezahlbar macht, würde das helfen.“

Auch ein Ausbau von Radwegen sei wichtig, um einen Verkehrs-Kollaps an der Kirchlinder Kreuzung zu verhindern. „Ich habe ja auch Verständnis für die Autofahrer, die schnell von A nach B wollen, aber die Politik muss Alternativen schaffen.“

Nach der Sitzung der Bezirksvertretung seien alle Fraktionen auf ihn zugekommen, sagt Feldmann. „Wirklich Hilfe angeboten haben aber nur die Grünen.“ Hubertus Feldmann will nun abwarten, ob sie etwas erreichen können. „Und wenn sich nichts tut, gründe ich eine Bürgerinitiative.“

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